Umbau

Ein fast neues Wohnhaus am Wasser

Hier gehts um den vielleicht schönsten Wohnort in Winterthur: Am Rieterkanal in Töss ist kürzlich ein kleines altes Fabrikhaus erweitert worden.

Das Häuschen am Rieterkanal wurde um ein zweites Häuschen erweitet.

Das Häuschen am Rieterkanal wurde um ein zweites Häuschen erweitet. Bild: Tom Licht

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Das alte Gebäude für sich war schon ein Bijou, jetzt ist eine Perle daraus geworden. Doch versuchen wir, zunächst sachlich zu bleiben. Aus den 1890er Jahren stammt das zweistöckige Häuslein, das mit Färberei und chemischer Reinigung angeschrieben ist. Es gehört zum Chrugeler-Quartier in Töss und liegt direkt am Rieter-Fabrikkanal. Seit langem schon ist es ein Wohnhaus.

«So viele planerische Herausforderungen hatte ich zuvor noch nie erlebt.»Anina von Ballmoos, Architektin

Vor sechs Jahren kam es in den Besitz eines jungen Paares, und dieses beauftragte die Winterthurer Architektin Anina von Ballmoos, das Haus zu erweitern. Sie, die seit einigen Jahren in Winterthur ein eigenes Büro führt, musste zunächst Steine aus dem Weg räumen: «So viele planerische Herausforderungen hatte ich zuvor noch nie erlebt.» Und sie zählt auf: Das Haus steht unter Denkmalschutz, es liegt in der Kernzone, ein Teil des Gartens gehört zum Kanal und ist somit im Besitz der Firma Rieter, fürs Bauen innerhalb des Gewässerabstandes brauchte es eine Ausnahmebewilligung des Kantons, weiter zu beachten waren der Vogelschutz wegen der Mauersegler und die Altlasten wegen der chemischen Vergangenheit.

2016 begann die Planung, Anfang 2018 lag die Baubewilligung vor, jetzt lebt die mittlerweile vierköpfige Familie seit rund einem halben Jahr drin. Die Zusammenarbeit mit den Denkmalpflege, sagt die Architektin, sei sehr gut gewesen.

Respekt vor dem Alten

Anina von Ballmoos baute quasi ein Haus ans Haus, ein Holzbau mit einer sägerauhen Fassade ergänzt den Backsteinbau. Beide sind in etwa gleich gross mit je 80 Quadratmetern Nutzfläche auf je zwei Stockwerken. Sie sind eine Einheit und doch steht jeder Teil auch für sich. Man mag es komisch finden, dass der neu gebaute Teil unter der Dachtraufe ans Alte anschliesst, doch zeigt die Architektin damit ihre Achtung vor dem historischen Bau. Um trotz dieses Kniffs genügend Raumhöhe im Neubau zu haben, gab sie ihm ein shedartiges Giebeldach.

Doch wollen wir hier nicht zuviel von Architektur sprechen, sondern vom Leben an diesem schönen Ort. Im Garten stehen der Familie gleich mehrere Sitzplätze zur Verfügung, der eine idyllischer als der andere, eine Slackline zwischen zwei Bäumen zeugt von Sportlichkeit, neben der Badeleiter liegt ein Kanu vertäut. Im hinteren Gartenteil an der J.C.Heer-Strasse blühen Blumen und gedeiht Gemüse.

Der Blick ins Paradies

Drinnen im Haus ist der alte Teil alt geblieben, mit tiefen Furchen in den festen Bodenbrettern. Auch der Treppe ins Obergeschoss darf man die hundert Jahre ansehen. Im neuen Teil ist viel Holz sichtbar, der Boden im Erdgeschoss, im Wohn- und Essraum, ist ein geschliffener und versiegelter Anhydritboden. Fast das Schönste sind die grossen Fenster, die den Blick ins Paradies freigeben. Jene im alten Teil wurden ersetzt durch neue Holzfenster mit historischen Sprossen. Vorausschauend und klug ist auch diese Überlegung: Alles ist vorbereitet, um aus einer grossen Familienwohnung später einmal zwei kleinere zu machen, eine oben, die andere unten. Man muss es sagen: Einen schöneren Wohnort gibt es in Winterthur kaum.

Erstellt: 18.07.2019, 14:59 Uhr

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