Winterthur

«Ein Garten ist immer etwas zwischen Natur und Kultur»

Marco Regnani wohnt mit seiner Familie im ehemaligen Gesindehaus der Villa Frohberg. Innerhalb der letzten 15 Jahre hat er die Umgebung von einer Wildnis in einen üppigen Gemüse- und Blumengarten verwandelt.

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Dort wo die Frohbergstrasse in die untere Vogelsangstrasse mündet, steht ein Haus am Hang, dass der Stadt gehört. Die Lage ist genial, stadtnah und im Grünen gleichzeitig. Die mächtigen Bäume des Frohbergparks stehen direkt hinter dem Gartenzaun. Doch da ist auch Lärm: Während wir reden, fährt quietschend ein Zug vorbei, nur die Vogelsangstrasse trennt den Gleiskorridor vom Garten.

«Das stört mich überhaupt nicht», sagt Marco Regnani, der als Sicherheitsfachmann und Qualitätsmanager arbeitet. Ein Glücksfall sei es gewesen, dass er mit seiner Frau und den beiden Kindern das Haus im Jahr 2003 mieten konnte. Der Garten sei damals ziemlich vernachlässigt gewesen. An der Mauer wuchsen armdicke Ahornschösslinge, wilde Brombeeren überwucherten alles.

«Ich habe nicht wirklich einen grünen Daumen und musste erst alles lernen»

Einen genauen Plan, was er mit dem Garten anstellen wollte, hatte er nicht. «Ich habe nicht wirklich einen grünen Daumen und musste erst alles lernen», sagt er: Learning by doing war die Devise. Sein Grossvater hatte einen Garten im Breitequartier, der ihn als Bub durchaus interessierte, erzählt Regnani. Manche Dinge habe er sich damals abgeschaut, allerdings habe er erst spät begriffen, warum man gewisse Dinge tut.

Er musste selber herausfinden, wie der Garten auf gewisse Eingriffe reagiert. «Das braucht Zeit. Es dauert immer ein Jahr, bis man die Chance bekommt, den Fehler zu korrigieren», sagt Regnani. Er besuchte Kurse im Sträucherschneiden und im Kompostieren, nützliche Investitionen, findet er. Seither legt er hinter dem Haus jedes Jahr einen Heisskompost an, der der ihm «den besten Dünger liefert».

Nacktschnecken aus dem Park

n der Mitte des Grundstücks stehen die Reste der meterlangen ummauerten ehemaligen Treibbeete. Als hier noch das Personal der Villa Frohberg wohnte, wurde darin wohl Gemüse angepflanzt. Als Regnani den Garten übernahm, war das Niveau der Erde in diesen Beeten rund 40 Zentimeter tiefer als das der Umgebung und «unmöglich zu bearbeiten».

 «Eine Nacht hat gereicht, und das Gemüse war futsch.»

Mit zahlreichen Schubkarren voll Humus habe er dies ausgleichen müssen. Heute wachsen hier üppig Tomaten, Bohnen, Kürbisse, Himbeeren, Federkohl, Mangold, allerlei Sommerblumen und Stauden in einem geordneten Durcheinander. «Wir freuen uns dieses Jahr über die Herbstanemone, die hat etwas länger gebraucht, um Fuss zu fassen»

Die Erde der Beete ist mit Mulch bedeckt. «Darauf schwöre ich.» Bei bedeckten Böden verdunste weniger Flüssigkeit, und bei starken Regenfällen verschlamme er nicht. Regnani benutzt Hanf- oder Schilfhäcksel zum Mulchen, das gibt Säckeweise im Gartenhandel zu kaufen. «Im Gegensatz zu Graschnitt oder Untersaaten zieht totes Mulchmaterial auch keine Schnecken an».

Denn die bei Gartenbesitzern so ungeliebten Nacktschnecken fallen manchmal heerscharenweise aus dem benachbarten Park ein. «Eine Nacht hat zum Teil gereicht, und das Gemüse war futsch.» Obwohl er eigentllich Chemie sonst meidet, setzt er in diesem Fall Schneckenkörner ein. Das moderne Eisenpräparat ist unschädlich für andere Tiere, oder wird von ihnen nicht gefressen. Die Schnecken schleimen nicht aus, sondern verkriechen sich und hören auf zu essen.

Zufrieden mit dem Garten

Das Wohnhaus ist nicht ganz privat, der öffentliche Parkzugang führt quasi an der Haustür vorbei. Im Schuppen neben dem Haus stehen Gerätschaften der Stadtgärtnerei. Marco Regnani wurde von der Stadtgärtnerei eine Ecke für sein Werkzeug zur Verfügung gestellt.

Vor der Südwand steht ein Feigenbaum, der aber leider keine Früchte trägt, auch der Zwetschenbaum «tut sich mit Früchten schwer». Am Hang unterhalbs des Parks wachsen Hortensien, Christrosen und Bleiwurz. «Stella» steht auf einem farbigen Holzschild. «Hier haben wir die älteste von unseren drei Katzen begraben.»

Der Garten verändere sich jedes Jahr. Jetzt hat er gerade an der sonnigen Seite ein neues Beet angelegt, in dem Blumen und Beeren prächtig gedeihen. «Seit zwei, drei Jahren bin ich sehr zufrieden mit dem Garten.»

Üppige Tomatenernte

Das Gemüse wird aus reiner Freude an der Sache angepflanzt, zur Selbstversorgeng reicht es nicht: «Wir arbeiten alle und haben nicht unendlich viel Zeit». Die Tomatenernte sei dieses Jahr jedoch so üppig ausgefallen, dass es für die Familie gereicht hat.

Während in den Anfangszeiten zumeist das ganze Wochenende der Gartenarbeit diente, reiche heute ungefähr eine Stunde am Tag, wenn nicht gerade so viel bewässert werden muss wie diesen Sommer. Da hat Regnani seine selbst gebaute Bewässerungsapparatur jeden Abend eine bis zwei Stunden laufen lassen.

Ein Garten sei, sagt Regnani, «etwas zwischen Natur und Kultur. Wenn man ihn ganz sich selbst überlässt wird er in kürzester Zeit zum Wald. Unser Garten ist eher wild und nicht mit der Pinzette gepflegt, aber um das Gleichgewicht zu wahren braucht es trotzdem einiges an Aufwand». (Der Landbote)

Erstellt: 11.09.2018, 12:29 Uhr

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