Winterthur

Ein Generationenwechsel zum Jubiläum

Fast wäre die 100. Generalversammlung des Evangelischen Frauenvereins Wülflingen die letzte gewesen: Mangels Nachwuchs im Vorstand wollte sich der Verein auflösen. Nun gibt es neue Hoffnung.

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Bereits ab den 1860er-Jahren setzten sich wohlhabende Wülflingerinnen für eine Gfätterlischuel ein (wie man damals die Kinderbetreuung nannte) und auch als am 18. November 1919 der Verein der Kindergarten-Freundinnen Wülflingen offiziell gegründet wurde, bestand der Vorstand aus «besseren» Wülflingerinnen.

Für die «lieben Greise»

Darunter waren etwa die Frau Doktor, die Frau Verwalter – oder die Frau Pfarrer, Hedwig Winkler, die lange Jahre Präsidentin und treibende Kraft des Vereins war. «Die Frauen sprachen sich auch untereinander so an», sagt die aktuelle Präsidentin Doris Widmeier mit einer Mischung aus Staunen und Amüsement.

Überhaupt mache die Lektüre der akribisch geführten Protokollbücher bewusst, wie sehr sich die Zeiten geändert haben: «Immer wieder stolpert man über Details, die einen verwundern oder schmunzeln lassen.»

Mit der Eingemeindung von 1922 wurden die Kindergärten Sache der städtischen Schulbehörden, deshalb benannte sich der Verein 1923 in Gemeinnütziger Frauenverein Wülflingen um und wandte sich neuen Aufgaben zu: Die Frauen organisierten nun Altersnachmittage und Weihnachtsfeiern «für die lieben Greise».

Sie linderten materielle Not, indem sie bedürftige Familien und Alleinstehende mit Kleidern, Stoffen und Selbstgestricktem beschenkten und für die eigenen Mitglieder wurden Nähkurse angeboten oder Vereinsreisen veranstaltet.

Retterinnen in der Not

Während in den Kriegsjahren für Wülflinger Soldaten Socken gestrickt wurden, übernahm der lange Zeit interkonfessionelle Frauenverein in der Nachkriegszeit die Organisation von Seniorennachmittagen und Stubeten.

«Der Frauenverein soll die Bevölkerung so abbilden, wie sie ist.»

Im November 2017 beschloss der Vorstand, dieses Engagement aufzugeben: «Wir sind überaltert und konnten beziehungsweise wollten die organisatorische und finanzielle Verantwortung dafür nicht mehr tragen», sagt Doris Widmeier. «Nun werden diese Aufgaben von den beiden Kirchen gemeinsam wahrgenommen.» Nach wie vor aber sei man mit einer Freiwilligengruppe unterstützend dabei.

Ein Frauenverein für alle

Auch hatte man bereits die Auflösung des Vereins ins Auge gefasst, da es kaum Hoffnung gab, Nachfolgerinnen für die Vorstandsarbeit zu finden. Buchstäblich in letzter Minute traten dann zwei Frauen auf den Plan, die bereit waren, sich im Vorstand zu engagieren: Nachdem sie vom drohenden Ende erfahren hatte, stellte sich Cécile von Arx spontan für das Amt der Präsidentin zur Verfügung.

Die neue Kassierin Erika Schindler hingegen wurde von Doris Widmeier schon länger «bearbeitet» und sagte schlussendlich ebenfalls zu.

Den Verein erwarten trotzdem Herausforderungen: Das Gros der 173 Vereinsmitglieder ist zwischen 60 und 80 Jahre alt, eine Verjüngung ist dringend nötig. Doch damit jüngere, berufstätige oder familiär eingespannte Frauen teilnehmen können, müssten für sie neue Angebote am Abend geschaffen werden. Dies widerspricht jedoch den Bedürfnissen älterer Mitglieder, die abends nicht mehr aus dem Haus gehen wollen.

Gerne würde man sich auch wieder mit dem Katholischen Frauenverein zusammentun, der sich 1965 abgespalten hatte, was damals zur Umbenennung in Evangelischer Frauenverein Wülflingen führte.

Diesbezügliche Gespräche haben bereits stattgefunden: «Für die Zukunft wünschen wir uns einen Frauenverein, in welchem sich alle Frauen aus Wülflingen willkommen fühlen, gleich welcher Religion, Ethnie, Hautfarbe: ein Verein für alle Frauen, die guten Willens sind», sagt Doris Widmeier. Ziel sei es, damit den Veränderungen in der Gesellschaft Rechnung zu tragen: «Der Frauenverein soll die Bevölkerung so abbilden, wie sie ist.»

Erstellt: 08.03.2019, 16:22 Uhr

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