Winterthur

Ein grosser Fisch für Stadtwerk

Stadtwerk Winterthur ist neben dem lokalen Geschäft mit Kleinkunden auch im freien Markt tätig. Nun hat man einen grossen Fisch geangelt: Ab 2019 wird die ETH Kundin in Winterthur. Profitiert Stadtwerk von einem Marktvorteil?

Wasserstrom für die ETH: Ab 2019 liefert Stadtwerk Winterthur den Strom für beide Zürcher Standorte.

Wasserstrom für die ETH: Ab 2019 liefert Stadtwerk Winterthur den Strom für beide Zürcher Standorte. Bild: Johanna Bossart

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Für gewöhnlich kommuniziert Stadtwerk Winterthur nicht, welche Grosskunden der stadteigene Betrieb dazugewinnt oder verliert. Die Mitteilung von gestern war eine Ausnahme, und weil es eine gute Nachricht ist, setzte sich Stadtrat Stefan Fritschi (FDP) dafür ein, dass die frohe Botschaft auch gehört wird.Ab 2019 und für fünf Jahre wird Stadtwerk die ETH-Standorte in Zürich (Zentrum und Hönggerberg) sowie in Lindau, Schwerzenbach und Basel mit Strom ­beliefern.

«Von diesem Deal profitiert auch die Stromkundschaft in Winterthur»

Stadtwerk habe sich in der öffentlichen Ausschreibung gegen vier Mitbewerber durch­gesetzt und könne nun jährlich 111 Gigawattstunden verkaufen. Das entspreche etwa einem Fünftel des gesamten Stromverbrauchs in der Stadt Winterthur. Gefragt war Strom, der zu 85 Prozent aus erneuerbaren Quellen kommt.

Stadtwerk bot Strom aus Schweizer Wasserkraft an, der als öko­logisch, aber dennoch günstig gilt. Und, schreibt Stadtwerk in der Mitteilung, von diesem Vertragsabschluss mit der ETH «profitiert auch die Stromkundschaft in Winterthur».

Die ETH zahlt Stadtwerk laut Fritschi 53.86 Franken pro Megawattstunde oder 5,4 Rappen pro Kilowattstunde. Das ergibt rein rechnerisch ein zusätzliches Volumen von 6 Millionen Franken. Dieser Betrag kann indes variieren, weil die ETH ein Teil des Risikos von Strompreisschwankungen in den fünf Jahren mitträgt.

Eine Quersubventionierung?

Zum Vergleich: Ein Winterthurer Haushalt zahlt für Strom aus Schweizer Wasserkraft 8 Rappen pro Kilowattstunde. Bedeutet das also, dass die Haushalte die ETH subventionieren?

«Wir machen Gewinn mit dem Geschäft, und wir können grössere Mengen Strom zu  besseren Bedingungen einkaufen.»Stadtrat Stefan Fritschi (FDP)

«Nein», findet Fritschi: «Wir machen Gewinn mit dem ETH-Geschäft. Und wir können grössere Mengen zu besseren Bedingungen einkaufen.» Stadtwerk merkt zudem an, dass Wasserstrom für Privatkunden naturemade-zertifiziert sei, jener für die ETH aber nicht. Die Preise seien deshalb nicht vergleichbar.

Für den Strommarktkenner und Journalisten Hanspeter Guggenbühl aus Illnau jedoch sinddie Preisunterschiede stossend. Unternehmen wie Stadtwerk Winterthur mit wenig Eigenproduktion, aber mit Monopolkundschaft hätten bei der derzeitigen Stromschwemme in Europa einen Marktvorteil: «Sie kaufen den Strom billig ein, verkaufen einen Teil zu tiefen Preisen auf dem Markt und zu höheren Tarifen im Monopol.» So gesehen würden die Kleinverbraucher Grosskunden wie die ETH durchaus subventionieren, ist Guggenbühls Meinung.

Marktvorteil gegenüber EWZ

Für den Branchenkenner ist es nicht überraschend, dass Stadtwerk die ETH-Ausschreibung ­gewann. Stadtwerk sei im Vorteil ­etwa gegenüber dem Stadtzürcher EWZ, das Wasserkraftanlagen hat. Das EWZ gehörte zu den bisherigen Stromlieferanten der ETH, wie deren Medienstelle bestätigt. Ob das EWZ auch bei der nun ­gebündelten Vergabe mitgeboten hat, sagt die ETH nicht.

(Der Landbote)

Erstellt: 07.03.2018, 11:22 Uhr

Wie läuft der Stromhandel bei Stadtwerk

Kunden in der halben Schweiz – und ein grosses Schweigen

Seit vier Jahren betreibt Stadtwerk den Stromhandel selber, das heisst: Im Hauptquartier Schöntal sind unterschiedlich viele Leute damit beschäftigt, Strom einzukaufen und Kunden zu gewinnen.

Für den Zugang zu Handelsmärkten und die Energiebeschaffung arbeitet Stadtwerk zudem mit einer Privatfirma zusammen, die auch hilft bei Marktanalysen und -berichten.

Ab einem Bezug von 100 000 Kilowattstunden pro Jahr dürfen Firmen auf dem freien Markt Strom einkaufen. Stadtwerk Winterthur hat es im letzen Jahr jedoch geschafft, zum Beispiel die Gemeinde Muttenz (und offenbar auch weitere Gemeinden) als Kundin zu gewinnen.

Stadtwerk informiert über solche Kundenbeziehungen jedoch nie von sich aus und gibt auch nicht bekannt, wie viel man auf diesem Markt verdient. Dies seien im Konkurrenzkampf «wettbewerblich relevante Informationen», begründet Werkvorsteher Stefan Fritschi (FDP) die Verschwiegenheit.

Deshalb veröffentliche Stadtwerk diese Zahlen nicht. Fritschi versichert aber, so ein Geschäft müsse «mindestens kostendeckend sein, sonst machen wir nicht mit».

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