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Ein Hindernis, das wieder weichen musste

Vor den Sommerferien hat das Tiefbauamt eine vor rund einem Jahr aufgebaute Trottoirüberfahrt an der Wylandstrasse wieder abgetragen. Die Rampe sei zu steil und deshalb vor allem für Velofahrer gefährlich gewesen, begründet Peter Gasser, Leiter des Tiefbauamts, den Entscheid.

Die Trottoirüberfahrt führte das bestehende Trottoir wie ein Damm entlang der Vogelsangstrasse über die Wylandstrasse weiter. So wollte man Fussgänger bevorzugen. Doch Velofahrende hatten Mühe mit der Hindernis. Es wurde deshalb abgetragen und durch einen Fussgängerstreifen ersetzt.
Die Trottoirüberfahrt führte das bestehende Trottoir wie ein Damm entlang der Vogelsangstrasse über die Wylandstrasse weiter. So wollte man Fussgänger bevorzugen. Doch Velofahrende hatten Mühe mit der Hindernis. Es wurde deshalb abgetragen und durch einen Fussgängerstreifen ersetzt.
Madeleine Schoder

Erst erstellt die Stadt im Rahmen der Bauarbeiten an der Wylandstrasse eine Trottoirüberfahrt und kein Jahr später baut sie diese wieder ab. «Ich wundere mich, weshalb nicht vorher abgeklärt wurde, ob eine Erhöhung an dieser Stelle Sinn macht», sagt ein Anwohner. Denn das Hindernis sei wirklich «unmöglich» gewesen. Mit dieser Einschätzung ist der Anwohner nicht alleine. «Wir erhielten verschiedene Klagen von Anwohnern, die Probleme hatten, die Erhöhung mit dem Velo zu bewältigen. Hinzu kamen Hinweise von Verbänden wie dem VCS oder Pro Velo», sagt Peter Gasser, Stadtingenieur und Leiter des Tiefbauamtes. Unfälle an dieser Stelle seien ihm allerdings keine bekannt.

Ein Sicherheitsproblem

Eine Trottoirüberfahrt ist eine schwellenartige Erhöhung, die das bestehende Trottoir wie ein Damm weiter über die einmündende Strasse führt. Die Idee war, damit die Fussgänger auf der Hauptverkehrsache Untere Vogelsangstrasse baulich und vortrittsmässig zu bevorzugen. Zudem habe man mit dieser Massnahme die gefährliche Einmündung der Wylandstrasse in die Vogelsangstrasse verbessern wollen. «Wir wollten die Geschwindigkeit talwärts fahrender Verkehrsteilnehmer senken», erklärt Gasser. Es habe sich jedoch gezeigt, dass die bergseitige Rampe baulich zu steil war, vor allem darum, weil die Wylandstrasse bereits ein erhebliches Gegengefälle aufweist. Die Trottoirüberfahrt wurde für abwärtsfahrende Velofahrer zum gefährlichen Hindernis. «Man wollte es zu gut machen und hat ein Sicherheitsproblem geschaffen», so Gasser selbstkritisch.

In einem ersten Schritt wollte das Tiefbauamt die Erhöhung einfach flacher ausgestalten. «Doch wir entschieden uns schliesslich, sie ganz zurückzubauen und durch eine herkömmliche Einmündung mit markiertem Fussgängerstreifen zu ersetzen.» Mitentscheidend sei gewesen, dass die Geschwindigkeit allein schon durch den senkrechten Anschluss der Einmündung in die Wylandstrasse habe verringert werden können. Zudem habe es deutlich weniger Fussgänger auf der Unteren Vogelsangstrasse gegeben als erwartet.

Er verstehe den Ärger der Bevölkerung. «Ich würde das heute auch anders machen», sagt Gasser, «aber ich bin ebenso der Meinung, dass es erlaubt sein muss, gescheiter zu werden.» Immerhin habe man den Rückbau vornehmen können, bevor der Deckbelag eingebaut worden war. «So blieben die Kosten marginal, alle Geräte waren aufgrund der Strassenarbeiten ohnehin vor Ort.» Genau beziffern kann Gasser die Mehrkosten nicht.

Auch schon Schwellen erhöht

Bereits 2015 musste das Tiefbauamt bei Verkehrsberuhigungselementen nachbessern, und zwar an der Rychenbergstrasse. Die Schwellen oder vertikalen Versätze, wie sie offiziell heissen, waren zu niedrig und mussten auf acht Zentimeter erhöht werden («Landbote» vom 21.7.2015). Plant die Stadt bauliche Massnahmen einfach nach Gutdünken und wartet, was der Praxistest bringt?

Diesen Vorwurf will Gasser nicht gelten lassen. Es handle sich bei den Fällen um Ausnahmen. Die bauliche Ausgestaltung der vertikalen Versätze sei aber stets eine Gratwanderung. «Einerseits wollen wir die angestrebte Temporeduktion erreichen, andererseits müssen wir auch sicherstellen, dass es keine Probleme für die Schneeräumung oder Rettungsfahrzeuge gibt.» Exakte Vorgaben zur Höhe von vertikalen Versätzen gibt es laut Gasser nicht. Die Normen liessen je nach Verkehrszusammensetzung, geometrischen und topografischen Rahmenbedinungen eine Bandbreite der baulichen Ausführung zu.

Mehr bauliche Massnahmen

Wie viele Trottoirüberfahrten und Schwellen es aktuell auf Stadtgebiet gibt, konnte Gasser nicht beziffern. Grundsätzlich nähmen die baulichen Massnahmen auf Strassen eher zu, ganz einfach deshalb, weil es auch immer mehr Tempo 20- und 30-Zonen gebe.

Neue Verkehrsführungen, Markierungen, Signalisationen oder bauliche Massnahmen sind in der Regel Verkehrsanordnungen, welche die Stadtpolizei beim Stadtrat beantragt. Sie werden mit einer Rechtsmittelbelehrung amtlich publiziert. Bei grösseren Projekten gibt es zudem ein so genanntes Mitwirkungsverfahren. Bei kleineren, Bauvorhaben, wie der Trottoirüberfahrt Wylandstrasse, wird darauf verzichtet. Die Stadt will aber als Lehre aus dem Fall Wylandstrasse künftig bei der Planung und Projektierung von untergeordneten baulichen Massnahmen, die einen Veloweg betreffen, vermehrt die Verkehrsverbände mit einbeziehen.

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