Oberwinterthur

Ein letzter Blick aufs Blütenmeer

Weil die Industriebrache bald überbaut wird, muss Paul Zahnder seinen Garten mit über 400 Dahlien räumen, den er jahrzehntelang hegte und pflegte.

Paul Zahnder in seinem Dahlien in Hegi. Weil die Brache nun überbaut wird, muss er seinen Garten aufgeben.

Paul Zahnder in seinem Dahlien in Hegi. Weil die Brache nun überbaut wird, muss er seinen Garten aufgeben. Bild: Madeleine Schoder

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Mitten zwischen den meterhohen Bretterlagern und dem blauen, klotzigen Volg-Gebäude blühte es in Oberi bislang in allen Farben. Hier, auf dem Kälin-Areal, hatte Paul Zahnder dreissig Jahre lang eine Industriebrache zum bunten Meer aus Dahlienblüten gemacht, mit 450 Stöcken aus über 200 Sorten, von der kleinen, putzigen Pompon-Dahlie über die skurrile Spider bis zur Deko-Dahlie mit ihren buschigen Blüten, so gross wie eine Hand. Sein Chef hatte ihn einst gebeten, die Brache etwas herzurichten. An­­fangs pflanzten italienische Arbeiter ein wenig Gemüse an und Zahner nebenan die ersten Dahlien. «Mit der Zeit kamen dann immer mehr dazu», sagt er.

Die meisten Sorten besorgte er sich in der Schweiz. Sorgfältig angeschrieben und an Stangen aufgezogen stehen sie heute bunt durchmischt, aber in Reih und Glied, Ordnung muss sein. Die grösste Arbeit stand jeweils im Herbst an. Dann grub der heute 60-Jährige jeden der 450 Stöcke einzeln aus, wusch, säuberte und trocknete die flachen Wurzelknollen, legte diese in einen alten, mit Sägemehl gepolsterten Farbkübel ein und verstaute sie im Lager nebenan. «Einen Monat dauerte diese Büez jeweils», sagt er grinsend, und einen weiteren, um die Dahlien im Frühling wieder neu zu setzen.

Weil die Brache bald überbaut wird, muss Zahners Garten nun weichen. Die meisten Stöcke, die er verschenkt, sind schon vergeben. Noch ein paar Tage ist er ab 17.30 Uhr jeweils vor Ort. Viele Oberianer kannten die kleine Oase. «Ein paar holten sich ab und zu ein Sträusschen ab und blieben auf einen Schwatz», erzählt er und zeigt die Bilder auf seinem Handy.

Nach einer Pünt als Alternative habe er sich nie umgesehen. «Irgendwann ist immer Schluss», sagt der eher grobgeschnitzte Hobbygärtner – inmitten seines Blütenmeers. (Der Landbote)

Erstellt: 07.10.2017, 09:56 Uhr

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