Winterthur

Ein neues Haus für Demenzpatienten

24 neue Wohnplätze für Demenzkranke hat die Stiftung St. Urban geschaffen. Der Neubau hinter dem Coop Seen hat 10 Millionen Franken gekostet, wirkt wohnlich-warm und ergänzt ab August das Angebot des Freitaghauses nebenan.

Gestern waren die Storen noch unten, heute gehen sie hoch. Im Hintergrund das Riegelhaus, das Platz bietet für 12 Demenzpatienten.

Gestern waren die Storen noch unten, heute gehen sie hoch. Im Hintergrund das Riegelhaus, das Platz bietet für 12 Demenzpatienten. Bild: Madeleine Schoder

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Der Bau geschah völlig unabhängig von der politischen Debatte, die in Winterthur am Laufen ist: Soll die Stadt einem israelischen Investor zwei grosse Landparzellen verkaufen, damit dieser dort Pflegeheime, möglicherweise mit Demenzabteilung, bauen kann?

Die Stiftung St.Urban, die das Altersheim in Seen betreibt, hat das Land, auf dem sie nun ein neues Demenzzentrum gebaut hat, vor Jahren als Legat von Mitgliedern der Familie Freitag geschenkt bekommen (siehe Box).

Das ehemalige Bauernhaus und Wohnhaus der Freitags, bietet seit zehn Jahren zwölf Plätze für Demenzkranke und heisst neu Haus Annemarie (benannt nach einer der beiden Freitag-Schwestern). Der Neubau daneben, von dem hier die Rede sein wird, heisst Haus Margrit (nach der anderen Schwester), zusammen bilden die zwei Häuser das Zentrum Freitag.

Im Grünen und doch urban

Das Haus Margrith liegt im Grünen und gleichzeitig nah am dichten urbanen Raum, an der Kreuzung von Hofmannstrasse und Steinackerweg in Seen, einen Katzensprung vom Coop-Parkplatz. Auf der anderen Seite des Hauses summen fleissige Bienen und gackern glückliche Hühner.

Das Haus Margrit ist dreistöckig, ein kompakter Bau in warmen Farben, fast mediterran wirkt er beim jetzigen Wetter. 24 Patientenzimmer auf zwei Etagen hat der Bau, rund ums Treppenhaus angeordnet. Im Kreis gehen, dieses Muster vieler Demenzpatienten, das kann man auch auf den Wegen im Garten, der natürlich eingezäunt ist. Der Zugang vom Haus zum Garten ist fast immer möglich, die übrigen Türen nach draussen sind gesichert.

Das Winterthurer Architekturteam Schneider Gmür hat ein Wohnhaus geplant, kein Heim. Viel Holz im Innern, möbliert mit aufgefrischten alten Sofas und modernen Sesseln, ein grosses Badezimmer pro zwei Patientenzimmer, zwei gleichwertige Ess-/Aufenthaltsräume sowie eine Gastroküche im Parterre.

Und wenn, was vorkommen kann, eine Patientin oder ein Patient plötzlich mitten in der Nacht eine Gerstensuppe verlangt oder ein Birchermüesli, steht dies im Kühlraum stets bereit. Die ersten Bewohnenden ziehen im August ein, immer in Absprache mit der städtischen Wohnberatung für Alterszentren.

24 Pflegende für 24 Patienten

Trotz dem gelungenen Bemühen, eine wohnliche Atmosphäre zu schaffen, braucht so ein Haus aber natürlich auch Pflegeeinrichtungen, ein Pflegebad mit schickem Oberlicht etwa, und Stationszimmer, wo Medikamente lagern.

Im Haus Margrit passiert die Medikamentenabgabe nach dem Prinzip der Verblisterung: Für jeden Patienten und jede Patientin wird der tägliche Medikamentencocktail von der Lieferfirma separat abgepackt geliefert. Das bedeute weniger Arbeit und weniger Fehler bei der Abgabe, sagt Marc Basler, Geschäftsführer des Altersheims St.Urban.

Den definitiven Stellenplan im Haus Margrit kennt Basler noch nicht, dieser hängt vom Pflegebedarf der Bewohnenden ab. Er rechnet derzeit mit 24 Vollstellen in der Pflege. Damit können 24 Menschen mit sehr hoher Pflegeeinstufung begleitet werden. Mindestens die Hälfte davon müsse Fachpersonal sein, sagt er.

(Der Landbote)

Erstellt: 20.07.2018, 14:24 Uhr

Legat der Schwestern

Emil Freitag (1883-1947) war Seemer und bewirtschaftete am heutigen Steinackerweg seinen Bauenbetrieb.

1922 wurde er im Rahmen der Stadtvereinigung als Vertreter der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB, heute SVP) in den Stadtrat gewählt. Bis zu seinem Tod stand er dem Güter- und Landwirtschaftsamt vor.

Zu den Nachkommen gehörten die Schwestern Margrit und Annemarie Freitag, die ihr Heimet und rund 8000 Quadratmeter Land 2002 der Stiftung St.Urban schenkten - «mit verbindlichen Nutzungsauflagen», wie der Stiftungspräsident sagt.

Im Stiftungsrat sitzen u.a. Vertreter der beiden Landeskirchen, und er hat entschieden, auf kommerziellen Wohnungsbau zu verzichten.

Auch allfällige weitere Bauten auf dem noch freien Teil des Grundstücks sollen einen sozialen Nutzen haben und die Namen weiterer Familienmitglieder der Freitags tragen.

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