Winterthur

Ein neues Projekt mit ähnlichen Zielen

Nachdem das Projekt «Sirma» gescheitert ist, nimmt die Stadt einen weiteren Anlauf, um die Sonderschulkosten zu bremsen. Beim neuen Projekt «Wega» tragen die Schulleitenden mehr Verantwortung — weil sie näher an Kindern und Schule dran sind.

Ein neues, altes Ziel: möglichst wenig Sonderschüler. Auch «Wega» will möglichst viele Schüler in Regelklassen integrieren.

Ein neues, altes Ziel: möglichst wenig Sonderschüler. Auch «Wega» will möglichst viele Schüler in Regelklassen integrieren.

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Die Kritik am Projekt Sirma (Stärkung der Integrationskraft der Regelschulen durch Ressourcenmanagement) im Evaluationsbericht ist deutlich. «Sirma beruht auf einem Überlegungsfehler und kann nicht funktionieren», heisst es etwa.

Oder: «Sirma ist ohne Umsetzungsbegleitung eingeführt und wird sehr unterschiedlich verstanden und gelebt.» Die Folgen sind spürbar. Ab 2015, also seit der Einführung von Sirma, stiegen die Sonderschulkosten jährlich um gut 10 Prozent. Ziel wäre aber gewesen, die Kosten zu bremsen.

Die Zentralschulpflege unter der Leitung von Stadtrat Jürg Altwegg (Grüne) hat deshalb beschlossen, Sirma zu stoppen und es mit einem anderen Ansatz zu versuchen.

Das neue Projekt heisst Wega, benannt nach einem Stern. Es stützt sich auf die Empfehlungen aus dem Evaluationsbericht, den Christian Liesen vom Institut für Sozialmanagement der ZHAW in Zusammenarbeit mit der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik erarbeitet hat.

Gemäss Altwegg bleibt das Ziel im neuen Projekt dasselbe. Die Sonderschulquote soll gesenkt werden, indem Kinder wenn möglich in der Regelschule gefördert werden Doch der Weg zum Ziel soll ein anderer sein.

Zusammenspiel der Akteure

Mit Wega will man erreichen, dass die Akteure der ganzen Volksschule besser zusammenarbeiten. Der Bericht empfiehlt dafür zwei Massnahmen:

Ein zentraler Punkt ist, dass die Schulleitungen mehr Verantwortung erhalten. Sie müssen dafür sorgen, dass die Intregration gelingt. Dafür sollen sie aber auch über die entsprechenden Mittel und Komptenzen verfügen. «Die Schulleitenden sind näher an den Kindern dran als die Kreisschulpflegen. Deshalb erhoffen wir uns, dass sie früher eingreifen können», sagt Altwegg.

«Wir erhoffen uns, dass die Schulleiter früher eingreifen können als die Kreisschulpflegenden»

Die zweite Empfehlung lautet, ein Planungsbudget für die Sonderschulung einzuführen. Dieses umfasst alle Massnahmen sowie die budgetierten Mittel zur Stärkung der Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen.

Den Verantwortlichen wird zudem ein Finanzcontrolling-Instrument zur Verfügung gestellt, das hilft, den Gesamtüberblick zu behalten. Die Zentralschulpflege wird den Schulen die finanziellen Mittel direkt zuweisen. Anders als bei Sirma liegt die Verantwortung für die externen Sonderschulungen wieder bei der Zentralschulpflege.

Wie die Ressourcenverteilung konkret umgesetzt wird, ist laut Altwegg noch nicht ganz klar. Eine Steuergrupppe, die aus Vertretern der Zentral- und Kreisschulpflegen, der Schulleitungen und des Departements Schule und Sport besteht, wird das Projekt begleiten. Vier interprofessionell zusammengesetzte Teilprojektgruppen sind daran, die Details zu Wega auszuarbeiten.

Proaktiver Ansatz

Die Schulleitenden begrüssen das neue Projekt grundsätzlich. «Der proaktive Ansatz ist sicher richtig», sagt Markus Seger, Präsident der Schulleitungskonferenz Winterthur.

«Viele Schulleitende sind bereits heute überlastet. Man kann ihnen nicht immer noch mehr aufbürden»

Die Schulleitenden seien gern bereit, Verantwortung zu übernehmen. «Aber das muss auch Konsequenzen haben. Viele Schulleitende sind bereits heute überlastet. Man kann ihnen nicht immer noch mehr aufbürden», sagt Seger.

Das sieht auch Jürg Altwegg so. Mitte Mai kommt es deshalb zu einer Aussprache zwischen der Zentralschulpflege und dem Vorstand der Schulleitungskonferenz. «Es ist klar, dass wir die Schulleitenden an anderen Orten entlasten müssen, wenn wir sie hier stärker einbinden.»

Bis das neue Projekt greift, wird man mit der Mittelverteilung wie bisher weiter fahren. Altwegg rechnet deshalb damit, dass man auch 2019 noch nicht viel von Wega merken wird. Die Zentralschulpflege will aber noch vor Ende der laufenden Legislaturperiode Grundsatzentscheide zur neuen Organisation der Sonderschulung fällen. Die Umsetzung erfolgt dann bis 2022.

Altwegg ist zuversichtlich, dass Wega mehr Erfolg haben wird als Sirma. «Der Bericht konnte plausibel aufzeigen, dass es grundsätzlich möglich ist, unsere Ziele zu erreichen. Aber eine Garantie haben wir natürlich nicht.»

Erstellt: 19.04.2018, 17:59 Uhr

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