Badesaison

«Ein Restaurant in einer Badi zu führen, ist immer ein 300-Prozent-Job»

Geisi-Wirt Geduen Sakutshang weiss, wie der Sommer war. Er verdient sein Geld damit. Und mit dem Winter auch.

Geduen Sakutshang ist seit 22 Jahren Pächter im Hallen- und Freibad Geiselweid und von weiteren sieben Saisonbetrieben.

Geduen Sakutshang ist seit 22 Jahren Pächter im Hallen- und Freibad Geiselweid und von weiteren sieben Saisonbetrieben. Bild: Marc Dahinden

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Herr Sakutshang, Erwarten Sie am Wochenende nochmals viele Kundinnen und Kunden?
Nein, Ende August ist das Geschäft definitiv gelaufen.

Sie führen seit über 20 Jahren das Restaurant im Hallen- und Freibad Geiselweid...
Erfolgreich.

...und Ihr Unternehmen führt mittlerweile sieben weitere Saisonbetriebe. Wie war der Sommer 2019?
Ende Juli lagen wir 14, 15 Prozent unter Vorjahr, Ende August waren es minus 35 bis 38 Prozent. Der Juni war gut, im Juli war an vier Samstagen schlechtes Wetter. Die Ferien haben uns geholfen. Der August war ganz schlecht. Dennoch sind wir auf einem guten Weg. Wir konnten die Mitarbeiter pünktlich zahlen und die Lieferanten. Das ist im Gastgewerbe nicht selbstverständlich.

Das haben Sie vorher mit «erfolgreich» gemeint.
Genau. Viele Betriebe haben laufend Pächterwechsel. Ein Restaurant in einer Badi zu führen, egal ob gross oder klein, ist immer ein 300-Prozent-Job.

Ein 300-Prozent-Job?!
Ich arbeite 13, 14 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

Und Ihre Familie?
Seit vier Jahren fahre ich wieder mit in die Ferien. Ich habe einen Preis zahlen müssen. Dafür habe ich eine erfolgreiche Firma mit einem klaren Konzept.

Wie sieht dieses Konzept aus?
Wir haben immer das Wetter im Blick und reagieren darauf bei den Bestellungen. Mittlerweile haben wir Lieferanten, die uns fünf- bis sechsmal pro Woche anfahren. Weil wir vieles jeden Tag selbst produzieren, müssen wir kaum etwas wegwerfen.

Wie reagieren Sie personell auf die wechselnde Nachfrage?
Weil wir Betriebe haben mit Sommersaison und im Winter Restaurants in zwei Eishallen und Hallenbädern, beschäftigt unser Unternehmen heute 35 Vollzeitstellen. Das schafft Flexibilität. Und wir arbeiten sehr effizient. Selbst an Spitzentagen mit 4200 Eintritten in die Badi Geiselweid kommen wir mit vier bis fünf Angestellten aus. Das Wichtigste ist die Kasse. Da darf es keine Staus geben, und sie muss präzise Bestellungen drucken.

«Selbst an Spitzentagen mit 4200 Eintritten kommen wir mit vier bis fünf Angestellten aus.»

Was läuft am besten?
Pommes und Chicken-Nuggets sind unschlagbar. Aber wir bieten mehr: Neben den typischen Badimenüs haben wir den Fitnessteller mit verschiedenen Salaten, asiatische Menüs und Gutbürgerliches wie Ghackets mit Hörnli. Im Winter haben wir Fondues, mit meiner Mischung. Auch Asiaten können Fondue kochen.

Ist nicht fast alles industriell gefertigt, was Sie verkaufen?
Diesen Vorwurf hören wir oft. Er ist falsch. Wir produzieren 60 Prozent selbst. Viele Leute schreiben einfach etwas ins Internet.

Oft werden die Preise kritisiert.
Es ist wie ein Ritual. Im ersten Jahr nach einer Übernahme kommentieren die Leute die Preise. Und die Qualität. Im zweiten Jahr hört man nichts mehr. Der Kafi kostet bei uns 3.80 Franken. Obwohl ich Fairtrade-Bohnen kaufe, für 27 Franken das Kilo.

Sie wurden als Kind aus Tibet adoptiert. Wer Tibet sagt, kommt um China nicht herum. Wie gehen Sie mit dem Thema um?
Ich reise nach Tibet, ich helfe etwas aufzubauen, achte auf soziale Fairness und Ökologie. Wir sprechen über das Geschäft, wir sprechen über den Alltag. Politik ist tabu. Ökologie und Nachhaltigkeit ist uns auch in der Schweiz wichtig. Wir wollen nicht um jeden Preis grösser werden. Wir wollen die Qualität halten.

Aber das Wachstum ihres Unternehmens hat sich beschleunigt. Seit dem Frühling gehören die Badi-Kioske von Hettlingen und Wetzikon dazu.
In Hettlingen war ich diese Woche zum Essen eingeladen. Die Gemeinde ist sehr zufrieden und möchte, dass wir weitermachen. Es ist schön, wenn jemand unsere Leistung schätzt. Das motiviert mich und meine Mitarbeiter.

Erstellt: 14.09.2019, 09:56 Uhr

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