Winterthur

Ein Rohr gegen die Deponiegase

Seit Jahren klärt die Stadt ab, wie sie ihre alte Kehrichtdeponie im Dättnau sanieren soll, aus der Methan und Kohlendioxid austreten. Im Sommer fahren nun die Bagger auf.

Unter dieser Wiese lagert 70 Jahre alter Abfall.

Unter dieser Wiese lagert 70 Jahre alter Abfall.

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Dass im Dättnau aus einer alten Kehrichtdeponie kleine Mengen Gas austreten, weiss die Stadt seit 2007. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der alten Lehmgrube der Ziegelei Keller der Winterthurer Siedlungsabfall abgelagert. 1959 wurde die Deponie geschlossen und mit Erde bedeckt. In den Achtzigerjahren entstanden hier Häuser.

In deren Untergeschossen wurden kleine Mengen Kohlendioxid und Methan gemessen. Diese liegen zwar um den Faktor hundert unterhalb der für Menschen gefährlichen Grenze und die höchste gemessene Konzentration ist 2000-mal kleiner, als dass Explosionsgefahr drohte.

Trotzdem entschied die Baudirektion des Kantons im Jahr 2011, dass eine Sanierung nötig sei. Und dass dafür die Stadt Winterthur zuständig sei, die den Abfall einst abgelagert hatte.

Vier Gräben sollen folgen

Nach einigen Abklärungen und Studien liegt nun ein Bauprojekt auf. Gehen keine Rekurse ein, könnten im Sommer im Dättnau die Bagger auffahren.

«Um die langfristige Wirksamkeit festzustellen, muss der Pilotversuch im Minimum zwei Jahre dauern.»Aus dem Bericht der Altlasten-Experten

Diese graben aber nicht etwa den ganzen Abfall aus – bei über einer Million Kubikmetern wäre das viel zu teuer. Vielmehr entsteht hier der erste von insgesamt fünf Entgasungsgräben. Ein rund 30 Meter langes und ein Meter breites Kunststoffrohr mit Schlitzen wird vergraben.

Über zwei Öffnungen («Gasfenster») und das Kiesbett oberhalb des Rohrs können die Deponiegase aus dem Boden entweichen und Frischluft zuströmen. Methan ist leichter als Luft und kann gefahrlos in die Umwelt entweichen. Etwa zwei Jahre soll der Pilotversuch dauern. Erfolgreich ist er dann, wenn die Gaskonzentration in den Hauskellern tatsächlich sinkt. Mittelfristig sind fünf solche Gräben geplant.

Gärten sind nicht betroffen

Die Anwohner am Finkenrain wurden schon letztes Jahr informiert, sagt Hanspeter Räbsamen, Projektleiter bei der Stadt. Für sie halten sich die Eingriffe in Grenzen. Die Gräben werden nicht auf ihren Grundstücken, sondern auf angrenzendem städtischem Land gebaut. Ihre Gärten und Keller dürfen sie normal weiterbenutzen. In einzelnen Untergeschossen werden Fugen abgedichtet, in einer Werkstatt wird ein Lüfter installiert.

Während der Dauer des Versuchs kommt zudem gelegentlich eine Person vorbei, um die Gaswerte zu messen. Für die Anwohner entstehen keine Kosten. Die Stadt selbst rechnet bis Abschluss der Deponiesanierung mit Ausgaben in Höhe von rund 2,7 Millionen Franken. Diese sind bereits bewilligt. Rund 40 Prozent sollen aus einem Altlastenfonds des Bunds rückvergütet werden.

Das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) des Kantons hat das Konzept bewilligt, das zuständige Bundesamt ebenfalls. Untersucht worden war neben der «passiven» auch eine «aktive» Lösung, wo Luft in den Boden gepumpt und Gase abgesaugt worden wären, um die Zersetzung des Deponieguts zu beschleunigen.

Das hätte allerdings etwa eine Million Franken mehr gekostet und das Risiko von Absenkungen erhöht. Wenn es aus den neuen Entlüftungsschächten zu sehr stinken sollte, rüstet die Stadt mit einem «Biofilter» nach; vermutlich würde Heidekraut gepflanzt.

In 30 bis 50 Jahren saniert

Bleibt die Frage, warum fast siebzig Jahre alter Güsel überhaupt noch Gase bildet. In den Vierziger- und Fünfzigerjahren bedeckte man den Abfall mit Schlacke und Giessereisand, um den Gestank zu dämpfen.

Diese «Sandwich-Technik» bewirkte allerdings, dass zu wenig Sauerstoff zum Kehricht gelangte und dieser zu langsam verrottete.

Wenn der Pilotversuch erfolgreich ist und die Gaswerte in den Kellern der Häuser sinken, können 2021 die restlichen Gräben erstellt werden. In 30 bis 50 Jahren könnte die Deponie dann als vollständig saniert gelten.

Erstellt: 08.03.2019, 17:58 Uhr

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