Mattenbach

Ein «smartes Quartier» nimmt Formen an

Smart City Winterthur, was bedeutet das eigentlich? Am Beispiel eines Pionier-Quartiers, das sich gerade erneuert, wird der Begriff nun etwas fassbarer.

Heinz Hunn (WBG Talgut) und Evelyn Lobsiger (ZHAW) studieren vor dem Neubau im Talgut-Quartier den Leitfaden für «smarte Quartiere».

Heinz Hunn (WBG Talgut) und Evelyn Lobsiger (ZHAW) studieren vor dem Neubau im Talgut-Quartier den Leitfaden für «smarte Quartiere». Bild: Marc Dahinden

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Nicht clever, nicht schlau, sondern als smart labelt sich die Stadt Winterthur. Was an Workshops, Podien und Papers lange als luftiger Begriff auftauchte, wird langsam fassbarer.

Der Stadtrat hat kürzlich eine Smart City-Strategie verabschiedet, bald gibt es eine Fachstelle Digitalisierung dazu und es wird ein Innovations-Kredit gesprochen werden. Und für die smarten Quartiere haben die städtische Fachstelle für Umwelt- und Gesundheitsschutz und die ZHAW vor zwei Jahren einen Leitfaden mit Checkliste entworfen.

«Die Leute sollen raus aus ihren Wohnungen und miteinander  reden.» Heinz Hunn, 
Präsident WBG Talgut

Smart wohnen heisst nachhaltig wohnen: Vernetzt, energieeffizient, gesund und in einer Siedlung, in der man miteinander lebt, statt nebeneinander. Es geht offensichtlich auch um Ideale, deshalb waren auch die nicht-profitorientierten Wohnbaugenossenschaften (WBG) die ersten Ansprechpartner.

Als smarter Pionier und planerische Spielwiese wurde das Talgutquartier in Mattenbach mit seinen vier WBG erkoren. Dort werden in den nächsten Jahren etappiert rund 100 Wohnungen neu gebaut oder saniert. Den Anfang machen die WBG Talgut und die AG für Erstellung billiger Wohnhäuser in Winterthur.

Der Gestaltungsplan stand zwar schon vor dem Smart City-Konzept, aber smart konzipierten die Bauherren ihre Teilquartiere dennoch, wie das Beispiel der WBG Talgut zeigt. Deren Neubau mit 27 Wohnungen an der Zwinglistrasse ist im Herbst bezugsbereit. Was daran ist nun smart?

Hier ein wenig, da ein wenig

Präsident Heinz Hunn nennt fünf Aspekte: Planung, Energie, Mobilität, Verdichtung und Soziales.

Planung: Die vier Wohnbaugenossenschaften sprachen sich bei den Um- und Neubauten ab, damit die Bewohner grösstenteils innerhalb der Siedlung um- und wieder zurückziehen konnten, teils genossenschaftsübergreifend. Die Bewohner wurden früh informiert. «Das ist smart geplant», findet Hunn.

Energie: Mit den Solarpanels auf dem Dach können die Bewohner den eigenen Strom beziehen, für den die WBG Talgut einen eigenen höheren Preis bestimmen darf. Stadtwerk hat das bewilligt.

Im Gegenzug ist Talgut verpflichtet, als Mindeststandard Öko-Strom zu beziehen. Stadtwerk misst die Verbrauchsdaten und rechnet ab. Auf das sogenannte Smart-Metering, bei dem der Stromverbrauch transparent wird, verzichtet die Wohnbaugenossenschaft. «Der Datenschutz geht vor», sagt Hunn.

Das Stromprojekt habe Symbolcharakter. «Wer will zahlt freiwillig mehr für sauberen Strom.» Der Neubau ist gemäss dem SIA-Energieeffizienzpfad gebaut, der den 2000 Watt-Zielen entspricht.

Mobilität: Die Zwinglistrasse wird zur Begegnungszone, es gilt Tempo 20, die oberirdischen Parkplätze werden aufgehoben. In der Tiefgarage gibt es halb so viele Parkplätze wie zuvor, für jeden zweiten Bewohner einen. Die WBG kaufte der Stadt ein Strassenstück ab und verschmälert es nun um zwei Meter und schaffte damit Platz für mehr Wohnraum.

Verdichtung: Eine 4,5-Zimmer-Wohnung ist mit 105 Quadratmeter rund 10 Prozent kleiner als auf dem freien Markt. Gebaut werden darf neu dreigeschossig, ein Entgegenkommen der Stadt.

Soziales: Dank Verdichtung bleibt mehr Platz für Grünzone in der traditionellen Gartenstadtsiedlung. Die Quartiergärten werden zu einem Gemeinschaftsgarten, mit eigenem Beet für die Kinder. Das Quartier solle leben, die Bewohner aus ihrer Wohnung kommen, nach draussen. Treffpunkt wird auch ein neuer Pavillon für kleine Quartierfeste.

Reden statt Social Media

Hunn gesteht ein: Smart interpretiere er eher konservativ. Online-Sharing- oder Social Media-Plattformen zur Vernetzung strebt seine Wohnbaugenossenschaft nicht an. «Die Leute sollen miteinander reden.»

Repaircafé, Coworking-Spaces, Akkuladestationen oder Bienenzucht stünden ebenfalls auf der Checkliste des «Smarte Quartiere»-Leitfaden. Evelyn Lobsiger, Projektleiterin an der ZHAW, betont, dass die Quartierentwicklung nur einer von vielen Smart City-Bausteinen ist: «Aber es ist einer, der sich besonders gut eignet, um die Leute für das Thema zu sensibilisieren.»

Gesamtstädtisch wurden Energie, Mobilität, Smart Government, Bildung und Innovation, sowie Wohnen, Gesundheit und Alter als Themenschwerpunkte festgelegt. Diese papierenen Stichworte gilt es nun mit Inhalt zu füllen.

Beim Stadtmelder, den E-Lastenvelos oder intelligenten Strassenlaternen hat das bereits funktioniert, die Energiedatenbank oder ein Brenngut-Abfallspeicher zur Energieproduktion im Winter sind auf dem Weg.

(Der Landbote)

Erstellt: 11.05.2018, 16:19 Uhr

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