ZHAW

Ein Student siegt im Duell mit der Knacknuss «König Blauzahn»

Mario Noseda hat für seine Bachelor-Arbeit zu Bluetooth einen Forschungspreis bekommen.

Knobelte lange am perfekten Code: Mario Noseda.

Knobelte lange am perfekten Code: Mario Noseda. Bild: Marc Dahinden

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Ein Gerät, fünf Fehler. Finde sie, und löse das Problem. In diesem Modus war Mario Noseda (24) ein Jahr lang tagtäglich während seiner Lehre zum Elektroniker. Radiowecker, Funkgeräte oder Toaster: Sein Lehrmeister setzte ihm alles vor, um ihn an der Metalli so gut wie möglich auf die Berufsweltmeisterschaften in Brasilien vorzubereiten, für die er sich nach seiner Goldmedaille an den Swiss Skills qualifiziert hatte. Drei Jahre später stand er bei der Bachelorarbeit an der ZHAW ebenfalls vor einer einfachen Frage für ein komplexes Problem: Bluetooth Mesh, kann das was?

Bluetooth ist der bewährte weltweite Funkstandard für die Datenübertragung zwischen zwei Geräten, zum Beispiel zwischen einem Smartphone und kabellosen Boxen. Mesh ist der neuste von derzeit drei Bluetooth-Typen, die sich nach Frequenz, Reichweite oder Datendurchsatz unterscheiden. Noseda und zwei Mitstudenten sollten nun herausfinden, wie gut sich Mesh in ein älteres Netzwerk integrieren lässt, das per Kabel funktioniert: ins KNX. Dieses ist heute in vielen Firmengebäuden verbaut, ein Netzwerk, über das sich zentral die gesamte Haustechnik steuern lässt, von den Rollläden über die Belüftung bis zur Beleuchtung. Die drei Studenten kamen letztlich zum Schluss: Mesh und KNX lassen sich verbinden, nämlich über einen sogenannten Rasperry Pi, einen Einplatinencomputer, knapp so gross wie eine Schokoladentafel. Dieser schlägt als Gateway die Brücke. Zentral dabei ist sei jedoch die neu programmierte Software. Noseda zeigt auf den Bildschirm, auf dem ein ellenlanger Quellcode läuft. Die beiden Systeme seien etwa so ähnlich wie Englisch und Chinesisch: «Und wir mussten Übersetzer spielen.»

Knapp an 6er-Schnitt vorbei

Für ihre Arbeit wurden die drei Elektroingenieure mit einem mit 3000 Franken dotierten Forschungspreis ausgezeichnet. Haustechnik ist ein riesiger Markt und Bluetooth weltweiter Marktführer. Doch ein Start-up zu gründen und seine Gateway-Lösung zu Geld zu machen, plant Noseda nicht, vorerst zumindest. Mit einem anderen Start-up hat er es schon versucht. Die Arbeit im grossen Team behage ihm allerdings besser, und so arbeitet er beim ZHAW Institute for Embedded Systems nun als wissenschaftlicher Assistent. Dort hat man ihn mit Handkuss genommen. Mit einem Notendurchschnitt von 5,85 schloss er am Technikum als Jahrgangsprimus ab. «Mit meiner Lehre an der Metalli und all den Vorbereitungen für die Wettkämpfe hatte ich sicher drei Semester Vorsprung», sagt er geradlinig und bescheiden.

Für Elektrotechnik konnte sich Noseda schon als Junge begeistern. Akribisch habe er Kassettenrecorder und Stereoanlagen zerlegt. «Auseinandergenommen, aber nicht immer wieder zusammengebaut.» Er schmunzelt. Man sieht, er erinnert sich gerne zurück.

«Machen, machen, machen»

Bestnoten und der Ehrgeiz, jeden und jede in seinem Umfeld zu überstrahlen, treibe ihn nicht an. «Aber ich will etwas lernen, besser werden und vor allem: machen, machen, machen.» Bei der ZHAW fühle er sich deshalb gut aufgehoben. Hier sei er umgeben von Topleuten auf jedem Fachgebieten, an die er sich wenden könne. An seinem Institut arbeitet man vor allem auftragsbasiert, wie in einer kleinen Firma. So bekommt der Seemer auch in nächster Zeit Knacknüsse aus der Privatwirtschaft vorgesetzt, aus der Welt des Internets der Dinge, der Industrie 4.0 oder von König Blauzahn (Harald Bluetooth), nach dem die Erfinder von Bluetooth ihr Netzwerk benannt hatten.

Erstellt: 12.09.2019, 07:05 Uhr

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