Neuwiesen

Eine Baustelle für die nächsten zwei Jahre

Das Zentrum Neuwiesen steckt mitten im Umbau und eröffnet erst in zwei Jahren komplett neu. Dann sind längst die neuen Mieter in den neunstöckigen Anbau eingezogen. Die Siska Heuberger Holding hat Millionen investiert.

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Es rattert und es kreischt, es wird gesägt und gebohrt im Zentrum Neuwiesen. Ganze Wände werden im ersten Obergeschoss derzeit weggespitzt, über den Köpfen der Besucher. Das älteste Shopping-Center der Stadt wird radikal umgebaut, im Moment ist es komplett eingerüstet. Vor drei Monaten starteten die Bauarbeiten. Das Einkaufserlebnis ist im Neuwiesen ist derzeit ein eher dürftiges: der Haupteingang zur Rudolfsstrasse ist ein schmaler dunkler Gang, in dem sich die Kunden aneinander vorbei schlägeln. «Es freut mich, dass die Leute den Weg trotzdem immer noch rein und raus finden», sagt Günter Heuberger, der Verwaltungsratspräsident der Siska Heuberger Holding AG, der das Gebäude gehört.

Es bröckelte von der Decke

Drinnen baumeln die Kabel von der Decke. Den heftigsten Baulärm haben die Verkäuferinnen und Verkäufer aber überstanden. «Zweitweise bröckelte hier der Putz von der Decke», erzählt eine Ladenbesitzerin. Derzeit läuft der dritte Teil der ersten Bauetappe, der Grundausbau des Obergeschoss. Dort, in die neue einstöckige Supermarktebene, zieht im Sommer 2018 die Migros mit grossem Food und Non-Food-Sortiment. Dann wird gewechselt – und die Arbeiten beginnen im Erdgeschoss (siehe Grafik rechts), wo unter anderem die neue Fress-Meile und ein grosser Allnatura-Shop hinkommen. Am Ladenmix ändert sich sonst nicht viel. Kleinere Geschäfte wie Demirs Nähatelier oder das Kleiderladen Schellenberg bleiben.

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Ein simplerer Grundschnitt soll im vorher recht verwinkelten Center mehr Orientierung bieten. «So schön wird das neue Zentrum Neuwiesen», verspricht ein Info-Plakat vor Ort mit einer Visualisierung der modernisierten Shopping-Mall. Wände und Rolltreppen in schimmernden Beige-Tönen, der weisse Boden ist leicht gesprenkelt. «Wir haben viel Zeit in die neue Innenarchitektur investiert», sagt Heuberger. Aufgeräumt-hell bis ein wenig steril wirkt diese auf den ersten Blick und erinnert ein wenig an die Archhöfe.

Wohnungen bis 3750 Franken

Umsatzmässig war 2016 für das Neuwiesen erneut ein harziges Jahr (siehe Artikel unten). Der Abwärtstrend im schwierigen Marktumfeld hält an. Auf neue Ladenkonzepte oder Experimente mit Pop-up-Stores setzt man aber auch in Zukunft nicht. Zugpferd bleibt der Ankermieter Migros.

Besser rentieren soll die gesamte Immobilie aber auch durch den Umbau des früheren Bürokomplexes, dem ebenfalls längst eingerüsteten Kubus hin zur Zürcherstrasse. Auf neun Stockwerken entstehen dort 37 neue Mietwohnungen mit Blick vom Hauptbahnhof bis zum Heiligberg. «Neues Wohnen» heisst das Projekt mit 1-Zimmer-Studios ab 1210 Franken bis zur Maisonette-Wohnung im 8. Stock für 3750 Franken. Der Andrang sei gross. «Viele Interessenten wollten die Wohnungen kaufen», sagt Heuberger. 19 Wohnungen sind bereits reserviert, zum Teil doppelt, Bezugstermin ist nächsten Frühling. Wenige Monate später eröffnet nebenan die Migros OG während im EG die Bauarbeiten losgehen. Für die Bewohner des Neuwiesenquartiers hält sich der Baulärm dem Vernehmen nach in Grenzen. «Der Bau des Regenbeckens unter dem Parkplatz der Schützenwiese inklusive Kanalbau war defintiv schlimmer», sagt Susanna Wolf-Hablützel vom Quartierverein. Das hat rund 16 Millionen Franken gekostet. Die Siska investiert laut eigenen Angaben gegen 50 Millionen ins neue Neuwiesen.

Bei den Archhöfen zeigt die Kurve erstmals nach oben

UMSATZZAHLEN In einem turbulenten Jahr haben sich die Winterthurer Shopping-Center beachtlich gehalten. Zwei konnten ihre Umsätze steigern, eines kommt noch immer nicht recht vom Fleck.

Die Archhöfe haben zuletzt auch dank Marketing-Offensive an Besuchern und Umsatz zugelegt. Bild: Nathalie Guinand

Einkaufstourismus, sinkende Preise und das Online-Geschäft nagen an den Umsatzzahlen der Einkaufszentren, auch 2016 wieder (siehe Kasten rechts). Ausreisser nach unten oder oben gibt es in Winterthur nicht, dafür unterschiedliche Trends: Das Zentrum Rosenberg hat den Platz 1 als umsatzstärkstes lokales Einkaufszentrum (EKZ) weiter gefestigt (Jährlicher Umsatz: 103 Millionen Franken / + 2 Millionen), schweizweit macht das Rang 47. Trotz Wachstum: für zwei Ladenflächen werden neue Mieter gesucht.

Nicht Leerstände, sondern der Totalumbau fordern Besucher und Betreiber des Zentrums Neuwiesen derzeit. Der Umsatz sank erneut (88/-2), offenbar bedingt auch durch erste Bauarbeiten beim Nebeneingang hin zur Zürcherstrasse. Bei der Besitzerin der Siska Heuberger Holding AG rechnet man bis zur Neueröffnung im Herbst 2019 weiter mit sinkenden Frequenzen und Umsätzen.

Halten konnten sich das Shopping Seen (52/-) und der Grüzepark (47/-). Zum Vergleich: 2010 waren es in Seen noch 10 Millionen Franken, fast 20 Prozent mehr pro Jahr. Mit Events wie dem monatlichen Seemer Markt, Jass-Turnieren oder einem Flohmarkt versuchen die Betreiber, Pep reinzubringen. Durchschnittlich kaufen laut der Betreiberin der Privera AG täglich rund 3800 Leute im Shopping Seen ein.

Auch das ewige Sorgenkind Lokwerk hübscht sich auf und baut um, aussen, wo es um 60 Wohnungen aufgestockt wird, aber auch innen. Optisch machen dort grosszügigen historischen Plakate mit Bilder aus der ehemaligen Montagehalle schon heute etwas her. Man ist bemüht, sich gegenüber dem Tössfeld besser zu öffnen. Über dem H&M ist gut sichtbar ein Hinweis zum hinteren Eingang angebracht.

Die Umsätze gingen im Lokwerk dennoch weiter zurück, wenn auch nur leicht (28/-1). Zwei Läden stehen leer, Dosenbach und New Yorker sind ausgezogen. Dafür kann man sich weiterhin im «New York Nails» aufstylen (Oberlippen-Waxing, 15 Franken) und sich im UG mit schrill-schrägen Festroben einkleiden.

Das Jüngste in der Offensive

Gefühlt war der Anlauf sehr lang, doch es scheint, als hätten sich die Archhöfe nach einem Kaltstart 2013 nun etabliert. Erstmals legte das jüngste Shopping-Center der Stadt bei den Umsätzen zu, um eine Million Franken auf 27. Damit bleiben die Archhöfe zwar umsatzsschwächstes (und wohl auch unrentabelstes) lokales EKZ. Die Marketingoffensiven der letzten Monate mit Gewinnspielen, Kinderkonzerten, Auftritten von B-Promis, Tanzshows oder Schlittschuh-Plausch haben den Winterhurerinnen und Winterthurer den Gang über die Technikumstrasse offenbar erleichtert. «Die Kundenfrequenz ist definitiv gestiegen», sagt Centerleiter Stefan Styger von der Immobilienfirma Wincasa. Lediglich eine Ladenfläche im zweiten Stock müsse man noch besetzen. Angedacht sei, die 380 Quadratmeter als Ausstellungsfläche für Künstler aus Stadt und Region zu nutzen. Neu hinzugekommen sind zuletzt ein Kleiderladen, ein Süssigkeitengeschäft – und ein asiatischer Lebensmittelladen. Dessen Sortiment ist, wie ein Augenschein zeigt, wahrhaftig gut sortiert: sogar angebrütete Eier (Balut) stehen im Kühlregal.

Morgen Mittwoch grüssen die Archhöfe mit einem nächsten Projekt in Richtung Hauptbahnhof. Dann eröffnet auf dem Archplatz ein Sommergarten «mit vielen echten Pflanzen und gemütlichen Outdoor-Lounges.»

Erstellt: 03.07.2017, 15:25 Uhr

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