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Eine bunte Parade durch die Altstadt

Der grosse Fasnachtsumzug hat am Sonntag Tausende Zuschauer in die Winterthurer Innenstadt gelockt. Nach Angaben der Organisatoren verlief alles ohne Zwischenfälle. Heute steht der Kinderumzug auf dem Programm.

Die Fasnacht-Gesellschaft Winterthur lud zum Grossen Umzug ein.
Die Fasnacht-Gesellschaft Winterthur lud zum Grossen Umzug ein.
Madeleine Schoder
Im Konfettiregen zog der Leu durch die Gassen.
Im Konfettiregen zog der Leu durch die Gassen.
Madeleine Schoder
Die Hexen ziehen durch die Stadt.
Die Hexen ziehen durch die Stadt.
Madeleine Schoder
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Das Winterthurer Fasnachtskomitee (Fakowi) zieht nach dem Wochenende eine positive Bilanz. «Wir schätzen, dass etwa 80 000 bis 90 000 Teilnehmer und Zuschauer in der Altstadt waren», sagt Fakowi-Vorstandsmitglied Heinz Hegetschweiler. «Das ist etwa im Rahmen der Vorjahre.» Zur guten Besucherzahl beigetragen habe bestimmt das ideale Wetter am Sonntagnachmittag. Viele Familien verfolgten den grossen Umzug, der neu nicht mehr durch den Graben führte.

Video: Madeleine Schoder

«Zur neuen Routenführung erhielten wir nur positive Rückmeldungen», sagt Hegetsch-weiler. Ihm sei zudem aufgefallen, wie diszipliniert die Zuschauer den Umzug verfolgten. «Das war nicht immer so», sagt das Fakowi-Mitglied. «Alles ist unfallfrei und ohne Komplikationen verlaufen.»

Video: Madeleine Schoder

50 Gruppen nahmen an der bunten Parade teil, davon 21 aus der Stadt Winterthur und 12 aus dem süddeutschen Raum. Letztere waren hauptsächlich mit sogenannten Perchtenmasken unterwegs.Heute steht der Kinderumzug auf dem Programm. Zum zweiten Mal laufen Kindertagesstätten mit. Erwartet werden allein um die 120 Kita-Fasnächtler. (hz)

Guggen dudeln auch bei Regen

Nach dem Umzug spielten die Guggen am Samstag auf sieben Bühnen. Ein rhythmisches Spektakel trotz Regen und Kälte.

Obergasse, Samstagabend, Punkt acht Uhr: Die Perkussionsgruppe Mega-Drums trommelt los, Wände zittern, Zuschauer wippen. Die Musiker tragen Perücke, Piratenhut oder Königskrone, alles in Gelb, nur die Elvis-Tolle schwarz. Die Gruppe tut sich offenbar schwer, den Winter zu vertreiben: Die wenigen Zuschauer lassen sich zwar von den Rhythmen anstecken, doch der hinterlistige Winter schlägt mit kaltem Regen zurück. Bei jedem Trommelschlag spritzt das Wasser.

Schutz suchen im Bierzelt

Die Fasnachtsgesellschaft Winterthur hat zur Altstadt-Dudlätä geladen. An sieben Bühnenstandorten beschallen Guggen und Perkussionsgruppen die Innenstadt – knapp fünfeinhalb Stunden lang. Der Boden schimmert gelb, grün und rot vor lauter Konfetti, das schon längst vom Regen durchnässt am Kopfsteinpflaster klebt. Wer kein Instrument spielt, sucht Schutz in einer Beiz oder in einem Bierzelt.

Im Burger-Restaurant in der Obergasse sitzen neben Fasnächtlern auch Normalsterbliche, den Blick auf die gegenüberliegende Bühne gerichtet. Viele lachen – einige wohl vor Freude, andere vermutlich eher aus Schadenfreude. Vor dem Restaurant ein intensiver Geruch. Armin Riesen, roter Mantel mit Dalmatinersaum, lehnt an der Wand und zieht an einem Stumpen. «Die haben Power, das hämmert», so seine Bewertung der Perkussionsgruppe. Riesen geht seit Jahrzehnten an die Fasnacht, heute ist er zum ersten Mal in Winterthur mit dabei. «In der Stadt Zürich wird oft geschubst, weil es zu viele Guggen und zu wenig Beizen gibt. Hier stimmt das Verhältnis.»

Mega-Drums tritt trommelnd ab und wird von Rhythmasia aus Wülflingen abgelöst. Orange und Schwarz dominiert das Erscheinungsbild; neben Schlaginstrumenten dudeln jetzt auch Trompeten und Posaunen. Als die Gruppe zum zweiten Stück ansetzt,versagen die Scheinwerfer ihren Dienst. Verdutzte Blicke, dann weitertröten im Halbdunkel.

Mit Schwert und Totenkopf

Während Rhythmasia noch spielen, trotten die Kyburggeischter an. Goldige Rüstungen, Schwerter, Drachenflagge. Auf einer Trommel leuchtet ein Totenkopf. Zwei Musikerinnen tanzen zu «Que sera, sera», eine andere guckt etwas grimmig. «Manche Zuschauer flüchten beim ersten Regen», sagt die Kyburgerin Denise Egli. «Wir sind ja auch nass, aber wir spielen trotzdem.»

Nach einer Stunde lässt der Regen nach, die Zuschauer ziehen lachend und trinkend von Bühne zu Bühne. Pandas tanzen mit Tigern, ein weissbärtiger Mann im roten Bischofskostüm schaut zu. Dem Thema Patriarchat widmet sich an diesem Abend auch eine ganz andere Gruppe, die mit der Fasnacht wahrscheinlich wenig am Hut hat: Die jungen Leute schlängeln sich durchs Publikum und kleistern Plakate an die Mauern der Altstadt. «Frauen, organisieren wir uns gegen Faschismus, Krieg und Patriarchat» ist darauf zu lesen. (maf)

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