Weiterbildung

Eine Fakultät lehrt Frauen den Feminismus

Ein Verein namens «Feministische Fakultät» möchte dem Feminismus neuen Schub verleihen. Der erste Lehrgang der Fakultät findet in Winterthur statt.

Frauenpower: Schmuki, Burger, Lots, Bachmann und Küng (v.l.).

Frauenpower: Schmuki, Burger, Lots, Bachmann und Küng (v.l.). Bild: zvg

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«Bezüglich Gleichstellung hat unsere Gesellschaft wieder einige Schritte rückwärts gemacht», findet Erika Bachmann vom Verein Feministische Fakultät. «Es wundert mich, dass wir noch nicht wieder beim Fräulein sind», sagt die Rentnerin. Den Verein Feministische Fakultät haben fünf Frauen Ende 2016 gegründet. Ab Oktober diesen Jahres sollen 20 Frauen in sechs ganztägigen Modulen Themen wie «Politik auf dem weiblichen Körper», unbezahlte Arbeit oder geschlechtsneutrale Sprache bearbeiten. Vier Veranstaltungen finden in Winterthur statt, zwei in Konstanz. Zwischen den Modulen sollen sich die Teilnehmerinnen in Lerngruppen treffen, um zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen.Vorbild für den Lehrgang ist das European Women’s College, ein zweijähriger Studiengang, der vor 20 Jahren in Zürich durchgeführt wurde. Die frühere Treuhänderin Erika Bachmann und die Yogalehrerin Ortrud Gämlich Schmuki erinnern sich gerne zurück. «Wir möchten Frauen dazu ermuntern, spielerischer an Aufgaben heranzugehen», erklärt Bachmann. Beide hatten sich nach dem letzten Lehrgang in die Selbständigkeit gewagt.

Erika Bachmann und Ortrud Gämlich Schmuki holten Zita Küng als Leiterin und Referentin ins Boot. Die Juristin berät mit ihrer Firma Frauen in Führungspositionen und ist in Zürich eine bekannte feministische Stimme. Die Journalistin Léa Burger sowie die Politik- und Islamwissenschaftlerin Laura Lots sind Redaktorinnen der feministischen Zeitschrift «RosaRot» und bringen die Sichtweise jüngerer Frauen in den Verein ein. Trotz Fakultät im Namen sei keine Vorbildung nötig. Nur eines ist den Organisatorinnen wichtig: «Die Frauen müssen sich im Thema einbringen wollen», betont Zita Küng. Bei einem Vorgespräch möchten die Initiantinnen mehr über die Motivation der Frauen herausfinden. Und sie nutzen es auch gleich als erste Übung: Das Kursgeld ist nämlich verhandelbar, als Richtwert gelten 1200 Franken.

«Keine Männerhasserinnen»

Schlussendlich soll nicht ein Diplom die Teilnehmerinnen motivieren, sondern die Aussicht auf neue Sichtweisen auf Alltagsprobleme, ein selbstbewussteres Auftreten und eine neue Lust, Aufgaben anzupacken. Der Kurs hat also Selbsthilfe-Charakter, wobei der Verein den Begriff Selbstermächtigung bevorzugt. Für die fünf Frauen ist klar: In Gleichstellungsfragen muss man immer die ganze Gesellschaft im Blick haben. «Wir sind keine Männerhasserinnen, die andere Frauen zu fiesen Aktionen anstiften wollen», stellt Zita Küng klar. Interessierte Männer müssen sich dennoch bis zu einer zweiten Durchführung gedulden, dann überlegt sich die Feministische Fakultät, ihren Lehrgang für alle zu öffnen. (Landbote)

Erstellt: 09.05.2017, 16:57 Uhr

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