Tibet-Institut

Eine Geburtstagsfeier mit dem Dalai Lama

In den Eulachhallen feierten am Samstagmorgen rund 3000 Besucher das 50-Jahr-Jubiläum des Tibet-Instituts Rikon. Viele nutzten die Gelegenheit, den Dalai Lama zu sehen. Der 83-Jährige lobte die tibetische Kultur, die stark und vital sei, auch dank Institutionen wie Rikon.

Zahlreiche offizielle Redner, wie hier Stadtpräsident Michael Künzle (CVP), gratulierten dem Tibet-Institut an der Feier in den Eulachhallen zum 50. Geburtstag. Der Dalai Lama betonte, wie wichtig es sei, den «Schatz» der tibetischen Traditionen zu bewahren.

Zahlreiche offizielle Redner, wie hier Stadtpräsident Michael Künzle (CVP), gratulierten dem Tibet-Institut an der Feier in den Eulachhallen zum 50. Geburtstag. Der Dalai Lama betonte, wie wichtig es sei, den «Schatz» der tibetischen Traditionen zu bewahren. Bild: Nathalie Guinand

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3000 Besucher werden erwartet, schon am Bahnhof sind Wegweiser aufgestellt, deren Aufdruck «Messe» heute nur halb passt. Im Neuwiesenquartier sind die festlich gekleideten Besuchergrüppchen am Samstagmorgen um acht dann nicht mehr zu übersehen. Viele, auch die Kinder, tragen traditionelle tibetische Festtags­gewänder aus glänzendem Stoff oder Schürzen mit bunten, gewobenen Streifen.

Sie kommen zum Jubiläumsanlass, 50 Jahre Tibet-Institut in Rikon. Doch vielen geht es auch schlicht darum, den Dalai Lama live zu erleben. Manche sind aus Österreich oder der Romandie angereist. «Der Andrang war sehr gross», sagt ein Winterthurer mit tibetischen Wurzeln. «Ich habe die Billette für die Familie gekauft, als der Vorverkauf erst eine Stunde offen war, und wir sitzen schon weit hinten.»

Als Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, die Halle betritt, erheben sich 3000 Besucher, nur ein paar Kleinkinder krabbeln noch zwischen den Reihen. Gebeugt und von Mönchen gestützt, aber mit seinem unverkennbaren spitzbübischen Lächeln erklimmt der 83-Jährige die Stufen des thronartigen, reich geschnitzten Stuhls, von dem er den Festakt verfolgt.

Das Tibet-Institut in Rikon kennt er seit den Anfängen. Als die Fabrikantenfamilie Kuhn Ende der 1960er den Flüchtligen aus Tibet, die bei ihnen Unterkunft und Arbeit fanden, ein spirituelles und kulturelles Zentrum stiften wollte, war es bereits Gyatso, der sie beriet und Mönche auswählte. Er war ein jüngerer Mann damals, Anfang dreissig, aber bereits viele Jahre das geistliche Oberhaupt der Tibeter.

Den «Schatz» bewahren

Der Dalai Lama spricht auf Tibetisch, für die Simultanübersetzung gab es am Eingang Kopfhörer. Die meisten Besucher brauchen sie nicht. Die Rede dreht sich um die tibetische Kultur und Tradition, den «Schatz», den es zu erhalten und ins 21. Jahrhundert zu bringen gelte. Ein Auftrag, zu dem auch das Kloster in Rikon einen wertvollen Beitrag leiste. Die tibetische Form des Buddhismus fasziniere auch im Westen viele Menschen, weil sie mit den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft so kompatibel sei.

Unvermeidlich taucht auch das Thema China auf, dessen Machtanspruch auf Tibet seit den Fünfzigerjahren viele Tibeter ins Exil trieb. «China dachte, sie können uns erobern und unsere Lebensweise zerstören, doch sie haben nicht mit der Stärke der tibetischen Kultur gerechnet», sagt der Lama. Auch bei den jungen Tibetern im Exil spüre er eine ungebrochene Liebe zur eigenen Kultur. Er erwähnt die mehr als 100 Selbstverbrennungen der letzten Jahrzehnte, mit denen junge Tibeter auf die verzweifelte Lage Tibets aufmerksam machen wollten. Diese Leute seien bereit, für ihre Kultur zu sterben, aber sie nähmen ihre Lehren so ernst, dass sie das Gebot, anderen nicht zu schaden, bis zuletzt beachteten.

Nach diesen kämpferischen Zwischentönen wendet sich der Dalai Lama wieder den alten Meistern und ihren Lehren zu. Der Saal verfolgt die kleine Geschichtslektion aufmerksam. Für Fragen der praktischen Lebensführung würde am Sonntag Platz sein, dann füllte der Dalai Lama mit seinen «Unterweisungen» das Hallenstadion.

Ein Vorbild für die Integration

Die Jubilarin selbst, das Tibet-Institut in Rikon, war zuvor in nicht weniger als sieben Reden und einem Kurzfilm gewürdigt worden. Der Winterthurer Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) lobte die geglückte Integration der Tibeter («Sie sind ein Teil von uns und wir ein Teil von ihnen»). Er fand, eine weltoffene und wertschätzende Haltung, wie sie die Tösstaler Bevölkerung und die Familie Kuhn in den Sechzigerjahren den geflüchteten Tibetern entgegenbrachte, sei heute aktueller und nötiger denn je.

«Damals nannte man es Nächstenliebe, heute würde man Integration sagen. Gemeint ist immer: das Aufnehmen und Einbeziehen.» Regierungsrat Mario Fehr (SP) erhielt besonders lauten Applaus: Der Kanton Zürich hatte das Kloster in Rikon immer wieder finanziell unterstützt, zuletzt bei einer umfassenden Renovation, und er bezeichnete es als «unverzichtbaren Teil des kulturellen und religiösen Lebens der Tibeterinnen und Tibeter in der Schweiz».

Nach gut zweieinhalb Stunden hatten alle Redner geschlossen und in der gegenüberliegenden Halle wurden Aberhunderte Teigtaschen serviert, welche freiwillige Helfer in der Zwischenzeit fertig gekocht hatten. Der Dalai Lama bleibt noch einen Moment in der Schweiz, Montagmorgen tritt er an einer Veranstaltung der ZHAW auf. (Der Landbote)

Erstellt: 23.09.2018, 19:58 Uhr

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