Messen

Eine Hochzeitsmesse traut sich an die Liebestrasse

In Winterthur findet im Oktober die erste Hochzeitsmesse statt. Sie kommt in einer Zeit, in der Messen wegen der Digitalisierung ums Überleben kämpfen.

Im Oktober werben in Winterthur lokale Geschäfte um verliebte Paare.

Im Oktober werben in Winterthur lokale Geschäfte um verliebte Paare. Bild: Samuel Schalch

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Verlobte Paare müssen bald nicht mehr nach Zürich, um sich für ihre Hochzeit inspirieren zu lassen. Am 26. und 27. Oktober kommt die Hochzeitsmesse «Magic Moments» an die Liebestrasse. Vor einem Jahr hatte diese in Basel ihre Premiere.

«Der passende Strassenname hat uns sofort angesprochen», sagt Veranstalterin Gabriela Tobler. Im Biedermeiersaal des Kongresszentrums werden Tortenbäcker, Floristinnen und Designer verliebten Paaren ihre Dienste anbieten. Die Winterthurer Messe will sich dabei mit lokalen Anbietern von den Grossveranstaltungen wie der Zürcher Hochzeitsmesse abgrenzen.

Für kleinere lokale Labels

«Auch Labels, die zu klein sind, um die Preise der Grossveranstaltungen zu zahlen, können sich bei uns präsentieren», sagt Claudia Magas, die sich zusammen mit Tobler um das Programm der Hochzeitsmesse kümmert. Sie ist laut eigener Aussage die einzige hauptberufliche Hochzeitsbloggerin der Deutschschweiz und betreibt den Blog «Hochzeit um 3». Neben den Messeständen werde es an der «Magic Moments» auch Live-Musik und eine Modeschau geben. Ausserdem präsentiere ein Aussteller Blumen mit einem Durchmesser von fast einem Meter, die es in der Schweiz noch nie zu sehen gegeben habe.

Der Eintritt an die Messe, inklusive einem Glas Prosecco und einem Goodie-Bag, beträgt 20 Franken für zwei Personen. Rund 600 Besucherinnen und Besucher will Tobler so anziehen. Glaubt man den Pessimisten in der Branche, ist das ein eher optimistisches Ziel. Denn Messen, so die These, hätten allgemein ausgedient. Ein prominentes Beispiel für diese Einschätzung ist das Aus der Zürcher Züspa sowie der Traditionsmesse Muba in Basel.

«Die Leute wollen die Hochzeitstorte vor Ort probieren.»Gabriela Tobler, 
Veranstalterin der ersten Winterthurer Hochzeitsmesse

Sind Messen also ein Auslaufmodell? «Nein», sagt Maja Stuber. Sie ist Messeleiterin der Fest- und Hochzeitsmessen in Zürich und St. Gallen, die zu den grössten schweizweit gehören. Seit zwölf Jahren ist Stuber als Messeleiterin tätig und hat die Änderungen im Markt miterlebt. «Das Kaufverhalten der Leute hat sich verändert. Früher haben die Besucher an den Messen selbst mehr Geld ausgegeben.» Heute sei die Auswahl an Angeboten grösser und durch die Digitalisierung gebe es viel Vergleichsmaterial im Internet. Nichtsdestotrotz glaubt Stuber, dass das Bedürfnis danach, sich auszutauschen und etwas zu erleben, bestehen bleibt. «Der grosse Unterschied der Messen zur digitalen Welt ist das Erleben mit allen Sinnen.»

Online-Präsenz steigern

Trotzdem: Auch die Zürcher und St. Galler Fest- und Hochzeitsmessen kommen nicht um die Digitalisierung herum. In Zukunft wollen sie auf ihren Social-Media-Kanälen das ganze Jahr über aktiv sein, nicht nur an den zwei Messetagen. Das sei nötig, um im digitalen Wandel mitzuhalten. Ausserdem biete man in St. Gallen zum ersten Mal ein Kombiticket zusammen mit einem Burger-Festival an, damit sich die Brautpaare im Anschluss an die Messe austauschen und verpflegen könnten. «Hochzeit ist ein hochemotionales Thema. Wir haben gemerkt, dass der Bedarf nach dem Austausch mit anderen Paaren sehr gross ist», sagt Stuber. Dies sei sicher mit ein Grund, warum Hochzeitsmessen immer noch sehr beliebt seien.

In Zürich und St. Gallen seien die Verhältnisse in den letzten drei Jahren stabil gewesen. Die Besucherzahlen seien zwar in den letzten vier Jahren von rund 8000 auf 7000 zurückgegangen, doch das liege auch daran, dass die Zahl der Trauungen abgenommen habe. Konkret: Im Jahr 1992 gab es in der Schweiz 45 000 Hochzeiten. 2018 wurden nur noch rund 40000 registriert. Dafür habe sich das Problem der ausländischen Konkurrenz beruhigt. «Es gibt immer noch solche, die für günstigere Produkte nach Deutschland gehen, doch insgesamt hält sich das in Grenzen.»

Gabriela Tobler von «Magic Moments» sieht die Digitalisierung nicht als Gefahr für die Winterthurer Hochzeitsmesse. «Wenn es um so etwas Emotionales wie eine Hochzeit geht, ist die physische Präsenz enorm wichtig. Die Leute wollen die Hochzeitstorte vor Ort testen, das Brautkleid im Laden anprobieren und den Ehering in der Hand halten.» Es sei so, dass die wenigsten an der Messe selbst Produkte kaufen würden. Es gehe aber eben darum, dass die Anbieter die Kunden vor Ort von sich überzeugen können, damit diese später in ihrem Laden einkaufen.

Erstellt: 20.08.2019, 17:33 Uhr

So heiraten Herr und Frau Schweizer

Ob Märchenhochzeit im Schloss, traditionelle kirchliche Trauung oder Motto-Party: Pascale Schurter hat sie alle miterlebt und kennt die aktuellen Hochzeitstrends. Die Winterthurerin ist seit 2016 Event- und Hochzeitsplanerin. Sie hat eine Diplomausbildung zur «Wedding Plannerin» absolviert und hilft seither verlobten Paaren bei der Realisierung ihrer Hochzeitsvorstellungen. Der aktuelle Trend? Individualität. Diese werde heutzutage generell gross geschrieben, und das wirke sich auch auf die Hochzeiten aus, sagt Schurter. «Nicht-kirchliche Trauungen in der freien Natur sind sehr beliebt.» Dafür biete sich das Schloss Rapperswil an, die Kartause Ittingen oder auch die Juckerfarm in Seegräben für eine Hochzeit im bäuerlichen Stil. In Winterthur sei das Hotel Banana City eine häufig gewählte Location. «Für den passenden Ort muss man oft gar nicht weit gehen.» Doch auch Hochzeiten im Ausland seien im Kommen, gerade bei Paaren, die Wurzeln im Ausland hätten. «Portugal ist derzeit sehr beliebt, wie auch Italien.»

Die klassischen Prinzessinnen-Hochzeiten mit Tüllkleidern gebe es immer noch, doch auch Feste im Boho- und Vintage-Stil sehe man oft. Kleider in Creme-, Nude- und Cappuccino-Tönen ersetzen schneeweisse Roben. Bei der Deko setzte man auf Natürlichkeit. «Riesige Gestecke in der Mitte des Tisches sind out, dafür gibt es vermehrt viele verschiedene Vasen und kleine Details.» Besonders Eukalyptus werde aktuell gerne verwendet. Die teuerste Hochzeit, die Schurter bisher erlebt hat, kostete 80000 Franken. Damals seien 200 Gäste eingeladen gewesen. Im Schnitt koste eine Hochzeit zwischen 15000 und 20000 Franken, das Meiste geben das Hochzeitspaar für die Location und das Essen aus. «Viele unterschätzen, dass Caterings um einiges teurer sind als Restaurants.» Schurter veranstaltet mit dem Winterthurer Hochzeitsplaner Alex Baer der Agentur «Baerenhochzeit» am 29. September zum ersten Mal einen Hochzeits-Workshop im Hotel Banana City. Dabei gehe es darum, den Paaren Tipps und Hilfestellungen zum Planen einer Hochzeit zu geben. (kel)

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben