Winterthur

Eine Klasse wird zum Bläserensemble

Seit den Sommerferien lernen alle Kinder einer Klasse im Schulhaus Rychenberg, ein Blasinstrument zu spielen. Ein Augenschein im Singsaal zeigt: schon nach wenigen Wochen können die Kinder zusammen musizieren.

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Es sind zum Teil riesige Instrumentenkoffer, welche die 5. Klass-Kinder durch die Gänge des Schulhauses schleppen. Zum Vorschein kommen Bariton, Posaune, Trompeten, Klarinetten und Querflöten. Jedes Kind der Klasse von Mario Sander hat im Rahmen des neuen Projekts «Klassenmusizieren» der Jugendmusikschule leihweise ein Blasstrument erhalten. Das Zusammensetzen braucht etwas Zeit. Es ist schon fast eine Viertelstunde um, bis alle einsatzbereit sind. Doch dann geht’s los. Nehrun Aliev, Musiklehrer der Schule Rychenberg, bittet die Kinder, die bereits gelernten Töne nochmals vorzutragen. Das klingt noch nicht überall ganz rein. Die Klarinette quietscht noch etwas, die Trompete liegt einen Ton daneben. Doch nach einer Weile sind alle eingespielt. Aliev erklärt, dass der gleiche Ton nicht bei allen Instrumenten genau gleich heisst: «Was bei der Posaune und der Querflöte ein B ist, ist bei den anderen Instrumenten ein C.»

Gemeinsam Pause machen

Bei der nächsten Übung geht es darum, dass die Kinder nicht nur gleichzeitig losblasen, sondern auch gleichzeitig wieder Pause machen. Das ist schwieriger als es scheint. Irgendjemand spielt trotzdem. Doch Übung macht den Meister, und schliesslich klappt es. John Loretan, der das Projekt von Seiten der Jugendmusikschule begleitet, geht immer wieder durch die Reihen und korrigiert die Haltung der jungen Musikerinnen und Musiker. Im Nu ist die Lektion um, und die Instrumente kommen zurück in die Koffer.

«Es ist für mich wichtig, selber am Projekt mitzuwirken und zu erleben, wie sich die Klasse entwickelt» Lukas Hering, Leiter der Jugendmusikschule 

Weil es schwierig ist, in der grossen Gruppe auf die Unterschiede bei den Instrumenten einzugehen, finden insbesondere in der Anfangsphase so genannte Registerproben statt. In vier Gruppen üben die Kinder erste einfache Stücke ein. Auch Klassenlehrer Mario Sander wird zum Schüler. Er übt bei den Trompetern mit. Bei den Trompeten und Baritonen ist Lukas Hering, Leiter der Jugendmusikschule im Einsatz. «Es ist für mich wichtig, selber am Projekt mitzuwirken und zu erleben, wie sich die Klasse entwickelt», sagt er. Mit seiner Gruppe erforscht er, welche Töne zusammen gut klingen und welche nicht. «Töne, die nebeneinander liegen, harmonieren oft nicht so schön», erklärt er.

Alle beginnen bei Null

Im Vorfeld des Projekts haben die Lehrpersonen den Kindern die verschiedenen Instrumente vorgestellt und jedes durfte sich eines aussuchen. Vier Mädchen, haben sich für Querflöte entschieden . Bei ihnen geht es etwas ruhiger zu und her als bei den Blechinstrumenten. Hier kämpft man vor allem damit, die Töne «mit Zunge» zu spielen.

Zerya spielt zum allerersten Mal ein Instrument. «Es ist schwierig», findet sie. «Aber es macht Spass.» Obwohl andere in der Querflöten-Gruppe bereits mehr Instrumentenerfahrung haben, kommen auch die Anfängerinnen gut mit. «Wir haben darauf geachtet, dass niemand ein Instrument spielt, das er schon kann. Es beginnen also eigentlich alle bei null», sagt Hering.

«Wer ein Blasinstrument spielt, muss die Lunge trainieren.»John Loretan, Projektbegleiter 

In der Posaunengruppe wird das Lied «Hokus pokus fidibus» eingeübt. Es hat nur ein paar Töne und klingt schon ganz ordentlich. «Das Spielen braucht einfach so viel Luft», klagt Alex, ganz ausser Atem. John Loretan bestätigt das: «Wer ein Blasinstrument spielt, muss die Lunge trainieren.» Aber die vier jungen Posaunisten sind sich einig: «Es macht mega-Spass». Schon bald könnten die Kinder auf der Posaune 12 bis 15 Töne spielen, verspricht Loretan.

Auch die Klarinette ist kein einfaches Instrument. Bei manchen quietscht es noch ziemlich. «Übt zuhause weiter», ermutigt Nehrun Aliev die Kinder. Dass die Kinder auch Zuhause musizieren, ist erwünscht. «Es ist wichtig, dass es von daheim Interesse und Wertschätzung gibt», sagt Hering. Ziel der Bläserklasse ist es, Eltern und Freunden schon bald im Rahmen eines Konzerts eine Kostprobe ihres Könnens zu geben. (Der Landbote)

Erstellt: 14.09.2017, 16:34 Uhr

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