Marketing

Eine Liebeserklärung stiftet Verwirrung

Die Standortpromotoren von House of Winterthur treten auf Social Media neu unter «LoveWinterthur» auf. Damit stösst man die Betreiber von lovewinti.ch vor den Kopf, die gerade ihre Plattform neu aufbauen.

House of Winterthur ist auf Social Media mit dem Slogan «Love Winterthur» unterwegs.

House of Winterthur ist auf Social Media mit dem Slogan «Love Winterthur» unterwegs. Bild: Instagram

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«Kannste machen. Kannst dir aber was eigenes ausdenken». Smiley. Fotograf Milad Ahmadvand, kommentierte den neuen Social Media-Auftritt von House of Winterthur (HoW) auf Facebook mit einem Lächeln auf den Stockzähnen.

Statt mit «Winterthur - erleben!» wirbt die Tourismus- und Standortförderung seit neustem einheitlich unter dem Label «Love Winterthur». Auf den ersten Blick mutet das wie eine billige Kopie an.

«Es war nie unsere Absicht, Milad zu ärgern.»Thomas Hunziker,
House of Winterthur

Ahmadvand und sein Team illustrieren auf ihrer Webseite «lovewinti.ch» seit über drei Jahren das Stadtleben in professionellen Bildern und mit einer Nähe und Ästhetik, die Lokalpatrioten tatsächlich ins Herz trifft. Konzerte, Szenen auf und neben den Rugby-, Fussball und Basketballfeldern, aber auch Portraits und Aktionen wie der Frauen- oder Klimastreik gehören zum lovewinti-Portfeuille.

Hat HoW tatsächlich bei einer lokalen Marke abgekupfert, die bereits funktioniert? «Nicht bewusst jedenfalls», sagt der Kommunikationsverantwortliche Thomas Hunziker. Tatsächlich kenne und schätze man die Plattform sehr.

«Wir hatten nie die Absicht, lovewinti.ch zu konkurrenzieren und waren uns beim Namenswechsel schlicht nicht bewusst, dass wir Milad damit ärgern könnten». Vorab informiert habe man ihn deshalb nicht.

Hashtag gab es schon

Angeregt hatte das Rebranding die neue Digital Marketing Managerin bei HoW. Den Hashtag #LoveWinterthur gibt es bereits seit einem Jahr, kursierte aber erst auf Instagram. «Es machte Sinn, den Auftritt zu vereinheitlichen», erklärt Hunziker.

«Love» sei im Tourismus-Marketing derzeit das Schlüsselwort schlechthin und rufe positive Emotionen hervor. #inlovewithswitzerland, #ilovebern, #ilovelucerne oder #lovestgallen sind ähnliche Beispiele, #visitzurich oder #mylausanne wiederum andere.

Aber natürlich, so Hunziker, harmoniere «Love Winterthur» auch mit dem neuen Logo mit dem Herz im W. Auf Vorschlag Ahmanvands kam es gestern im HoW zu einem klärenden Gespräch. An den Tatsachen änderte dies nichts: Der Auftritt «LoveWinterthur» bleibt.

Der Hashtag #LoveWinterthur kursiert schon eine Weile auf Instagram.

«Zunächst war ich eher wütend, inzwischen eher enttäuscht»Milad Ahmadvand
Fotograf und Betreiber von lovewinti.ch

«Zunächst war ich eher wütend, inzwischen eher etwas enttäuscht», sagt der in der lokalen Szene bekannte Fotograf. Bei soviel Marketing-Knowhow, denke er, sollte es möglich sein, etwas Eigenes, Individuelles zu kreieren und mehr Feingefühl zu zeigen. Mit zwei so ähnlichen Brands, das liege auf der Hand, erzeuge vor allem eines: Verwirrung. Denn auch HoW zielt vermehrt auf ein junges urbanes Publikum an.

Lovewinti.ch wächst

Für lovewinti.ch kommt die Konfusion zum dümmsten Augenblick. Die Plattform hat in den letzten Monaten medial aufgerüstet, will wachsen und sich diversifizieren. Zu den Bildergalerien kommt bald ein Blog und ein Podcast dazu. Zum inzwischen siebenköpfigen Team sind unter anderem eine Journalistin und eine Illustratorin dazugestossen.

Für die diesjährigen Musikfestwochen wird lovewinti.ch erstmals die Fotografie übernehmen und die Winti-Night multimedial begleiten. Ziel ist es, die Seite zu einer offenen Plattform für junge Journalistinnen und Journalisten zu machen, die sich mit lokalen Geschichten in verschiedenen Formaten präsentieren können.

Eine rechtliche Handhabe hat Ahmadvand nicht, lovewinti.ch ist nicht geschützt. Sowieso sei er nicht auf Konfrontation aus, sagt Ahmadvand. Er sei ein Macher. Vielleicht laufe es auch auf eine Zusammenarbeit mit HoW aus. «Wir ziehen unser lovewinti-Ding sowieso durch.» Am liebsten zusammen mit, aber auch neben #LoveWinterthur.

Erstellt: 18.07.2019, 18:22 Uhr

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