Winterthur

«Eine Niederlage gegen einen Spitzenclub ist keine»

Gäbe es keine Maggi-Würfel, würde der FC Phönix Seen heute wohl anders heissen. Ein Rückblick auf 100 Jahre Vereinsgeschichte mit Ehrenpräsident Urs Gehrig.

«Der Verein lag schon ein paar Mal am Boden»: Urs Gehrig, Ehrenpräsident des FC Phönix Seen.

«Der Verein lag schon ein paar Mal am Boden»: Urs Gehrig, Ehrenpräsident des FC Phönix Seen. Bild: pd

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Der FC Phönix ist 100 Jahre alt, reagieren die Leute überrascht, wenn Sie das erzählen?
Gehrig: Auf jeden Fall. Ich war gerade in Sardinien in den Ferien, da haben wir festgestellt, dass der traditionsreiche FC Cagliari zwei Jahre jünger ist. In Winterthur waren wir der vierte Verein nach dem FCW, Veltheim und Töss.

1918 war eine bewegte Zeit. Der Erste Weltkrieg ging zu Ende, der Sozialismus lebte auf. Aus welchem Geist entstand der Club?
Es waren fussballverrückte Jugendliche, die den Verein gegründet haben, am 18. März 1918 ganz genau. Der erste Präsident war erst 17-jährig. Der Verein hiess damals noch FC Victoria Winterthur. Trainiert wurde im Talgut, hinter dem alten Busdepot, wo damals noch alles Grün war.

Warum wurde der Namen Victoria aufgegeben, war man zu wenig siegreich?
Schon möglich. Ich habe bei meinen Recherchen für die Club-Chronik keine Begründung gefunden. Belegt ist, dass der Name nach einem Jahr in FC Kreuzstern geändert wurde. Das war aber auch nicht von Dauer. Die Firma Maggi, die einen Kreuzstern im Logo hatte, zwang den Verein, den Namen zu ändern. So wurde er zum FC Phönix Winterthur.

Phönix ist in der Mythologie ein Vogel, der aus der Asche wieder aufersteht. Passt das?
Wenn man sich die Vereinsgeschichte anschaut, dann ja. Der Verein lag schon ein paar Mal am Boden. Als ich in den Achtzigern Präsident wurde, hatten wir noch 15 Spieler, der Vorstand hatte sich aufgelöst. Der FC Tössfeld, der damals wie wir im Gutschick und im Talgut trainierte, war sehr erfolgreich, das hat unsere Juniorenabteilung ausgetrocknet.

Und dann entschieden Sie, nach Seen zu wechseln?
Ja. Ich arbeitete in Seen als Lehrer. Der Stadtteil war in den Achtzigerjahren stark gewachsen. Und eigentlich hatte ich schon als Bub den Traum, einen FC Seen zu gründen. Ich dann einmal laut gesagt, dass wir den Namen und den Standort ändern könnten – von dem Moment an ging es noch einmal 20 Jahre, bis wir einen eigenen Fussballplatz hatten.

Reden wir von den Höhepunkten: Was hat der FC Phönix in seinen 100 Jahren erreicht?
Wir haben 1947 im Cup gegen das in der Schweiz damals tonangebende GC nur 2 zu 3 verloren. 2006 spielten wir im Cup gegen den FC Zürich, den amtierenden Schweizer Meister 0 zu 11.

Pardon, aber ist es nicht etwas masochistisch, zwei Niederlagen als Höhepunkte aufzuzählen?
Man muss das in den richtigen Relationen sehen. Für einen Amateurverein ist Niederlage gegen einen Spitzenclub keine Niederlage, sondern ein Highlight für alle Beteiligten. Aber es gab schon auch andere Höhepunkte in der Clubgeschichte. Zum Beispiel unser Hallenturnier in den Eulachhallen, das in den Neunzigerjahren internationale Clubs anzog. Dann ist der Hallenfussball irgendwann wie etwas gestorben. 1999 haben wir nach 14 Jahren das Turnier eingestellt.

Hat der Verein je einen Spitzenspieler hervorgebracht?
Nein. Es gab Spieler, die in der Nationalliga gespielt haben, aber, so viel ich weiss, nie als Vollprofis.

Ist in Seen das Umfeld ein anderes und der Nachwuchs stärker auf die Schule fokussiert?
Das könnte eine Erklärung sein.

Oft hört man, die Bereitschaft im Verein mitzuwirken sei gesunken. Stellen Sie das auch fest.
Weniger. Es sind heute vor allem andere Umstände. Als ich Präsident war, war es noch einfach, den Club zu managen. Wenn man heute alle Leute zählt, die etwas mit dem Verein zu tun haben, kommt man auf um die 1000 Personen. Nur schon alle diese Leute auf dem Laufenden zu halten, erfordert eigentlich einen Profi. Darum haben wir eine Teilzeitstelle im Sekretariat geschaffen.

Wo liegen heute die Herausforderungen für den FC Phönix, wo drückt der Fussballschuh?
Es ist schon die Grösse, die uns beschäftigt – die wachsende Juniorenabteilung, die Damenmannschaft, die Anforderungen an Plätze und Garderoben. Es geht darum, wie die Infrastruktur mit dem Verein mithalten kann.

Freiwillige finden Sie genug?
Ja. Und wir waren immer gut darin, Feste zu organisieren.

Dieses Wochenende feiern Sie das Jubiläum, was ist geplant?
Wir tragen am Samstagnachmittag den Phönix Cup aus, eine Art Grümpelturnier, in dem wir die Mannschaften des Vereins mischen, also Jahrgänge, Männer- und Frauenteams. Das Fest ist am Abend im Strickhof in Wülflingen. Eine Festhütte bei uns aufzustellen wäre keine Option gewesen. Einmal haben wir das probiert, danach mussten wir den Rasen sanieren. (mcl)

Erstellt: 22.06.2018, 11:56 Uhr

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