Jubiläum

Eine pharmazeutische Zeitreise

Die Adler-Apotheke feiert dieses Jahr ihr 180-jähriges Bestehen. Sie hat den Laden aus diesem Anlass aufgefrischt und geöffnet; hinter den Kulissen wurden die Arbeitsprozesse optimiert und reorganisiert.

So sah sie einst aus, die Adler Apotheke am Untertor.

So sah sie einst aus, die Adler Apotheke am Untertor. Bild: winbib

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Als Caesar Heinrich Steiner 1839 im Erdgeschoss des Hauses «Zum Maulbeerbaum» eine Apotheke eröffnete, liess er sich wohl nicht träumen, dass diese 180 Jahre später immer noch existieren würde. Ihren Namen «Adler-Apotheke» erhielt sie zwar erst 1874, nachdem Eduard Gamper sie erworben hatte, aber seitdem gab es auch sonst massive Umwälzungen: Das «Untere Tor» neben der Apotheke ist längst verschwunden, die Eulach plätschert davor nicht mehr über ein Wehr – von Errungenschaften wie Eisenbahn, Autos, Computer, moderne Medizin oder Pharmazie ganz zu schweigen ... Dieser stete Wandel ist es auch, der einen Umbau der traditionsreichen Apotheke erforderlich machte: Man will damit à jour bleiben, den sich verändernden Bedürfnissen anpassen.

Die Adler Apotheke als die Eulach noch nicht im Kanal verschwand. Bild: winbib

Was zuerst ins Auge fällt, ist ein neuer Kundenempfangs-Schalter am südlichen Ende des Ladenlokals und eine dahinter liegende, fast raumbreite Glasscheibe. Beides ist mit hellem Holz eingefasst, es wirkt frisch, freundlich und modern.

So sieht die Apotheke heute aus. Bild: mad

Hinter dem grossen «Schaufenster» ist im angrenzenden Raum als Reverenz an die Tradition ein alter Apothekerschrank zu sehen (leider nur als photographische Reproduktion) und man kann mitverfolgen, wie an der etwas erhöht gelegenen Theke Kräutermischungen hergestellt oder Hausspezialitäten konfektioniert werden. «Dadurch wollen wir die Tätigkeiten von Apothekerinnen und Apothekern wieder sicht- und erlebbar machen», erklärt Inhaber Florian Meier. Leider könne man jedoch die Salben- oder Tinkturenherstellung nicht zeigen, da diese unter strikten, hygienischen Laborbedingungen stattfinden müsste.

Eine lebensrettende Überraschung

Viele Neuerungen des Umbaus sind für die meisten Kunden gar nicht sichtbar, wie der angrenzende Behandlungsraum: Er wurde geschaffen, da Apotheken seit zwei Jahren auch Impfungen ausführen dürfen. Hier können zudem Blutdruck und -zucker gemessen oder vertrauliche Beratungsgespräche geführt werden. «Diese Angebote erfreuen sich steigender Beliebtheit, da sie unkompliziert und oft ohne Voranmeldung beansprucht werden können», sagt Florian Meier. Damit und mit den Erstberatungen im Laden komme den Apotheken im Gesundheitswesen zunehmend eine wichtige Triage-Funktion zu, die die Ärzte entlaste.

«Leider wissen nur die Wenigsten, dass wir mit einem Defibrillator ausgerüstet und im Umgang damit auch ausgebildet sind.»Florian Meier, Inhaber Adler Apotheke

Der Raum enthält auch eine Überraschung: Ein knallroter Notfallrucksack, mit dem Apotheker bei Herznotfällen in der Umgebung ausrücken können. «Da wir mit unserem Defibrillator schneller vor Ort sind, als ein Krankenwagen, kann das lebensrettend sein», sagt Meier, «Leider wissen nur die Wenigsten, dass wir damit ausgerüstet und im Umgang damit auch ausgebildet sind.»

Hochmodernes und Traditionelles

Beim Umbau («Es war wie eine Operation am offenen Herzen, sämtliche Arbeiten mussten bei laufendem Betrieb durchgeführt werden») ging es auch darum, Arbeitsabläufe und -bedingungen zu verbessern: So gibt es zur Technikumstrasse hin nun ein Büro für Arbeiten, die volle Konzentration erfordern, wie etwa die Krankenkassen-Abrechnungen oder die Konfektionierung von Bestellungen.

Zur Erholung vom «bisweilen sehr lebhaften Betrieb an der Kundenfront» trägt eine kleine Teeküche bei, die im «Alphüttli-Stil» gehalten ist – samt Blick aufs Matterhorn ... Hochmodern ist dagegen die mit High-Tech-Geräten versehene Offizin im Untergeschoss (in der auch die Hausspezialitäten hergestellt werden), die Blisterpackanlage (s. Landbote vom 13.9.) oder das professionelles Fotostudio zum Ablichten von Packungen für den Online-Shop.

Hightech im Untergrund: die Pillenverpackungsanlage in der Adler Apotheke. Bild: elo

Unterm Dach jedoch holt einen die Geschichte wieder ein: Dort befindet sich das im Original erhaltene Büro des Vor-Vorbesitzers Ernst Baeschlin. Er hatte die Apotheke 1942 von seinem Schwiegervater Max Gamper übernommen (welcher wiederum der Sohn des eingangs erwähnten Eduard war und 1911 sein Nachfolger wurde). Auf Ernst Baeschlin folgte Urs Reinhard, der die Apotheke ab 1978 pachtete und 1990 kaufte. 2009 veräusserte er sie Florian Meier – der somit im 180. Jahr der Adler Apotheke auch sein Zehnjähriges feiert.

Zum Jubiläum am 27. / 28. September kann man in der Adler Apotheke selber Kräutersalz herstellen. Zu jeder vollen Stunde gibt es zudem geführte Betriebsbesichtigungen.

Erstellt: 24.09.2019, 10:52 Uhr

Florian Meier führt die Adler Apotheke seit 10 Jahren. (Bild: elo)

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