Winterthur

«Eine Rückkehr in die Politik ist denkbar, die SVP wäre eine Option»

Das ungewöhnliche Leben des Winterthurers Mark Kuster nimmt eine weitere Wende. Er ist als Entwicklungshelfer in Kuba nicht mehr erwünscht. Jetzt denkt er offen über seine Rückkehr nach – vielleicht auch in die Schweizer Politik.

Mark Kuster muss in die Schweiz zurückkehren. Kommt es zu einem Comeback in der hiesigen Politik?

Mark Kuster muss in die Schweiz zurückkehren. Kommt es zu einem Comeback in der hiesigen Politik?

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Was wurde er belächelt, damals im Jahr 2001, als er beschloss, als Entwicklungshelfer in Kuba tätig zu werden. Ausgerechnet er. Mark Kuster.

Der Mann, der bis zu seiner Berufung als Helfer Präsident der Jungen SVP Schweiz gewesen war und darin so erfolgreich und so voller Eifer, dass man ihm schon den Übernamen «Klein Blocher» gegeben hatte.

«Klein Blocher hilft Castros Insel» titelte eine Zeitung damals etwas hämisch. Kuster hatte eine weltpolitische und ideenpolitische Weltreise gemacht. Er selbst sah das freilich nie so.

Fidel Castro und Christoph Blocher, beide waren sie für ihn Leit- und Identifikationsfiguren. Und solche Figuren, die etwas bewegen, das war immer Kusters Überzeugung, die braucht ein Land.

Illustre Unterstützer

Kuster hat selbst einiges bewegt. Heute belächelt ihn keiner mehr. Über 200 000 Franken jährlich hat seine Organisation Camaquito in den letzten Jahren eingesammelt und in Kuba in Projekte investiert: in Dutzende Schulen, die wieder aufgebaut oder erneuert und mit Unterrichtsmaterial ausgerüstet wurden.

«Ich bin sehr erstaunt, dass er sein Aufenthaltsrecht verlieren soll»Ernst Wohlwend, 
Ex-Stadtpräsident von Winterthur

In eine Klinik mit jährlich über 6000 Geburten. Aber auch in soziale Projekte, wie ein Kindertanztheater, das Ballett in Camagüey oder sein Projekt «Viva al futbol», mit dem er den Jugendsport fördert.

Kuster, ein begabter Netzwerker, hat es verstanden, in der alten Heimat immer wieder Leute für sein Anliegen zu begeistern. Von Ex-Nati-Goalie Jörg Stiel über SVP-Nationalrätin Natalie Rickli bis hin zur Spitze des FC Winterthur.

Ex-Miss-Schweiz Anita Buri beschaffte als Botschafterin für Camaquito die Aufmerksamkeit des «Blicks». Ebenfalls Botschafter sind Zigarrenproduzent Heinrich Villiger und der Winterthurer Ex-Stadtpräsident Ernst Wohlwend, mit dem sich Kuster als Präsident der Jungen SVP einst heftige Auseinandersetzungen um die Drogenpolitik geliefert hatte.

Wohlwend besuchte Kuster schon zweimal in Camagüey und sah sich die Projekte vor Ort an. «Alle Einrichtungen konnten von der Hilfe von Camaquito stark profitieren», sagt er. In einem Gespräch mit der Schweizer Botschaft in Havanna habe er ausserdem erfahren, dass man nicht nur Kusters Hilfsarbeit als wirkungsvoll beurteile, sondern diesen auch gerne als Auskunftsperson zurate ziehe.

«Zudem bescheinigte man ihm, dass er sehr geschickt sei im Umgang mit den Behörden, die nicht den Verdacht aufkommen lassen wollen, dass Kuba auf Hilfe angewiesen sei.»

Hat sich Kuster nun doch einen Fehltritt erlaubt? Erst letzte Woche hat er erfahren, dass seine Aufenthaltsbewilligung nicht verlängert wird. «Ich bin sehr erstaunt, dass er sein Aufenthaltsrecht verlieren soll, und bin gespannt, ob man über die Beweggründe noch mehr erfährt», sagt Wohlwend.

Die offiziellen Gründe wirken vorgeschoben. Es fehlten genügend Projekte, habe man ihm gesagt, erzählt Kuster, dabei habe er viele Projekte beantragt, nur seien diese in Havanna blockiert.

Die Rückkehr wird schwierig

Mark Kuster hat den Blick bereits nach vorne gerichtet. Seine Hoffnung auf ein Weiterverbleiben sei an einem ganz kleinen Ort, sagt er. Er hoffe, noch bis Ende Jahr in Kuba bleiben zu können, um die Fortführung der Projekte zu regeln. «Ich bin aber darauf eingestellt, dass ich schon vorher in die Schweiz muss.»

«Im Vordergrund steht nicht die Partei, sondern stehen meine Ideen und Ansichten. Und diese wurden  auch von Kuba geprägt.» 

Die Rückwanderung wird kein Leichtes. Kuster ist seit zehn Jahren mit einer Kubanerin liiert, die beiden haben eine bald neunjährige Tochter und einen fünfjährigen Sohn. Er möchte seine Familie mitnehmen, sagt er, sobald das die finanzielle Situation erlaube.

In Kuba hat sich Kuster die letzten Jahre lediglich 2000 Franken pro Monat ausbezahlt. «Ich habe 17 Jahre zum Minimallohn gelebt und keine Ersparnisse. All mein Engagement hat Kuba gegolten.»

Im Sommer kommt er für zwei Monate in die Schweiz. Wie immer stehen der Spendenlauf in Winterthur und Auftritte auf dem Programm. Kuster wird sich diesmal aber auch mit seiner Zukunft befassen müssen. Ein beruflicher Wechsel sei sehr wahrscheinlich, sagt er. Und ja, eine Rückkehr in die Politik könne er sich vorstellen, auch die SVP sei für ihn noch eine Option.

«Aber im Vordergrund steht nicht die Partei, sondern stehen meine Ideen und Ansichten. Und diese wurden in den letzten 17 Jahren auch von Kuba geprägt.» Wer ihn ob dieser Aussage belächelt, der kennt Mark Kuster nicht.

(Der Landbote)

Erstellt: 03.05.2018, 10:28 Uhr

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