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«Eine so hohe Quote darf nicht sein»

Das Projekt Sirma, mit dem die Stadt die Sonderschulkosten in den Griff kriegen wollte, greift nicht. Der Anteil der Sonderschüler ist erneut stark gestiegen. Die Quote liegt aktuell bei 5,4 Prozent. Schulvorsteher Stefan Fritschi ist unzufrieden, sagt aber, das Problem sei zu kompliziert für schnelle Lösungen.

Immer mehr Kinder erhalten sonderschulische Massnahmen (Archivbild).
Immer mehr Kinder erhalten sonderschulische Massnahmen (Archivbild).

42,4 Millionen Franken. So hoch waren die Kosten für die Sonderschulung in Winterthur im letzten Jahr. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Ausgaben um 2,7 Millionen Franken. Und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Im ersten Halbjahr 2017 ist die Sonderschulquote erneut gestiegen, von 5,1 auf 5,4 Prozent.

Im letzten Herbst hatte der Stadtrat das Budget 2017 für sonderschulische Massnahmen mit dem Novemberbrief kurzfristig um zwei Millionen Franken aufgestockt. Nun wird auch dieses zusätzliche Geld kaum reichen.Die Entwicklung verläuft damit diametral zu den erklärten politischen Zielen.

«Wir haben also nicht nur einen finanziellen, sondern auch einen gesellschaftlichen Druck.»

Stefan Fritschi, Schulvorsteher

2013 hatte die Stadt die Verantwortung für das Sonderschulbudget an die Kreisschulpflegen abgetreten, mit dem Auftrag, die Quote auf 4 Prozent zu senken. Die Kompetenzenverschiebung war Teil des Projektes Sirma, das mit einem Bündel weiterer Massnahmen zur Verbesserung der schulischen Integration beitragen sollte.

Ist Winterthur ein Einzelfall?

Betrachtet man allein die Zahlen, hat das Projekt Sirma bislang eine dürftige Bilanz. Schulvorsteher Stefan Fritschi (FDP) gibt allerdings zu bedenken, dass die Stadt ohne Sirma womöglich noch schlechter dastehen würde. Zurzeit wird das Projekt von der ZHAH evaluiert. Die Resultate sollten bis Ende Jahr vorliegen. «Wir erhoffen uns eine Antwort darauf, ob Winterthur ein Einzelfall ist und, falls ja, warum», sagt Fritschi. «Und ebenso eine Antwort, warum die Stärkung der Integrationskraft der Regelschulen durch Ressourcenmanagement, die Sirma bezweckt, nicht greift.»

Maschinerie Sonderschule

Stefan Fritschi wird die Verantwortung vorher abgeben. Am Samstag wechselt er vom Schuldepartement ins Departement Technische Betriebe. Seinem Nachfolger Jürg Altwegg (Grüne) rät er, die Ergebnisse der Evaluation abzuwarten, bevor weitere Massnahmen diskutiert werden. Die Sonderschulthematik sei extrem komplex. «Für eine Sonderschulverfügung wird eine ganze Maschinerie in Gang gesetzt.» Der Schulpsychologische Dienst, externe Fachkräfte, Ärzte, Therapeuten, Lehrer, Schulleiter, Behördenmitglieder sind involviert. «In diesem Setting überlegt man, was mit dem Kind passieren soll, und darüber schwebt noch die Kostenfrage.»

Die hohe Sonderschulquote sieht Fritschi langfristig als ein volkswirtschaftliches Problem. Kinder mit einem Sonderschulstatus in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, sei schwierig. «Wir haben also nicht nur einen finanziellen, sondern auch einen gesellschaftlichen Druck. Eine so hohe Quote, wie wir sie heute haben, darf nicht sein.»

Den Entscheid weiterreichen?

Inwiefern die Kostenexplosion bei den Sonderschulverfügungen an der Struktur der Schulpflege liegt, auch darüber könnte die laufende Evaluation Aufschluss geben. Sirma sollte die Entscheidung organisatorisch näher zum Kind bringen. «Zuvor habe ich als Stadtrat Entscheide unterzeichnet. Ich hatte keine Chance, den Einzelfall einzuschätzen», sagt Fritschi. «Das war eine reine Pro-forma-Angelegenheit.»

Trotz der grösseren Nähe der Entscheidungsträger zu den Kindern ist die Sonderschulquote weiter gestiegen. «Vielleicht müsste die Entscheidung noch näher zum Einzelfall», sagt Fritschi. Denkbar wäre für ihn ein Modell, in dem die Schulen selbst die Freiheit haben, über sonderpädagogische Massnahmen zu verfügen, allerdings mit einem Kostenplafond. Als geeignet sieht Fritschi vor allem auch «Massnahmen, die die Schule stärken», wie zum Beispiel der Einsatzvon Zivis, Klassenassistenten oder Heilpädagogen. Ziel sei, dass möglichst viele Kinder in der Regelschule bleiben könnten. «Externe Platzierungen sind am teuersten.»

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