Winterthur

Eine ungeliebte Behörde geht in die Offensive

Die Mitarbeitenden der Kesb Winterthur wollen das negative Aussenbild ihrer Behörde korrigieren.

Die Kesb setzt auf Offenheit.

Die Kesb setzt auf Offenheit. Bild: Michele Limina (Archiv)

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«Manchmal wird es still am Tisch, wenn ich erzähle, dass ich bei der Kesb arbeite.» Das ist der erste Satz, den Karin Fischer, die Präsidentin der Kinder- und Erwachsenen-Schutzbehörde Winterthur/Andelfingen im Jahresbericht 2018 schreibt. Fischer und vier Mitarbeiterinnen erzählen darin von Anfeindungen und Aggressionen, die sie erleben, aber auch von Argwohn und Ängsten, von Verletzungen und Schuldgefühlen, die sie zu spüren bekommen. «Leider erlebe ich immer wieder, dass Menschen ihre Wut und ihren Frust an mir auslassen», schreibt eine Mitarbeiterin.

«Manchmal wird es still am Tisch, wenn ich erzähle, dass ich bei der Kesb arbeite.»Karin Fischer, Präsidentin Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Winterthur/Andelfingen

Der Jahresbericht wird durch diese persönlichen Erlebnisse quasi zu einer Aufklärungsbroschüre darüber, was die Kesb tut und was ihre Aufgabe ist. Präsidentin Karin Fischer bestätigt, dass dies die Absicht war. Denn die Kesb ist, seit sie landesweit existiert, eine ungeliebte Behörde, für viele ein Feindbild. Ihr Aussenbild ist geprägt von Einzelfällen, die von Medien gross aufgemacht wurden. «Es wurde bisher zu wenig informiert», sagt Fischer; das Versäumte nachzuholen und Ängste abzubauen, ist ein Ziel des Jahresberichts. Daneben ist der Bericht wie üblich auch ein Rückblick in Zahlen.

Ins Heim, gegen die Eltern

Die Zahlen bewegen sich alle im Rahmen der letzten fünf Jahre: 2018 wurden 5776 Verfahren neu eröffnet, ziemlich genau hälftig im Kindes- und im Erwachsenenschutz. Die Nettokosten betragen 7 Millionen Franken, die unter den 44 beteiligten Gemeinden nach Einwohnerzahl aufgeteilt werden. 42 Stellen zählt die Kesb derzeit, auch diese Zahl ist stabil. Besonders schwierig sind Fälle wie diese: 21 Mal wurde im letzten Jahr ein Kind in einem Heim oder bei einer Pflegefamilie platziert, obschon die Eltern sich dagegen sträubten. Und 28 Mal entschied die Kesb, dass eine erwachsene Person gegen ihren Willen länger als sechs Wochen in einer psychiatrischen Klinik bleiben muss.

Von einigen konkreten Fällen berichten Kesb-Mitarbeitende im Jahresbericht. Was ist zu tun, wenn sich die Kinder nicht einig sind, was mit einem dementen Elternteil geschehen soll? Dann muss die Kesb ran, aber oft gelingt es auch ihr nicht, die Nachkommen zu einen. Dann entscheidet die Kesb, was natürlich eine Seite unzufrieden zurücklässt. «Es bräuchte uns nicht, wären sich Söhne und Töchter einig», schreibt die Präsidentin Fischer zu Fällen wie diesem.

Erstellt: 25.06.2019, 17:06 Uhr

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