Winterthur

Eine WG in der denkmalgeschützten Villa

Ein Rundgang durch das renovierte «Landhaus Saas» am Brühlberg zeigt, dass man einen schutzwürdigen Zeitzeugen des Neuen Bauens von 1929 erhalten und gleichzeitig für neue Wohnformen nutzbar machen kann.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Unser Rundgang beginnt im zweiten Obergeschoss. Es besteht lediglich aus einem grossen Vorraum und einem kleinen Zimmer, das dank grosser Schiebefenster zur Loggia wird. Die Hauptsache hier oben ist aber ohnehin die von einem Geländer eingefasste und mit Platten belegte Dachterrasse. Sie lässt eine wunderbare Fernsicht zu. Und obwohl ein grösserer Teil der Dachfläche begrünt ist bzw. der solaren Warmwasseraufbereitung dient, bietet sie mehr als genug Platz für einen Tisch mit Sitzgelegenheiten, Liegestühle und Sonnenschirm.

Im Inneren zeigt sich auch gleich, mit wieviel Sorgfalt der historischen Bausubstanz im ganzen Haus Rechnung getragen wurde: Der spezielle Gusseisen-Radiator im Vorraum wurde restauriert und versieht nach wie vor seinen Dienst, ebenso die originalen Fensterbeschläge oder die alten Elektroinstallations-Abdeckungen. Auch die Treppenbrüstung aus Nussbaumholz kam nach der Erhöhung des Mauerwerks auf heutige Normmasse wieder auf ihren angestammten Platz. Und der Fussbodenbelag wurde zeit- und stilgerecht in Linoleum erneuert. „Das passende Material dafür haben wir allerdings erst nach aufwändigen Recherchen gefunden“, erzählt Jann Wäckerli von Walser Zumbrunn Wäckerli Architekten.

Hotel-Gefühle am Brühlberg

Wir steigen ab ins erste Obergeschoss. Es ist massiv grösser: In einer östlich von Treppenaufgang und Vorplatz gelegenen Zimmerflucht gibt es nach Süden ein grosses Elternschlafzimmer mit Terrassenzugang, an das sich ein eigenes Bad, ein Büro- oder Kinderzimmer sowie ein Ankleideraum mit grossen, alten Wandschränken angliedern. Da die Räume durch einen internen Gang verbunden sind, bilden sie praktisch eine in sich geschlossene Wohneinheit.

Entlang einem Korridor sind im Westflügel vier grosse Südzimmer aneinandergereiht. Drei von ihnen verfügen über einen direkten Ausgang auf die Terrasse, so dass man sich fast in einem Hotel wähnt. Das vierte Zimmer besitzt zwar keinen Balkon, wird dafür aber von zwei grossen Fenstern in der südwestlichen Hausecke erhellt. Ein kleineres Zimmer sowie ein Vorraum schliessen den Trakt gegen Westen ab. Dessen Clou sind aber zweifellos die drei nordorientierten Bäder: Sie liegen genau gegenüber den Zimmern, wodurch praktisch jedes „sein“ eigenes Bad besitzt. So sollte in der künftigen WG kein morgendlicher „Stau“ entstehen!

Selbst der «Keller» ist Wohnraum

Das Erdgeschoss war früher ganz auf Repräsentation ausgerichtet – sowie auf die zur Entstehungszeit üblichen Verhältnisse: Aus dem einstigen „Dienstbotenzugang“ zur Küche im Ostflügel ist ein grosszügiger Garderoben-Vorraum samt Gäste-WC entstanden, der einer WG-Nutzung besser entspricht. An die eigentliche Eingangshalle mit historischem Klinkerboden schliessen südlich ein direkt mit der Küche verbundenes Ess- und westlich ein fast 50 m2 grosses Wohnzimmer mit komplett verglaster Fensterfront an. Ihr folgt eine nur unwesentlich kleinere Bibliothek mit Cheminée, die - wie alle drei Wohnräume - ein schönes Nussbaumparkett aufweist.

Da das Haus in einer Hanglage steht, ist das Untergeschoss eine vollwertige, zum Garten ebenerdige Wohnetage. Sie beherbergt in ihrer Osthälfte eine Dreizimmer-Einliegerwohnung mit grosser Küche, zwei Bädern, eigenem Gartensitzplatz. Durch eine riesige, einstige „Wösch-Hänki“ gelangt man überdies zu zwei grossen, hellen Ateliers. Dennoch bleibt hangseitig immer noch genug Platz für die Haustechnik – sowie für einen mit Tonplatten- und Kiesboden vorbildlich ausgestatteten Weinkeller, der mehr als genügend Lagerkapazität auch für die festfreudigste Wohngemeinschaft bietet ... Wow, was für ein Haus.

(Der Landbote)

Erstellt: 25.01.2017, 16:38 Uhr

Zwei Führungen

Die städtische Denkmalpflege bietet am Samstag 28. Januar 2017 zwei Führungen durch das beispielhaft renovierte «Landhaus Saas» am Wölfflinweg 9:an. Diese beginnen pünktlich um 10 Uhr und um 11 Uhr. Keine Parkplätze vorhanden, 10 Minuten zu Fuss ab Bushaltestellen Loki oder Rebwiesen.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben