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«Einen Seniorenrat brauchts nicht»

Die Fragestunde erlaubt es Gemeinderäten, in Kurzform ein Thema anzuschneiden. Und der Stadtrat gibt ebenso rassig Antwort. Einen Seniorenbeirat? Nein, das brauche Winterthur nicht, sagte etwa der Stadtpräsident.

Michael Künzle war der Stadtrat, der am meisten Fragen zu beantworten hatte
Michael Künzle war der Stadtrat, der am meisten Fragen zu beantworten hatte
Archiv, Patrick Gutenberg

Das Frage-und-Antwort-Spiel ist bei den Gemeinderatsmitgliedern beliebt. 29 von 60 ergriffen gestern die Gelegenheit, ein Thema aufzugreifen, ohne gleich einen Vorstoss zu verfassen. Katrin Cometta (GLP) wollte beispielsweise wissen, ob die neuen Verkehrsschilder «Sackgasse mit Ausweg für Velos und Fussgänger» in Winterthur auch gebräuchlich seien. Sind sie, sagte Polizeivorsteherin Barbara Günthard, nur sehen die Schilder hier ein klein bisschen anders aus.

Auch Rahel Comfort von der GLP hat ein Auge für Verkehrsschilder. Auf einem Wegweiser an der Wülflinger-Unterführung steht noch immer der Begriff PTT, der doch schon seit mindestens zwei Jahrzehnten passé ist. Ist Änderung in Sicht?, fragte sie. Ja, antwortete die Polizeivorsteherin, im Rahmen der Bauarbeiten rund um den Bahnhofplatz werde auch diese Tafel demnächst ersetzt.

Lilian Banholzer (EVP) wollte wissen, wie viele Zivildienstleistende die Stadt Winterthur aktuell einsetze. Stadtpräsident Michael Künzle hat die Zahlen: 68 sind es total, 30 davon bei Alter und Pflege, 32 in der Volksschule, 4 sinds im Asylbereich, je einer bei der Denkmalpflege und der Suchthilfe. Im Bereich Asyl konnten nicht alle Plätze besetzt werden. Künzle lieferte gleich auch noch seine Bedenken hinterher: Jugendliche aus dem Gymi würden sich öfter für den Zivildienst entscheiden als solche, die ein Handwerk erlernen. «Wir müssen aufpassen», sagte er, «das könnte zu einem gesellschaftlichen Problem werden.»

Künzle war der Stadtrat, der am meisten Fragen zu beantworten hatte, so auch diese von Marcel Trieb (SVP): Ist der Stadtrat gewillt oder bereit, analog zum Ausländerbeirat auch einen Seniorinnen- und Seniorenbeirat ins Leben zu rufen? Nein, sagte Künzle sehr schnell und sehr klar. Um dann eine Begründung nachzuschieben: Die älteren Leute in Winterthur hätten mit dem Altersforum bereits eine Institution, in der Seniorenvereine, die Stadt und weitere Interessierte zusammengeschlossen seien. Momentan sei das Forum in einem «Rollenklärungsprozess». Den Vergleich mit dem Ausländerbeirat hält Künzle für falsch: «Der gibt der ausländischen Bevölkerung eine Stimme, die ja sonst nicht stimmberechtigt ist.» Die Seniorinnen und Senioren seien hingegen sehr wohl stimmberechtigt und zudem eine sehr starke und erstarkende Gruppe. «Wir müssen keine eigene Organisation für sie ins Auge fassen.»

Recycling-Bus im Quartier?

Eine Abfuhr gabs auch für Barbara Huizingas (EVP) Vorschlag, Winterthur könne doch analog zum Zürcher Recycling-Tram einen Recycling-Bus durch die Quartiere fahren lassen. «Damit sich bei Maag nicht immer derart viele Autos stauen, ein Bus wäre unkompliziert und energiesparend», fand Huizinga. Stadtbus-Vorsteher Stefan Fritschi erklärte, das müsste die Stadt wohl selber berappen, der Zürcher Verkehrsverbund würde das nicht zahlen. Kollega Lisibach aber könne die Aufgabe ja an Stadtbus vergeben. Dieser (Bauvorstand Josef Lisibach) sagte aber klipp und klar: Das werde er nicht tun. Es sei kein Geld vorhanden für eine solche Recycling-Tour. Das Recycling funktioniere, abgesehen davon, auch schon recht gut.

Keine Lok für die Lokstadt

Gleich noch ein schroffes Nein von Lisibach bekam auch Fredy Künzler (SP) zu hören: Nein, die Stadt werde keine Museumslok aufstellen in der Lokstadt – so heisst seit einigen Tagen das grosse Implenia-Baugebiet, das ehemalige Werk 1 an der Zürcherstrasse. Der Stadtrat sei sich auch «uneins über den pädagogischen Wert» einer alten Lokomotive. Künzler hatte angeregt, eine Lok aufzustellen, wie sie früher an der Zürcherstrasse im Tössfeld und beim Technikum standen.

Zu guter Letzt noch dies: Iris Kuster (CVP) und Silvia Gygax (GLP) hatten die gleiche Frage: Wann müssen die B-Post-Stimmcouverts spätestens eingeworfen werden, damit die Stimme noch zählt? Einen fixen Termin gibt es nicht, sagte Künzle: «Die Post will das nicht.» In der Regel aber würden drei Tage reichen, Einwurf also spätestens am Mittwoch. «Aber viele Couverts kommen zu spät bei uns an, sehr viele sogar sehr viel zu spät», sagte Künzle. «Jeweils 200 bis 400 sind zu spät; das sind 0,8 bis 1,2 Prozent aller eingegangenen Couverts.»

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