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Einmal querbeet durchs Schweizer Strafregister

Ein 24-Jähriger muss ein halbes Jahr ins Gefängnis. Immer wieder hat er geklaut, Drogen verkauft und konsumiert, auch noch während dem laufenden Strafverfahren. Doch jetzt soll sich alles ändern.

Wenn die Staatsanwältin vor allem an die Gerichtsverhandlung kommt, um zu sehen «wie es dem Angeklagten heute geht», dann ist schon einiges schief gelaufen. Fast drei Jahre lang konnte das Verfahren gegen den 24-jährigen Schweizer nicht eröffnet werden, da immer wieder neue Anklagepunkte hinzukamen.

«Auf Youtube gibt es hunderte solcher Videos, die das erklären.»

Der Angeklagte

Das Sammelsurium von Vergehen zieht sich «einmal querbeet durch das Schweizer Strafregister», wie es die Richterin am Donnerstag formulierte. Wirklich erfolgreich war der junge Kundenberater mit seinen kriminellen Machenschaften nie. Die Indoor-Hanfanlage, die er in einer Wohnung in Winterthur aufzuziehen versuchte, scheiterte etwa ziemlich schnell.

Nachdem den drei beteiligten Männer die selbstständige Tätigkeit als Versicherungsbroker nicht einträglich genug war, entschieden sie sich die Räume umzunutzen. Das Wissen zum Aufbau einer Hanfanlage hätten sie sich auf Youtube angeeignet. «Da gibt es hunderte solcher Videos, die das erklären», sagte der Angeklagte. Zur Ernte der 21 Pflanzen kam es nie, trotzdem rechnete die Staatsanwaltschaft vor, bei vollständiger Auslastung der Räume hätten rund 500 Pflanzen Platz gehabt, was beim Verkauf der Blüten einem Erlös von 150 000 Franken entsprochen hätte. Hätte.

Grossmutter ausgenommen

Ein Jahr später begann der Winterthurer in einer neuen Firma als Kundenberater zu arbeiten. Drei Monate später wurde ihm gekündigt, trotzdem behielt er unter anderem sein Geschäftsauto und benutzte es weiterhin. Das zur Fahndung ausgeschriebene Fahrzeug wurde zwei Monate später von der Polizei beschlagnahmt, die Reparaturkosten beliefen sich auf fast 5000 Franken.

«Ich war schon seit einem Jahr nicht mehr in Winterthur.»

Der Angeklagte

Kurz davor besuchte der 24-Jährige mit seiner neuen Freundin deren 90-jährige Grossmutter. Seine Freundin klaute dieser die Bankkarte und den Pin aus der Wohnung. Das Pärchen hob Geld ab, bezahlten damit ein Hotel (Ibis) und versuchten neue Kleider zu kaufen (H&M), was die Bezugslimite der Karte jedoch nicht zuliess. Insgesamt verbrauchten die beiden 1110 Franken. Immer wieder konsumierte der Angeklagte zudem Kokain, kiffte und fuhr Auto ohne Führerschein.

An sich alles keine grossen Vergehen. Aber der Angeklagte hatte sich jahrelang strafbar gemacht. Er befand sich deshalb bereits in einer Probezeit und auch während des laufenden Strafverfahrens kamen immer neue Vergehen hinzu. Das Strafmass von 18 Monaten Freiheitsstrafe sei daher gerechtfertigt, entschied die Richterin.

«In ihrem kurzen Leben ist schon einiges falsch gelaufen.»

Die Richterin

Sechs Monate davon muss der junge Mann absitzen, die restlichen 12 Monate sind bedingt, die Probezeit dauert drei Jahre. «In ihrem kurzen Leben ist schon einiges falsch gelaufen», sagt die Richterin. Nur kurz wird die schwierige Kindheit des Angeklagten angeschnitten. Zeitenweise war er mit seiner Mutter im Frauenhaus, später in einem Heim, schliesslich zog er zu seinem Bruder.

«Jetzt wird alles besser»

Doch nun, so ist er überzeugt, werde alles besser. Von seinem ehemaligen Umfeld habe er sich bewusst distanziert, sei aus dem Kanton gezogen, habe sich dort einen Job gesucht. «Ich war seit einem Jahr nicht mehr in Winterthur». Und seine Freundin sei im siebten Monat schwanger. Bald, also, werde er Vater, erzählte er freudestrahlend. Seine Schulden von 17 000 Franken (dazu kommen nun noch 12 000 Franken Gerichtskosten) werde er in eineinhalb Jahren abgezahlt haben, rechnete er vor.

«Wir wollen Sie hier nicht mehr sehen.»

Die Richterin

Die Richterin ermahnte ihn mehrmals, die guten Vorsätze auch wirklich umzusetzen. Es werde nun nochmals eine Durststrecke auf ihn zukommen. «Wir wollen Sie hier nicht mehr sehen.» Und: Es wäre schön, wenn er sich noch bei der bestohlenen Grossmutter entschuldigen würde. Die werde ja schliesslich bald Urgrossmutter.

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