Winterthur

«Elitär, zu teuer und kein Bedürfnis»

Die Gegner vermissen am Projekt der Kulturkirche Rosenberg ein klares Konzept, befürchten eine massive ­Geldverschwendung zugunsten einer elitären Zielgruppe und im schlimmsten Fall sogar eine Austrittswelle aus der Kirche.

In der Kirche Rosenberg soll zwei Jahre lang der Betrieb einer Kulturkirche erprobt werden. Im November stimmen die Reformierten ab.

In der Kirche Rosenberg soll zwei Jahre lang der Betrieb einer Kulturkirche erprobt werden. Im November stimmen die Reformierten ab. Bild: Donato Caspari

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bisher hatten vor allem die Veltheimer Promotoren und die Freunde der geplanten Kulturkirche das Wort ergriffen. Einen Monat vor der Abstimmung traten gestern auch die Gegner vor die Medien und erklärten ihr Nein.

«Kirchen mit Kultur brauchen keine Kulturkirche» steht auf dem Flyer. Man kann das sinnbildlich verstehen oder ganz konkret. Denn die Angst heisst Konkurrenz: Wenn in der künftigen Kirche Rosenberg Kulturanlässe stattfinden, würden die bestehenden Angebote in den Kirch­gemeinden dar­un­ter leiden. Man befürchtet gar, früher oder später werde Druck ausgeübt, dass Konzerte und andere Veranstaltungen ausschliesslich in der neuen Kulturkirche stattfinden sollten.

Kirchenaustritte provozieren

In einer Kulturkirche notabene, die «prioritär für eine elitäre Zielgruppe» gedacht sei. Der soziale Gedanke gehe verloren, wurde gesagt. Und daraus leiten die Gegner ab: Wenn die Kirche nicht mehr so viel Geld für soziale Belange ausgibt, sondern für ein gut situiertes Kulturpublikum, dann sind Kirchenaustritte die Folge. Es werde also das Gegenteil dessen eintreten, was eigentlich die Idee der Kulturkirche sei, nämlich kirchenferne Mitglieder wieder näher an die Kirche zu binden.

Vor allem Paul Schöchlin von der Kirchenpflege Töss operierte mit diesem Argument: «Man drängt die Leute geradezu zum Austritt. Denn viele goutieren es nicht, wenn die Kirche ihr Geld für so was ausgibt», sagte er.

Kein Graben, aber Probleme

Schöchlin gehört zum sechsköpfigen Referendumskomitee, das diese Volksabstimmung über den 450 000-Franken-Beitrag der Win­terthurer Reformierten herbeigeführt hat. Ein Behörden­referendum sei in der reformierten Landeskirche kantonsweit ein Novum, wurde gesagt. Und man spürte: Die Erfahrung, mit einer solchen Si­tua­tion umzugehen, fehlt den Kirchenpflegemitgliedern. Sie betonten zwar, es bestehe kein Graben und schon gar keine Spaltung zwischen ihnen und den Veltheimern. Doch das Gespräch scheint erschwert. Verena Bula, die Präsidentin der Kirchenpflege Seen, erzählte als Beispiel, wie schwierig es gewesen sei, sich auf gemeinsame Formulierungen zu einigen beim Schreiben der Abstimmungsweisung.

Seen und Töss sind die beiden Kreise, in denen die Kirchenpflegen offiziell eine Nein-Parole beschlossen haben. Damit offensiv und öffentlich zu werben, scheue sie sich aber, sagte Bula. Die Kreise Mattenbach und Wülflingen haben in der Behörde Nein-Mehrheiten ermittelt, treten damit aber nicht an die Öffentlichkeit; in Oberi wurde das Thema nicht eigens traktandiert und diskutiert. Neben den genannten Kirchenpflegern traten gestern auch auf: Urs Wieser, der Präsident aus dem Mattenbach, Urs Aeberli, Vizepräsident in Wülflingen, Denise Zier, Präsidentin in Töss, sowie Hans Kast aus Oberwinterthur.

Urs Aeberli sagte, er vermisse beim Projekt Kulturkirche «objektive Kriterien», mit denen nach dem zweijährigen Pilotbetrieb der Erfolg gemessen werde, und er zweifelte die Finanzierung an. Denise Zier erzählte, wie «sonderbar» die Sitzung abgelaufen war, an dem der Beitrag zur Kulturkirche beschlossen wurde. Und Urs Wieser gab sich überzeugt, dass man nach einem Nein nicht auf Jahre eine leere Kirche haben werde. Man finde sicher eine gemeinsame bessere Lösung. Wie diese aussehen könnte, liess Wieser aber offen. (Landbote)

Erstellt: 23.10.2015, 21:38 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Paid Post

Soforthilfe für Smartphones

Ob Displaybruch, defekte Kamera oder Wasserschaden – Wintek Swiss hat meist eine Lösung.

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben