Winterthur

Eltern und Schüler verärgert über geplante grosse Zügelaktion

In den nächsten zwei Jahren müssen in Oberwinterthur über zehn Sek-Klassen das Schulhaus wechseln. Eltern befürchten, dass diese turbulente Phase klare Nachteile für ihre Kinder mit sich bringt.

Im Schulhaus am Lindberg soll ab dem Schuljahr 2022/23 keine Sekundarklassen mehr unterrichtet werden.

Im Schulhaus am Lindberg soll ab dem Schuljahr 2022/23 keine Sekundarklassen mehr unterrichtet werden. Bild: Marc Dahinden

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In Oberi umtreiben Sek-Schülerinnen und -Schüler des Schulhauses Lindberg derzeit vor allem folgende Fragen: «Muss ich bald das Schulhaus wechseln? Bekomme einen neuen Lehrer? Und, wenn ja, in einer Zeit, in der ich eigentlich andere Sorgen hätte?»

Sicher ist: In Oberwinterthur wird die Sekundarstufe bis 2022 komplett reorganisiert. Viele, doch noch längst nicht alle Fragen sind dabei geklärt. Beschlossene Sache ist, dass es ab dem Schuljahr 2022/23 nur noch zwei Sek-Schulhäuser geben wird, statt bisher drei: das neu gebaute Schulhaus Wallrüti mit 28 Klassen und das Rychenberg mit 14 Klassen. Das Lindberg, als kleinster Standort, wird zum Primarschulhaus umfunktioniert. Die Kreisschulpflege nennt auf Anfrage zwei Gründe für diese Reorganisation: die steigenden Schülerzahlen und das Ziel sogenannt klassendurchmischter Sek-Schulhäuser, in denen sämtlichen Jahrgänge unterrichtet werden.

Damit kommt es in den nächsten zwei Jahren im Schulkreis Oberwinterthur zur grossen Züglete. Weit über zweihundert Schülerinnen und Schüler wechseln das Schulhaus, die meisten ans Wallrüti, einige Klassen auch ans Rychenberg.

«Denkbar ungünstig»

Was einige Eltern vom Lindberg auf den Plan gebracht hat, ist, dass diesen Sommer gleich drei Klassen ins Wallrüti ziehen müssen, und vor allem, dass sie dort wahrscheinlich mit einer neuen Lehrperson ins zweite Jahr starten. «Das ist ein denkbar ungünstigster Zeitpunkt! Dann, wenn sich die Schülerinnen und Schüler möglichst gut fokussieren müssten, entweder auf die Vorbereitung auf die Gymi-Prüfung oder auf die Berufswahl. Sie haben einen klaren Nachteil», sagt Markus Knaus, der Vater einer betroffenen Schülerin.

Er und auch Vertreter des Elternrats glauben, dass die Schulleitungen und Kreisschulpflegepräsident Christoph Baumann (SP) die Auswirkungen auf die Schülerinnen und Schüler eines solchen Schulhaus- und Lehrerwechsels unterschätzt haben. Mit einer Onlinepetition hat Knaus nun den Druck auf die Kreisschulpflege erhöht. Darin schlägt eine Zügelvariante vor, bei der keine 2. Sek-Klasse umziehen und von null starten müsste.

Keine Planänderung

Doch Baumann sagt auf Anfrage, man handle wie geplant. Man habe sechs verschiedene Wechselvarianten verglichen und gegeneinander abgewogen. Wichtig sei, dass ein «eingespieltes Team» ins neue Schulhaus Wallrüti einziehen könne. «Wir wollen das möglichst früh und gut aufgleisen.» Man habe zuletzt bei den Schulhäusern Zinzikon und Neuhegi gesehen, wie gross die Herausforderung jeweils sei.

Letzten Sommer wurden die betroffenen Eltern in einem Brief über die Neuverteilung informiert. Beim Elternrat des Schulhauses Lindberg stellte sich Baumann kürzlich nochmals den Fragen. Man verstehe jetzt, warum die grosse Wechselübung notwendig sei und wie man diese managen wolle, heisst es dort. Doch konkrete Antworten auf die brennendsten Fragen, sagt Elternrätin Mônica Costa Santos, darauf, wie man die Züglete für die 2. Sek-Schüler abfedern werde und welche Klassen betroffen seien, habe man nach wie vor nicht erhalten. «Wir hoffen, dass die Schulleitung und die Kreisschulpflege unsere Sorgen ernst nimmt und dass es einen Infoabend gibt, an dem alle Eltern ihre Fragen stellen können.»

Baumann beteuert auf Anfrage, dass man bei Klassen, die umziehen müssten, auf das Thema Berufswahl ein besonderes Augenmerk lege. Diesen Prozess «mit aller Sorgfalt» begleiten werde, «sicher mit einem Zusatzaufwand», wenn eine Klasse ihren bisherige Lehrperson verliere. Welche Klassen diesen Sommer ans Wallrüti wechseln müssen, entscheide sich im Frühling. Erst Ende März, dem fristgerechten Kündigungstermin, sei die personelle Situation bei den Lehrerinnen und Lehrern geklärt, und man habe eine solide Planungsgrundlage.

Nebst der Onlinepetition mit gemäss dem Initianten über 50 Unterschriften (eingetragen sind 22) hat sich am Lindberg inzwischen auch bei den Schülerinnen und Schülern Widerstand formiert, ebenfalls in Form einer Petition, wie Andrea Di Paola weiss, der Präsident des Elternrates. Das Thema sei in aller Munde. «Wir alle sind gespannt, wie es jetzt weitergeht.»

Erstellt: 21.01.2020, 08:56 Uhr

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