Winterthur

Er bringt die Sterne zum Leuchten

Seit 25 Jahren installiert der Thurgauer Franz Jegerlehner die Weihnachtsbeleuchtung in der Marktgasse. Dieses Jahr war es das letzte Mal.

Franz Jegerlehner freurt sich über die Weihnachtsbeleuchtung in der Marktgasse, die er und seine Equipe 25 Jahre lang aufgehängt haben.

Franz Jegerlehner freurt sich über die Weihnachtsbeleuchtung in der Marktgasse, die er und seine Equipe 25 Jahre lang aufgehängt haben. Bild: Marc Dahinden

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Meister Lampe — dieser Titel ist schon besetzt. Es ist der Fabelnamen für den Hasen. So muss man Franz Jegerlehner als Meister Lämpchen oder besser als den Sternemeister bezeichnen. Er hängt jedes Jahr die Sterne und Schweife auf, die die Einkaufsmeile zwischen Obertor und Untertor erleuchten. Dieses Jahr sind die neugestalteten Sterne im Graben dazu gekommen.

Früher klamme Finger

Über der Marktgasse leuchten schon 53 Jahre dieselben Sterne. Während fast der Hälfte dieser Zeit amtet Jegerlehner als Sternemeister. Im April 2019 geht er in Pension. Heute blickt er zurück: «Wir froren so sehr, dass wir einen Gasbrenner auf in die Hebebühne nahmen, um uns wenigstens ein bisschen zu wärmen. Nach mehreren Stunden Arbeit konnten wir kaum mehr sprechen. Der Mund war uns zugefroren», sagt Jegerlehner mit feiner Ironie. In den letzten Jahren sei es nie mehr so kalt gewesen. «Auch Schnee fällt nur noch ganz selten. Obwohl das zur Stimmung passen würde».

«Ich mache meine Sache, damit hat es sich.»Franz Jegerlehner,
Freileitungsmonteur und Sternemeister

Die Sterne und Schweife erstrahlen erstmals am Donnerstag vor dem Ersten Advent zum Abendverkauf. Der Sternemeister und seine drei Mitarbeiter beginnen aber schon zwei Wochen vorher damit, die Beleuchtung zu installieren. Sie benötigen acht Tage, bis alle Sterne und Schweife über den Gassen hängen. Um die Glühbirnen zu prüfen, schalten sie die Beleuchtung tagsüber ein. «Das ist doch noch viel zu früh. Es ist ja noch viel zu warm für die Weihnachtsbeleuchtung», hören sie dann von Passanten.

Die Schönste landesweit

Bevor Jegerlehner mit der Weihnachtsbeleuchtung anfing, war er gelegentlich als Aushilfe dabei. Damals hängte man Sterne und Schweife mit Hilfe einer Feuerwehrleiter auf. Für jeden Fassadenhaken und jedes Seil über der Strasse mussten man die Leiter ausfahren, wieder einfahren und weiter schieben: «Auf der Leiter war das immer ein fürchterliches Gegaagel». Gerade weil die Sterne und Schweife all die Jahre so einfach und traditionell geblieben sind, wurden sie in einer Umfrage von «20 Minuten» 2014 zur schönsten Weihnachtsbeleuchtung der Schweiz gewählt.

In Winterthur zahlen und organisieren die Ladenvereinigungen der einzelnen Gassen die Weihnachtsbeleuchtung. Marktgasse, Ober- und Untertor haben sich zusammen geschlossen. Jegerlehner ist zusätzlich für die Beleuchtung im Graben zuständig, nicht aber für die Steinberggasse.

Thurgauer Advent

Der Sternemeister arbeitet das Jahr hindurch für die Eduard Steiner AG in Rikon. Die Firma betreute die Weihnachtsbeleuchtung in der Winterthurer Haupteinkaufsstrasse schon in den ersten Jahren. Daneben baut sie Hoch- und Niederspannungsfreileitungen in der ganzen Schweiz. Jegerlehner ist 44 Jahren bei Steiner. Er ist gelernter Mauer. Während der scharfen Krise im Baugewerbe Mitte der 1970er wechselte er den Beruf und wurde Freileitungsmonteur. Ihm war es wichtig, draussen zu arbeiten. Auch bei schlechten Wetter. «Wenn es regnet, regnet es eben.»

So ungerührt kann das nur ein Thurgauer sagen. Jegerlehner wohnt in Bischofszell. Dort gibt es in der Altstadt ebenfalls eine Weihnachtsbeleuchtung. Mit dieser hat Jegerlehner aber nichts zu tun. Dafür hat er auf dem Bischofszeller Adventsmarkt selbst einen Stand. Er backt dazu jedes Jahr 60 Kilogramm Birnenbrot und schenkt weissen Glühwein aus. Und natürlich steht ein beleuchteter Tannenbaum in seinem Garten.

Weihnachtsroutinier

«Nach 25 Jahren ist die Weihnachtsbeleuchtung ein Job wie jeder andere auch geworden.» sagt Jegerlehner. Er habe sich aber trotzdem eine Checkliste gemacht. Weil es von einem zum anderen Mal immer ein ganzes Jahr dauere.

Dieses Jahr jedoch kam etwas Neues dazu. Der Sternemeister musste einen Buzzer an der Ecke Marktgasse-Graben eingerichtet. So konnte der Stadtammann Roland Isler die neuen Sterne im Graben und die ganze übrige Beleuchtung mit einem effektvollen Knopfdruck einschalten. Jegerlehner: «Wir haben das mehrfach getestet. Trotzdem war ich nervös, ob es wirklich klappt.» Es hat geklappt.

«Stolz? Ich will mal nicht übertreiben. Ich mache meine Sache, damit hat es sich», sagt Jegerlehner. Doch diesmal verfängt seine trockene Thurgauer Art nicht. Er strahlt nämlich, fast als wäre er selbst ein Stern.

Erstellt: 12.12.2018, 17:20 Uhr

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