Bezirksgericht Winterthur

Er nahm sich, was er gerade brauchte

Ob Fujifilme, eine Edelstahl-Grillschale oder Mickey Mouse-Malstifte: Innert eines Jahres beging ein Mann in Winterthur zahlreiche Diebstähle. Nun erhielt er eine bedingte Geldstrafe von 15'000 Franken.

Unter anderem schlug der Dieb auch in der Franz Carl Weber-Filiale an der Winterthurer Marktgasse zu.

Unter anderem schlug der Dieb auch in der Franz Carl Weber-Filiale an der Winterthurer Marktgasse zu. Bild: Archiv Moritz Hager

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Man kann nicht sagen, dass der Mann – ein Familienvater, der vor einigen Jahren aus Deutschland in die Schweiz kam – beim Stehlen besonders kreativ vorging. Mal steckte er sich die Ware unter den Pulli, mal in den leeren Kinderwagen und manchmal nahm er sich auch einfach etwas aus dem Regal und spazierte aus der Ladentüre. Aussergewöhnlich ist allerdings die Zahl seiner Diebstähle und die Dauer der Diebesserie.

Weit über 100 Gegenstände liess der Mann mitgehen, die Delikte spielten sich während des ganzen Jahres 2017 ab. Betroffen waren knapp zwei Dutzend Verkaufsgeschäfte, davon die meisten in Winterthur. Zu den betroffenen Läden gehören neben der Migros Rosenberg oder dem Franz Carl Weber beispielsweise auch der Büro Schoch oder die Apotheke am Deutweg. Ob Künstlerfarben, Modellautos für Kinder oder eine Kaffeemaschine: Er nahm sich, was er gerade brauchte oder auch weiterverkaufen wollte.

«Nach dem Stehlen ging es mir besser»

Letzte Woche stand der Mann vor einem Einzelrichter des Winterthurer Bezirksgerichts, und dabei wurde klar, dass er anfangs aus einer finanziellen Not heraus stahl, mit der Zeit aber auch «ohne finanziellen Druck», wie es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft heisst. Der Gesamtwert seines Deliktguts belief sich nach einem Jahr auf knapp 11'500 Franken. Die Anklageschrift umfasst ein Inventar, in dem die auf neun Kartons verteilte Ware detailliert beschrieben ist.

Es sei ihm im Jahr 2017 nicht gut gegangen, sagte der Mann vor Gericht. «Nach dem Stehlen ging es mir jeweils für einen Moment besser, danach aber noch schlechter.» Er habe aus «Frust und Depression» gestohlen, sagte er. Angeklagt war der Mann auch wegen Vergehen gegen das Waffengesetz – er hatte aus Deutschland verschiedene Waffen ohne Bewilligung in die Schweiz eingeführt und zu Hause gelagert.

Eine lange Probezeit

Bei einem Diebstahl nach Neujahr 2018 war der Mann aufgeflogen, er kam einen Monat in U-Haft und gleichzeitig mussten Frau und Kind Zuhause eine polizeiliche Durchsuchung über sich ergehen lassen. Diese Zeit sei die schlimmste seines Lebens gewesen, meinte der Mann nun. «Ich war da mit Mördern und Entführern zusammen, 23 Stunden am Tag isoliert und die Wärter waren brutal, das war eine Lektion für mich.»

Das Verfahren wurde abgekürzt geführt. Das heisst, dass sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung vorgängig auf ein Strafmass geeinigt hatten, der Beschuldigte war vollumfänglich geständig. Der Einzelrichter verurteilte ihn nach kurzer Urteilsfindung zu einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen à 50 Franken. 150 Tagessätze muss er bezahlen, die andere Hälfte der Strafe wurde bedingt ausgesprochen mit einer langen Probezeit von fünf Jahren. Einzelnen Geschäften muss der Mann Entschädigungsbeträge zahlen.

Erstellt: 17.06.2019, 12:01 Uhr

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