Winterthur

«Erst durch den Garten habe ich genau beobachten gelernt»

Hinter dem kleinen Park zwischen Seiden- und Thurgauerstrasse steht das Haus von Regula Holliger. Sie hat hier ein kleines Gartenparadies geschaffen, in dem sich Mensch und Tier wohlfühlen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Als Regula Holliger vor zwanzig Jahren das Haus ihrer Grosseltern übernahm, hat sie sich als erstes ein Notizbuch angeschafft und gewissenhaft alles notiert. Wann die Johannisbeeren reif waren, wieviel Kilo Zwetschgen sie ernten konnte oder wann die Blume unter kleinem Baum in der Ecke blühe. «Vom Garten hatte ich überhaupt keine Ahnung, genau so wenig wusste ich, wie die Pflanzen heissen», erzählt sie.

Bis dahin habe sie in der Altstadt gewohnt und Blumenkästen auf dem Balkon gepflegt, das war‘s. «Step by Step habe ich mir das nötige Wissen angeeignet.» Sie hat angefangen, Bücher und Gartenzeitschriften zu lesen – heute ist sie Mitglied der englischen Royal Horticultural Society und holt sich ihre Ideen an der berühmten Chelsea Flower Show.

Viel gewässert

Aber vor allem hat sie ihren Garten sorgfältig beobachtet. «Im Lauf der Jahre habe ich gelernt, welche Pflanze sich an welchem Ort wohlfühlt. Deshalb hat sie im westlichen Gartenteil, der früh am Tag keine Sonne mehr hat, ein Schattenbeet angelegt. «Die meisten Schattenpflanzen blühen zwar nicht so schön, dafür sind ihre Blätter umso prachtvoller».

«Schattenpflanzen blühen zwar nicht so schön, dafür sind ihre Blätter umso prachtvoller».

Das Beet hat dem Auge etwas zu bieten. Blickfang ist eine hellgelbe Austin-Rose, sie heisst Charlotte, genau wie Holligers Mutter. Zwischen Hosta, Gräsern und Rodgersien verteilen sich einige pinkfarbene Blüteninseln. Das sind Schildblumen (Chelonen), die auch im Halbschatten ausdauernd und dekorativ blühen.

Direkt hinter dem Haus, dort wo die pralle Mittagssonne hinkommt, hat Regula Holliger diesen Frühling ein neues Staudenbeet angelegt. «Das war keine gute Idee, angesichts des heissen Sommers.»

Viel Wasser haben die jungen Pflanzen gebraucht, aber Phlox, Beinwell, Rudbeckien und Malven danken es der Gärtnerin und stehen jetzt in voller Blüte. Vorher war an dieser Stelle ein Kräuterbeet mit Buchseinfassung, das Regula Holliger wegen des Buchsbaumzünslers aufgelöst hat: «Gegen den anzukämpfen, wurde mir zuviel».

Einiges im Garten stammt noch von den Grosseltern, etwa der Zwetschenbaum, einige Rosen, die Hortensien oder die mannshohen Johannisbeersträucher neben dem Sitzplatz.

Ein richtiger Wald

Nach zehn Jahren konnte Regula Holliger auch die zweite Haushälfte ersteigern. Heute ist im Untergeschoss eine Kinderkrippe untergebracht, die obere Wohnung ist vermietet. Das Haus und der Garten waren ziemlich vernachlässigt.

Das hatte auch seinen Vorteil. Zur viel befahrenen Thurgauerstrasse hin konnte sich ein richtiger Wald ausbreiten, den Regula Holliger auch als solchen behandelt. Ein lauschiger Ort, in der Ecke steht ein Igelhäuschen, Totholz und Laub dürfen hier herumliegen, es duftet nach Wald.

«Ich kann einen Waldspaziergang im eigenen Garten machen»

Der Boden ist trotz Hitze leicht feucht. «Damit sie keinen Schaden nehmen, habe ich den ganzen Sommer über die Bäume mindestens zweimal wöchentlich gut gewässert», sagt Regula Holliger.

ine mächtige Buche, eine Zypresse und eine Föhre dominieren das Grundstück, dazwischen Eiben und hochgewachsene Buchenschösslinge. Der Strassenlärm wird so effizient gedämpft. Im Frühjahr, bevor das Buchenlaub grün wird, sei der ganze Boden mit Bärlauch bedeckt, im Herbst wachsen Pilze. «Hier kann ich einen Waldspaziergang im eigenen Garten machen», schwärmt Regula Holliger.

Im anderen Gartenteil, der mit Stauden und Sträuchern nach englischem Vorbild gestaltet ist, hat die Sommerhitze ihren Tribut gefordert, an einigen der Stauden sind die Blätter regelrecht in der Sonne verbrutzelt, trotzt regelmässigem Wässern. «Manchen Pflanzen war es schlichtweg zu warm».

Das Wasserbecken, vor der von zwei violett blühenden Kübelpflanzen flankierten violetten Bank steht wegen der Hitze leer. «Damit habe ich lieber die Pflanzen gegossen».

Wenn sie nicht gerade so wässern muss wie diesen Sommer, arbeitet Regula Holliger während der Saison ungefähr eine Stunde täglich im Garten. Eine Zeit, die sie geniesst. Vor allem als sie noch voll berufstätig war, sei der Garten eine willkommene Abwechslung zur Büroarbeit gewesen.

Heute betreibt sie eine Brockenstube in Töss und arbeitet nur noch wenige Stellenprozent in der Versicherungsbranche, vor allem im Winter. «So bleibt mir genug Zeit für den Garten.»

(Der Landbote)

Erstellt: 28.08.2018, 15:10 Uhr

Menschen und ihre Gärten (7)

Winterthur ist bekannt für seine prachtvollen alten Parks und Villengärten. Daneben gibt es aber auch zahlreiche private Gärten, in die Menschen jedes Jahr viel Liebe und Arbeit investieren.

In einer lockeren Serie stellen wir einige davon vor Kennen Sie einen Garten, der unsere Leser interessieren könnte, egal ob Pflanzblätz, Rosensammlung, Natur- oder Paradiesgarten?

Dann melden Sie sich doch bei der Lokalredaktion unter Telefon 052 266 99 31 oder per Mail an lokal@landbote.ch

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Paid Post

Soforthilfe für Smartphones

Ob Displaybruch, defekte Kamera oder Wasserschaden – Wintek Swiss hat meist eine Lösung.

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben