Blaulicht

«Es braucht einen Kulturwandel»

Eineinhalb Jahre nach der Fusion von Feuerwehr und Zivilschutz zu «Schutz & Intervention» zieht der Kommandant eine positive Bilanz. Kleinere Brände gibt es aber noch zu löschen.

Kommandant Jürg Bühlmann (links) und der Zivilschützer Adrian Lehner arbeiten bei Schutz & Intervention seit über einem Jahr nun eng zusammen.

Kommandant Jürg Bühlmann (links) und der Zivilschützer Adrian Lehner arbeiten bei Schutz & Intervention seit über einem Jahr nun eng zusammen. Bild: Madeleine Schoder

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Der Hupenwalzer von Kapellmeister Reto Parolari hatte damals den feierlichen Schlusspunkt unter die offizielle Stabübergabe an Jürg Bühlmann gesetzt, den neuen Kommandanten von Schutz & Intervention Winterthur. Vor gut eineinhalb Jahren wurden darin Feuerwehr und Zivilschutz neu zusammengefasst, um «Synergien zu schaffen» und zu sparen, vor allem Mietkosten. Der Zivilschutz schloss seine Reparaturwerkstatt, der Sitz des Zivilschutzamts wurde aufgehoben und die beide Einheiten teilen sich nun in der Grüze ein gemeinsames Materiallager. Heute konzentriert sich alles an den zwei Standorten Zeughausstrasse (Feuerwehr) und Ohrbühl (Zivilschutz). Beim Zivilschutz wurden 1,4 Stellen abgebaut. Kostenersparnis insgesamt: 427 000 Franken, Ziel erreicht.

Grosser Bruder nimmt den kleinen an die Hand

Ziel der Übung war es aber auch, die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Zivilschutz zu intensivieren und zu verbessern, vor allem mit einer neuen Kommandostruktur und kürzeren Befehlsketten. Keine zwei Wochen nach Stabübergabe folgte für Schutz & Intervention mit dem Brand der Ziegelei im Dättnau bereits der erste Grosseinsatz. Die Feuerwehr löschte, die Zivilschützer organisierten den Nachschub von Treibstoff und Verpflegung und regelten den Verkehr. Auch beim Bunkerbrand in der Kehrichtverbrennungsanlage drei Monate später waren die beiden Einheiten gemeinsam im Einsatz.

Ideal funktioniert habe die Koordination und Arbeitsteilung dann bei der Montage der Holzhaus-Provisorien für Asylsuchende in der Kirche Rosenberg und dem alten Busdepot.

Der Kommandant ist zufrieden. Nur, ein kniffliges Problem lässt sich nicht so schnell lösen, nämlich die Hilfsfrist der Zivilschützer zu verkürzen, die Dauer zwischen Alarm und Eintreffen am Einsatzort. Deren Pool umfasst sieben Festangestellte, die auf Pikett arbeiten, und über 900 Dienstpflichtige, die – beruflich oder privat eingespannt– oft schwer erreichbar oder verhindert sind. Manchmal dauert es bis zu drei Stunden, bis sie eingerückt sind, viel später als die Feuerwehr.

Bühlmann hat es sich daher zum Ziel gemacht, den Korpsgeist zu stärken und bei den Zivilschützern einen «Kulturwandel» herbeizuführen. «Wir wollen die Einsatzbereitschaft erhöhen, indem wir als zeitgemäss aufgestellte Schutz- und Rettungsorganisation mehr Professionalität ausstrahlen», sagt er. Undankbare Hilfs-Jobs wie das Aufstellen von Festbänken an Events hat Bühlmann daher abgeschafft: «So etwas gehört schlicht nicht in unseren Zuständigkeitsbereich». Einsätze wie die Personentransporte an der Ski-WM in St. Moritz seien wiederum sinnvoll und kämen gut an, als Übungen für den Ernstfall. Erste Früchte trage die interne Image-Kampagne bereits. Zehn Zivilschützer aus dem Korps sind inzwischen freiwillig per Pager erreichbar und damit quasi auf «Pikett light». Die freiwillige Feuerwehr habe wiederum andere Baustellen, zum Beispiel, dass zu viele junge Kader nach ein paar Jahren wieder abspringen.

Nach wie vor stehen bei Schutz & Intervention intern mehrere kleine Aufgaben an, um die Harmonisierung und den Kulturwandel zu beschleunigen. Das fängt bei der schrittweisen Vereinheitlichung der Kleidung an und geht bis zum Relaunch der Mitarbeiterzeitung «Brandaktuell». «Darin müssen wir nun auch für die Zivilschützer etwas bieten», sagt Bühlmann. Für seine neue Kommunikationsfachfrau gibt es viel zu tun.

Kostenmässig wieder auf dem Stand 2014

Wo organisatorisch die neuen Rädchen langsam in sich greifen, ist man kostenmässig praktisch wieder auf dem alten Niveau angelangt, bedingt durch höhere Personal-, Ausbildungs- und Einsatzkosten. In der Rechnung 2014 waren für die Feuerwehr und den Zivilschutz zusammen 10,49 Millionen Franken ausgewiesen, 2017 sind es für «Schutz & Intervention» 10,36 Millionen budgetiert. Damit die Berufsfeuerwehr ihren Dienst «rechtmässig» leisten könnte und ständig mit elf Mann einsatzbereit wäre, fehlen laut Bühlmann sechs zusätzliche Feuerwehrmänner zu den heute 45. Drei waren 2015 eigentlich vorgesehen, wurden im Zuge von Balance vom Gemeinderat aber wieder gestrichen. (Landbote)

Erstellt: 14.02.2017, 16:03 Uhr

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