Winterthur

Es fehlen die Zeit und das Geld

Die Onlineplattform 2324.ch wird eingestellt. Die Gründerin spricht von einer Erfolgsgeschichte, die Stadt von einer guten Idee, die keinen Anklang fand.

Von den 2324 Gemeinden der Schweiz haben fünf die Plattform genutzt.

Von den 2324 Gemeinden der Schweiz haben fünf die Plattform genutzt. Bild: Screenshot

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Die Idee klang vielversprechend, die Motivation des Gründertrios war gross. Vor vier Jahren startete Winterthur als Pilotgemeinde auf dem Online-Dorfplatz 2324.ch, mittlerweile haben sich Moosseedorf, Sargans, Untereggen und Widen angeschlossen. Der Name der Plattform steht für die 2324 Gemeinden der Schweiz, die es zum Zeitpunkt des Projektstartes gab. Er stehe symbolisch für eine Plattform, die allen Gemeinden zugänglich sei, sagt Amanda Sauter, Mitglied des Gründertrios von 2324.ch.

Die Plattform sollte das Sprachrohr der Leute werden, Diskussionen erst online und dann offline fördern. Das, indem die Nutzer mit wenigen Mausklicks selbst Inhalte posten und kommentieren konnten. Doch per Ende Jahr geht die Seite wieder vom Netz. «Finanziell und vom Zeitaufwand her ist das Projekt für uns zu aufwendig geworden.»

Das Bedürfnis der Gemeinden sei da

Auch wenn sie nun zu Ende ist, spricht Sauter von einer Erfolgsgeschichte. Mit 2324.ch wollte man auch politisches Instrument werden. «Themen, die in einer Gemeinde beschäftigen, werden oft zu politischen Anliegen», sagt Sauter. Das Feedback der Gemeinden auf die Plattform sei gemischt gewesen. Das Bedürfnis, mitzureden und an Diskussionen teilzuhaben, sei da. «Viele brauchen einfach noch Unterstützung.»

Ein Blick auf die Website von 2324.ch zeigt, dass der Wunsch nach einer Plattform mit regen Diskussionen kaum erfüllt wurde. Die Stadt Winterthur publiziert ihre Medienmitteilungen zwar regelmässig, wie auch das Familienportal Kinderthur oder der Boulderpark Blockfeld, doch Reaktionen darauf gibt es keine, und auch Beiträge des Bienenzüchtervereins oder der Jugendinfo Winterthur bleiben unkommentiert.

Andreas Friolet von der Kommunikationsabteilung der Stadt bedauert, dass der Erfolg ausblieb. «Das Projekt schien uns innovativ und spannend.» Für die Stadt war es einfach, ihre Mitteilungen über einen Automatismus auch auf 2324.ch zu publizieren und so das Projekt zu unterstützen. Doch die Reaktionen darauf blieben aus. «Offensichtlich ist das Bedürfnis nicht da. Ich kann mir vorstellen, dass es gerade in grösseren Städten wie Winterthur schon genügend Plattformen gibt.»

Bis Ende Jahr können sich die fünf Gemeinden dem Zürcher Mitbewerber Crossiety anschliessen. Denn es fehlen die finanziellen Mittel, um 2324.ch weiterzubetreiben. «Für ein zufriedenstellendes Ergebnis müssten wir zu viel Zeit investieren», sagt Sauter. «Wir arbeiten alle Teilzeit und werden damit unseren Kunden und den eigenen Ansprüchen nicht gerecht.» Ansonsten könnte man besser auf die Bedürfnisse der einzelnen Gemeinden eingehen, gemeinsam Workshops veranstalten, neue Features entwickeln und weitere Gemeinden dazugewinnen. Die Gründer wollen die fünf angemeldeten Gemeinden aber nicht fallen lassen. «Diejenigen, die interessiert daran sind, beraten wir weiterhin.»

Winterthur hat schon ­genügend eigene Kanäle

Winterthur werde sich nicht Crossiety anschliessen, sagt Friolet. Die Stadt habe mit der eigenen App schon einen Kanal, um Medienmitteilungen zu publizieren, und über Social-Media-Kanäle wolle man künftig vermehrt versuchen, die Leute zu erreichen und Diskussionen anzu­regen.

Erstellt: 26.07.2019, 09:00 Uhr

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