Musikprojekt

Es fehlt Geld fürs Klassenmusizieren

Seit eineinhalb Jahren spielen die 6. Klass-Kinder der Primarschule Rychenberg ein Blasinstrument. Die Schule möchte das Projekt weiterführen. Doch das geht nur mit einem Sponsor. Und ein solcher ist nicht in Sicht.

Die Bläser-Klasse der Schule Rychenberg probt für einmal im Naturpark Lindberg.

Die Bläser-Klasse der Schule Rychenberg probt für einmal im Naturpark Lindberg. Bild: PD

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In der Stadt Zürich üben 89 Schulklassen gemeinsam ein Instrument ein. Der Züricher Gemeinderat hatte in einer Motion verlangt, dass man das Projekt Klassenmusizieren in der ganzen Stadt anbietet. Ganz anders sieht es in Winterthur aus. Es gibt derzeit zwei Projekte, die es möglich machen, dass Klassen regelmässig gemeinsam musizieren. So spielen seit längerem in der Schule Rebwiesen alle Kinder Geige, unterstützt von der Musikschule Prova. Und im Schulhaus Rychenberg spielen seit eineinhalb Jahren  in der derzeit 6. Klasse alle Kinder ein Blasinstrument.

Im Schulhaus Rychenberg ist vom Projekt begeistert. «Es ist ein tolles Projekt, das die Klasse zusammenschweisst», sagt Schulleiterin Judith Memisi. Es sei für die Kinder motivierend gewesen zu sehen, dass auch der Klassenleherer ganz bei null habe anfangen müssen. «Aber schliesslich konnte die Klasse dank regelmässigem Üben gemeinsam musizieren und sogar Konzerte geben: Das Vorbereiten, das Bibbern vor dem Auftritt und die Freude und Erleichterung beim Applaus – das waren für alle unvergessliche Erlebnisse.»

Nächste Klasse wartet

Trotz des Erfolgs ist keinesfalls klar, ob das Projekt im nächsten Jahr in einer anderen Klasse weitergeführt werden kann. «Wir haben zwar eine nächste Klasse, die im Sommer starten möchte, doch die Finanzierung ist noch nicht gesichert», sagt Judith Memisi. Im Rychenberg wird das Projekt Klassenmusizieren von der Jugendmusikschule begleitet. Laut Lukas Hering, Leiter der Jugendmusikschule, kostet das Projekt für 25 Schulkinder rund 27'500 Franken. Ein Grossteil (14'000 Franken) fällt für die Instrumentenmiete an sowie für die Musiklehrpersonen (6'750 Franken), welche die Klassen unterstützen. Diese Kosten kann weder die Schule selbst noch die Jugendmusikschule tragen.

«Das Vorbereiten, das Bibbern vor dem Auftritt und die Freude und Erleichterung beim Applaus – das waren für alle unvergessliche Erlebnisse.»Judith Memisi, 
Schulleiterin Rychenberg

Die beiden Institutionen haben deshalb 2017 gemeinsam ein Gesuch um Kostenbeteiligung bei der Suisa (Schweizer Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik) gestellt. Diese  hat das Projekt ursprünglich für ein, schliesslich für zwei Jahr finanziert. «Auf Dauer kann die Suisa aber leider nicht der persönliche Sponsor der Schule Rychenberg sein, weshalb wir eine andere Lösung suchen müssen», sagt Memisi. Die Schule beteilige sich zwar so weit möglich an den Kosten. So wurde der Musiklehrer der Schule für das Projekt eingesetzt und die Lektion für den Klassenlehrer aus dem Gestaltungspool finanziert. Und die Lehrkräfte besuchten die nötigen Weiterbildungen in der Freizeit. Mehr liege jedoch nicht drin: «Würden wir zusätzliches Geld einschiessen, würde dies auf Kosten der 29 anderen Klassen gehen, was wir nicht vertreten können.»

Hoffen auf Suisa

Doch auch die Sponsorensuche ist aufwändig. «So gerne wir das möchten, wir können diesen Aufwand nicht betreiben. Möglicherweise wird der Elternrat bei der Suche nach einem Sponsor helfen», sagt Memisi. Weil es bislang keine Lösung gibt, hat die Schule gemeinsam mit der Jugendmusikschule nochmals ein Gesuch bei der Suisa gestellt.  «Vielleicht erhalten wir für ein drittes Jahr Unterstützung, wir geben die Hoffnung nicht auf.» 

Laut Lukas Hering gibt es neben der Klasse im Rychenberg inzwischen sieben weitere Klassen, die Interesse hätten, Klassenmusizieren anzubieten. Auch für diese will man bei der Suisa anklopfen. Doch für Hering ist klar: «Längerfristig müssen wir dieses Angebot auf feste Füsse stellen.» Er wünscht sich, dass die interessierten Schulen möglichst selber einen Sponsor suchen. Von einer Lösung wie in Zürich könne Winterthur wohl nur träumen. «Denkbar wäre eine solche Lösung schon, aber leider angesichts der Finanzlage nicht sehr realistisch.» Grundsätzlich lohne es sich aber, das Projekt längerfristig aufrecht zu erhalten. «Die Fixkosten werden tiefer, denn nach 2 Jahren können wir die gemieteten Instrumente günstig übernehmen. Dann fallen nur noch Unterhaltskosten von etwa 200 Franken pro Instrument an.» 

Hering ist vom Nutzen des Projekts überzeugt. «Es ist wahnsinnig lässig und kann eine ganze Schulhauskultur prägen». Die Klasse habe miteinander Erfolge feiern können. Denn während die Kinder zu Beginn kaum einen Ton aus den Instrumenten brachten, konnten sie nun nach wenigen Monaten gemeinsam ganze Stücke vortragen.

Erstellt: 04.03.2019, 13:04 Uhr

Musik in der Schule

In Winterthur hat die Stadt in den letzten Jahren vereinzelt Musikprojekte unterstützt. So erhielt das Geigenprojekt im Schulhaus Rebwiesen laut Stadtrat Jürg Altwegg im Schuljahr 2014/15 einmalig finanzielle Unterstützung. Seither werden die Neuanschaffungen und der Unterhalt der Geigen über das Schulbudget finanziert. 

Im Februar 2013 entstand das Konzept «Musikpädagogisches Angebot der Stadt Winterthur». Dieses sah vor, dass Schulen oder einzelne Klassen für spezifische musikpädagogische Projekte oder wiederkehrende Angebote wie Chor, Musicals, Tanzaufführungen und Konzerte ein Gesuch um finanzielle Unterstützung einreichen konnten. Schon ab dem Jahr 2015 konnten jedoch keine musikpädagogischen Projekte mehr finanziert werden. Die Schulen wurden darüber informiert. 

Laut Altwegg gibt es zwar noch punktuell musikpädagogische Angebote, welche von den Schulen organisiert werden, wie eben  das erwähnte Projekt Klassenmusizieren im Rychenberg. Die Finanzierung erfolgt aber nicht über die Stadt.  Flächendeckend werde aber als Ergänzung zum ordentlichen Musikunterricht  die musikalische Grundausbildung angeboten. Überdies biete der Schulkredit  Möglichkeiten, kleinere Projekte zu finanzieren. (mif)

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