Jubiläum

«Es geht darum, die Zeit zu überbrücken, bis die Profis da sind.»

Am Samstag feiert der Samariterverein Seen 100-Jahr-Jubiläum. Präsident Urs Okle über «Pflästerli» und die Freude am Helfen.

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Wer sich in der medizinischen Hilfe engagieren will, kann dies beruflich tun, als Arzt, Sanitäter, Pflegefachfrau. Warum wird man stattdessen in seiner Freizeit Samariter?
Urs Okle: Das ist oft familiär bedingt, da war beispielsweise die Mutter schon Samariterin und dann stiess auch die Tochter dazu. Wir haben aber in unserem Verein auch Ehepaare. Ich selbst bin von Beruf Hauswart im Schulhaus Ausserdorf in Wülflingen, und damit erste Anlaufstelle, wenn es Mal ein Pflaster braucht. Früher mussten Hauswarte Kurse bei den Samaritern belegen. Das ist unterdessen anders, aber aus diesem Grund haben wir heute noch viele Hauswarte in unseren Reihen.

Sie selbst sind aber nicht erst durch den Beruf zu den Samaritern gestossen.
Nein, ich bin schon dabei, seit ich 14 Jahre alt war, das sind jetzt 38 Jahre. Ich bin damals mit einer Schulkollegin an einen Schnuppertag gegangen, unsere beiden Mütter waren auch bei den Samaritern. Da bin ich mit dem Samaritergedanken infiziert worden, und er hat mich nicht mehr los gelassen.

Und was ist der Kern dieses Gedankens?
Zu helfen, unabhängig davon, um wen es sich handelt – ganz gemäss dem Bild des barmherzigen Samariters. Wenn man es eher praktisch anschaut, geht es darum, dass man als Laie die Zeit überbrückt, bis die Profis da sind.

«Junge Eltern fühlen sich sicherer, wenn sie wissen, was im Ernstfall zu tun wäre.» Urs Okle, Präsident Samariterverein Seen

Haben Sie schon einmal jemandem das Leben gerettet?
Das nicht, aber ich habe einige medizinische Notfälle erlebt, die Blutung gestoppt, bei einer groben Schnittwunde zum Beispiel, oder eine Skifahrerin richtig gelagert, die sich das Schienbein gebrochen hat. Viel öfter sind aber niederschwellige Sachen, auch bei mir im Schulhaus.

Und das gibt ein gutes Gefühl, zu helfen?
Das ist ein Aspekt. Wir haben aber in unserem Verein auch viele Eltern mit Kindern, junge Mütter zum Beispiel, die sich einfach sicherer fühlen, wenn sie wissen, was im Ernstfall zu tun wäre. Zum Beispiel, wenn ein Kind einen Gegenstand verschluckt.

Ein Teil der Vereinstätigkeit sind auch Kurse, wer sind die Adressaten?
Wir geben die obligatorischen Nothilfekurse, aber auch andere Kurse für das Verhalten im Notfall, etwa für Kita-Mitarbeitende, Lehrer, Staatsförster und Mitarbeiter von Baufirmen.

Diese Kurse sind kostenpflichtig, die guten Samariter verdienen also auch etwas.
Das ist so. Aber man muss auch den Aufwand und die Verhältnisse sehen. Auch den Sanitätsdienst leisten wir nicht gratis. Nächsten Dienstag zum Beispiel sind wir mit sechs Leuten an der Töss-Staffette, und dann in Kürze am Jodlerfest.

Nun ist Ihr Verein 100 Jahre alt. Wie entwickeln sich die Mitgliederzahlen?
Die sind erfreulich stabil, wir stehen bei 30 Mitgliedern, plus minus zwei pro Jahr.

Wie feiern Sie das Jubiläum am Samstag?
Wir haben ehemalige Mitglieder und die Bevölkerung von Seen eingeladen, werden ein Karussell und eine Hüpfburg haben. Der Musikverein Seen, mit dem wir an der Dorfet jeweils das Kafi «Plästerli» betreiben, spielt, und Stadtrat Stefan Fritschi überbringt eine Grussbotschaft.

Die Samaritervereine sind einst parallel mit den Turnvereinen aufgekommen, auch weil es nicht genügend Ärzte gab...
Früher gab es diese Täfelchen, auf denen «Samariterposten» stand. Eines unserer Mitglieder hatte so eine Tafel vor dem Haus an der Rössligasse, dort konnte man klingeln, und es wurde einem geholfen. Heute gehen die Leute in die Permanence. Wir machen aber immer noch Nachbarschaftshilfe. Ich war lange Hauswart in einer Wohnüberbauung. Die Mütter sind dort immer zu mir gekommen, wenn etwas passiert war, weil sie wussten, bei mir halten die Kinder hin.

Erstellt: 14.06.2019, 13:56 Uhr

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