Gesundheit

Es gibt keine Kopfwehtablette im Klassenlager

Ohne Einwilligung der Eltern dürfen Lehrpersonen in der Schule die Kinder nicht medizinisch behandeln.

Medikamente sind in Schul-Lagern nicht vorgesehen.

Medikamente sind in Schul-Lagern nicht vorgesehen. Bild: Adrian Moser

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Schauplatz Klassenlager: Eine Schulklasse kommt eben zurück von einer Wanderung im prallen Sonnenschein. Ein Kind klagt über Kopfschmerzen. Natürlich hat die Lehrerin eine Lager-Apotheke dabei. Trotzdem darf sie dem Kind in der Regel kein Medikament abgeben.

Rechtliche Verantwortung

Eine gesetzliche Grundlage, die dies verbietet, gibt es nach Auskunft des Volksschulamtes zwar nicht. Und auch in Winterthur fehlen schriftliche Richtlinien zum Thema Medikamente noch. Doch die leitende Schulärztin Sondhja Bitter rät Lehrkräften, Kindern keine Medikamente zu verabreichen. «Die Lehrpersonen begeben sich dabei in eine rechtliche Verantwortung.» Deshalb fänden sich auch in den Lagerapotheken, die der schulärztliche Dienst der Stadt den Lehrpersonen zur Verfügung stelle, keine Medikamente gegen Kopfschmerzen oder zum Fiebersenken. Wenn eine Lehrerin dies möchte, kann sie laut Bitter auf eigene Rechnung Medikamente in ein Lager mitnehmen. Verabreichen dürfe sie diese jedoch nur, wenn sie vorher die Einwilligung der Eltern eingeholt habe.

Umfrage

Auch keine Kopfwehtablette: Ohne Rücksprache mit den Eltern dürfen Lehrpersonen Kindern in der Schule oder während eines Lagers weder Salben noch Tabletten abgeben. Was halten Sie davon.

Richtig so: Das übersteigt die Kompetenz der Lehrer.

 
31.7%

Kleinlich: Man wird ja wohl etwas gegen Kopfeh geben dürfen.

 
53.5%

Solange es kein Schnaps gegen Bauchweh ist.

 
14.9%

101 Stimmen


Lehrkräfte sind nicht nur aus rechtlichen Gründen zur Vorsicht angehalten. Vielmehr sind sie aufgrund ihres Berufsauftrages und ihres Pflichtenheftes auch gar nicht verpflichtet, Kinder medizinisch zu versorgen, nicht zuletzt, weil sie in der Regel keine medizinische Ausbildung haben. Ausnahmen gibt es jedoch (siehe Box).

«Die Lehrpersonen begeben sich in eine rechtliche Verantwortung.»Sondhja Bitter

Anders als in Winterthur existiert in der Stadt Zürich für Lehrkräfte bereits ein Merkblatt zu diesem Thema. Dort heisst es ebenfalls klar: «Keine Medikamentenabgabe ohne Einverständnis der Eltern.»Es dürften auch keine rezeptfreie, homöopathische oder pflanzliche Mittel verabreicht werden. Das Merkblatt sieht aaber auch Spezialfälle vor: Gibt es eine ärztliche Verordnung für ein Medikament und können Kinder dieses, etwa in einem Lager, nicht selber einnehmen, darf es die Lehrperson verabreichen. Das Medikament muss mit einer Etikette versehen sein, die den Namen des Kindes und alle Details zu Dosierung und Zeitpunkt enthält. Laut Schulärztin Sondjha Bitter soll für Winterthur demnächst ebenfalls ein Merkblatt erarbeitet werden, das sich an jenem aus Zürich orientiert.

Nur auf Wunsch der Eltern

Eine nicht repräsentative Umfrage durch die Kreisschulpflegepräsidenten bei den Winterthurer Schulen zeigt, dass Medikamente in der Praxis tatsächlich nur auf ausdrücklichen Wunsch seitens der Eltern abgegeben werden. In Oberwinterthur wird für Lager zudem meist ein Notfallblatt ausgefüllt, welches die Lehrpersonen dann dabei haben. Dort sind laut KSP-Präsident Christoph Baumann (SP) auch allfällige Allergien oder Notfallmedikamente vermerkt. Weiter werden Kontaktnummern verlangt, so dass im Notfall entweder Eltern oder Hausarzt erreicht werden können. Kinder, die Medikamente einnehmen müssten, erinnere man daran. «Die Lehrpersonen achten aber darauf, dass die Kinder die Medikamente selbständig einnehmen.»

Kühlen mit Wasser

Selbst bei Bagatellfällen wie Schürfungen oder Mückenstichen wird nicht einfach ein Medikament gegeben. «Die Lehrer fragen zuhause nach, wie solche Verletzungen in der Regel gehandhabt werden, denn es gibt einige Eltern, die bewusst auf sämtliche Medikamente verzichten wollen. Deren Kinder werden dann höchstens mit kühlendem Wasser behandelt», so Baumann.

Anders präsentiert sich die Lage bei Unfällen. Hier sind die Lehrpersonen verpflichtet, sofort erste Hilfe zu leisten und dann einen Notfallarzt zu rufen.

Erstellt: 01.04.2019, 16:47 Uhr

Umgang mit chronisch kranken Kindern in der Schule

Es kommt immer wieder vor, dass Lehrpersonen chronisch kranke Kinder in ihren Schulklassen haben, etwa mit Diabetes. In einem Merkblatt der Schulgesundheitsdienste der Stadt Zürich heisst es dazu, aufgrund der integrativen Ausrichtung der Volksschule sei es wünschenswert, dass Kinder mit gesundheitlichen Problem in einer Regelklasse zur Schule gehen könnten. Deshalb versuche man in solchen Fällen die Medikamentenabgabe in der Schule möglich zu machen, allerdings nur, wenn dies für die Lehrperson zumutbar sei.

Für Kinder mit einer starken Wespengiftallergie wird empfohlen, eine Begleitperson aus dem Umfeld auf Anlässe wie eine Schulreise mitzunehmen. «Es ist im Interesse des Kindes, dass es nicht von Beginn weg von solch spannenden und bereichernden Schulaktivitäten ausgeschlossen wird», heisst es dazu im Merkblatt.

Für Lehrkräfte stellt sich zudem die Haftungsfrage. Was, wenn einem Kind mit einem Herzfehler in einem Notfall etwas zustösst? Laut dem Merkblatt ist es klar, dass das Schulpersonal in solchen Situationen strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, wenn es sich gewissenhaft verhalten hat. Es ist auch nicht haftbar. (mif)

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