Autoshow Winterthur

«Es gibt vereinzelt Kunden, die keinen Diesel wollen»

Die Turbulenzen in der Autoindustrie machen sich im Verkauf nur bedingt bemerkbar, sagt Daniel Schaller. Der Mitorganisator der Autoshow Winterthur, die heute beginnt, über die Stimmung in der Branche und die Zukunft des Dieselmotors.

Daniel Schaller ist Mitglied des Organisationskomitees der Winterthurer Autoshow.

Daniel Schaller ist Mitglied des Organisationskomitees der Winterthurer Autoshow.

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Zuerst eine nostalgische Frage: Wann haben Sie das letzte Auto mit Dieselmotor verkauft?
Daniel Schaller: Vor ein paar Stunden. Und zwar nicht nur eines, sondern gleich zwei. Es sind Aussendienstfahrzeuge für die Firma NCR.

Merken Sie gar nichts von einer Dieselkrise?
Zumindest ist sie nicht so akut wie im Ausland. So ausgeprägt wie in Deutschland ist der Einbruch bei uns nicht, wobei man auch dort einen Vorbehalt machen muss. Eigentlich ist es kein Einbruch, sondern eine Verlagerung, die stattfindet. Die Leute kaufen einfach andere Antriebsarten.

Schaut man die Immatrikulationen im Januar und Februar an, ist der Dieselmarkt in der Schweiz um 15 Prozent eingebrochen.
Das stimmt. Diese Zahlen sind aber nicht sehr aussagekräftig, da sie die Situation verzögert abbilden. An der Verkaufsfront merken wir, dass Diesel ein Thema ist. Es gibt vereinzelt Kunden, die sagen «ich will keinen Diesel», aber die Situation ist noch nicht dramatisch.

«Für ältere Diesel haben sich neue Märkte aufgetan, im Ostblock, in Afrika und in Osteuropa.» Daniel Schaller, 
Mitglied des Organisationskomitees  

Recht dramatisch ist der Einbruch der Preise bei den Diesel-Occasionen, vor allem Modelle der Abgasnorm Euro5 und älter bleiben stehen.
Es stimmt, dass sich diese Fahrzeuge im direkten Verkauf schlechter absetzen lassen. Wenn wir sie in der Schweiz verkaufen wollen, müssen wir Preiskorrekturen machen. Aber es gibt dafür andere Märkte.

Sie reden vom Export?
Ja. Es haben sich neue Märkte aufgetan im Ostblock, in Afrika und im Nahen Osten. Bisher war es nicht lukrativ, jüngere Occasionen dorthin zu exportieren. Das hat sich einiges gewandelt. Vor ein paar Jahren galt der Diesel noch als heilige – oder besser als die grüne Kuh.

Dieser Status ist weg. Unterdessen wird wegen des Preiszerfalls auch im Leasing über höhere Raten für Diesel-Autos diskutiert. Wäre das für den Diesel der Todesstoss.
Das glaube ich nicht. Wir hatten schon einmal eine ähnliche Situation mit hubraumstarken Motoren, als der Benzinpreis gegen zwei Franken stieg. Und dann erneut, als der Eurokurs einbrach. Damals sind die Restwerte aller Modelle auf einen Schlag gesunken. Wir haben dann mit den Importeuren geredet und Lösungen gefunden. Im Moment ist es schwierig, eine Prognose zu machen. Aber wir müssen die Entwicklung sicher beobachten.

Elektro- und Hybridautos sind im Aufwind. Ist das jetzt einfach die Kehrseite des Dieselskandals oder ein echter Wandel?
Nein, da steckt etwas anderes dahinter. Der Kunde, der sich gegen den Dieselmotor entscheidet, kauft kein Elektromobil, sondern eher einen Benziner. An erster Stelle beim Autokauf steht immer das Mobilitätsbedürfnis. Der Aufschwung bei den Elektromobilen hat mit den Entwicklungsfortschritten zu tun. Mit den grösseren Reichweiten sind die Elektromobile salonfähig geworden.

Mit Erdgas fährt dagegen weiterhin fast niemand. Dabei führen Erdgas-Autos die aktuelle Umwelt-Liste erneut an.
Das hat mit der Betankung zu tun. Die Hersteller von Elektro-Fahrzeugen haben sich dieser Herausforderung gestellt. Heute gibt es in der Schweiz über 2000 öffentliche Elektro-Tankstellen. Beim Erdgas ist es ein Bruchteil.

Apropos Bruchteil. In Genf hat der Autosalon dieses Jahr klar weniger Besucher angezogen. Pessimisten haben schon das Ende der Automessen ausgerufen. Stimmen Sie mit ein?
Dass es mehr Platz hatte, ist mir in Genf auch aufgefallen. Aber es ist ein Jammern auf hohem Niveau. Ich behaupte nach wie vor, Genf ist die wichtigste Messe in Europa.

Eine Erklärung für das rückläufige Interesse ist die Digitalisierung. Kommt der Moment, in dem wir einen Neuwagen vom heimischen Sofa aus bestellen, die 3D-Brille auf der Nase?
Davor habe ich keine Angst. Das Auto ist eine emotionale Sache. Wenn ich an die Gesichter der Kinder denke, die mit ihren Vätern und Paten in Genf waren, um einmal in einem Supersportwagen zu sitzen, dann muss ich sagen, das kann man mit keinem Bildschirm ersetzen. Und ich bin mir auch sicher, dass bei aller digitalen Aufrüstung der Autokauf weiterhin im Showroom passiert.

(Der Landbote)

Erstellt: 23.03.2018, 12:55 Uhr

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