Siegerinterview

«Es ist alles sehr schnell gegangen»

Vor drei Monaten war er noch nicht einmal aktiv in der Politik, gestern wurde Kaspar Bopp für die SP in den Stadtrat gewählt. Der 40-Jährige über seine Wahl, seine Ziele im Stadtrat und seinen Führungsstil.

Hat eine politische Blitzkarriere gemacht: Der frisch gewählte SP-Stadtrat Kaspar Bopp. Foto: Enzo Lopardo

Hat eine politische Blitzkarriere gemacht: Der frisch gewählte SP-Stadtrat Kaspar Bopp. Foto: Enzo Lopardo

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Wie fühlen Sie sich nach Ihrem Wahlsieg vom Sonntag?
Kaspar Bopp: Ich freue mich wahnsinnig. Gleichzeitig ist alles noch etwas unfassbar. Zwischen dem Moment, als ich mich entschied, an der Wahl teilzunehmen, bis zur Bestätigung, dass ich gewonnen habe, sind nur zwei Monate vergangen. Es ist also alles sehr schnell passiert.

Ein Sitzverlust nach dem Rücktritt von Yvonne Beutler mitten in der Legislatur wäre für die SP ein Fiasko gewesen. Haben Sie um die Wahl gezittert?
Wir haben gedacht, dass es eng werden könnte, so gesehen war es tatsächlich eine Zitterpartie.

Am Ende war das Resultat aber deutlich, Sie haben über 2500 Stimmen Vorsprung.
Das Ergebnis freut mich natürlich.

«Die Wählerinnen und Wähler haben gesehen, dass das grünsoziale Lager die Politik zuletzt deblockiert hat.»

Sie waren der unbekanntere Kandidat. Warum haben Sie die Wahl trotzdem geschafft?
Ich denke, das liegt an den Themen. Es ist mir und meiner Partei gelungen, die Botschaft zu vermitteln, dass wir den Fortschritt in dieser Stadt aktiv angehen müssen. Und die Wählerinnen und Wähler haben gesehen, dass das grünsoziale Lager die Politik zuletzt deblockiert hat. Das waren die Erfolgsfaktoren.

Sie haben immer betont, die linksgrüne Mehrheit zu halten, sei wichtig. Im Wahlkampf hatten Sie und Ihre grünliberale Konkurrentin aber sehr oft identische Positionen.
In der Finanzpolitik unterscheiden wir uns aber deutlich, und das spielt eine Rolle. Das Sparen ist in den letzten Legislaturen zur Identität der Stadt geworden, das können wir uns mit dem aktuellen Wachstum nicht leisten.

Die Wahlbeteiligung war mit knapp 28 Prozent rekordverdächtig tief. Warum?
Ich denke, das hat zwei Gründe. Viele bürgerliche Wähler haben nicht an der Wahl teilgenommen. Und es gab keine Abstimmung, die zusätzlich Leute an die Urne gebracht hätte.

Sie sagen es, die GLP konnte im bürgerlichen Lager nicht mobilisieren. Das heisst, am Ende hat die Grösse der eigenen Basis den Ausschlag gegeben?
Ich möchte den Wahlkampf der GLP nicht analysieren. Was ich sagen kann, ist, dass wir sehr gut mobilisieren konnten. Bei dieser tiefen Stimmbeteiligung sind meine knapp 10000 Stimmen ein sehr gutes Resultat.

Trotzdem: Nur jede und jeder vierte Stimmberechtigte hat an der Wahl teilgenommen. Was sagen Sie dazu?
Das halte ich für bedauerlich. Für die Demokratie ist es wichtig, dass möglichst viele ihr Wahlrecht ausüben. Bei Gesamterneuerungswahlen oder in einer Sachabstimmung wäre das ein sehr schlechtes Resultat. An diesem Sonntag aber ist es darum gegangen, einen linken Sitz mit tendenziell linken Kandidaten zu ersetzen. Da ist es naheliegend, dass vor allem die Leute, die sich mit dieser Seite identifizieren, an die Urne gehen und ihre Meinung sagen.

«Yvonne Beutler und ich hatten in der Vergangenheit immer sehr ähnliche Positionen.»

Würden Sie im Rückblick sagen, die SP hat einen fairen Wahlkampf geführt?
Ja, ich denke, wir haben uns sehr fair verhalten. Ich habe manchmal gehört, der Wahlkampf sei aggressiver gewesen als in den vergangenen Jahren. Das habe ich nicht so wahrgenommen. Ich meine damit den offiziellen Wahlkampf. Auf sozialen Medien und in Leserbriefen gibt es immer Leute, die aus privaten Gründen etwas giftiger schreiben.

Sehen Sie sich als Eins-zu-eins-Ersatz von Yvonne Beutler, die eher im liberalen Flügel politisiert hat?
Yvonne Beutler und ich hatten in der Vergangenheit immer sehr ähnliche Positionen. Aber es gibt auch Unterschiede, die herauszuschälen, ist im Moment aber noch schwierig.

Jetzt sind Sie also gewählt, was für ein Typ Stadtrat werden Sie sein?
Ich bin ein Typ Stadtrat, der das Potenzial der Verwaltung ausschöpfen will. Wir haben viele smarte Leute in der Verwaltung, die haben wir nicht eingestellt, damit wir ihnen sagen, was sie machen sollen, sondern dafür, dass sie uns sagen, was man machen kann.

Wo sehen Sie Ihre Rolle im Stadtrat?
Das hängt von der Departementsverteilung ab. Ich bringe sicher viel Erfahrung aus der Privatwirtschaft mit, Lösungsansätze, die vielleicht aussergewöhnlich sind, aber ich muss erst einmal spüren, wie der Stadtrat unterwegs ist.

«Wichtig ist mir das Thema Mut, dass man etwas wagt, nur dann kann man weiterkommen.»

Sie arbeiten aktuell noch bei der Axa. Was sind das für Ideen, die Sie von dort mitbringen?
Ich kann die Verhältnisse in der Stadtverwaltung noch nicht einschätzen und darum nur sagen, was ich für ein Führungsverständnis mitbringe. Wichtig ist mir das Thema Mut, dass man etwas wagt, nur dann kann man weiterkommen.

Sie ziehen jetzt bald innerhalb des Superblocks um. Man weiss, dass der Stadtpräsident mit wenigen Quadratmetern auskommt. Wie werden Sie sitzen, grosszügiger als bisher?
Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich muss erst einmal die Situation anschauen, und dann kommt es ja auch noch darauf an, was für ein Departement ich bekomme.

Sie haben Ihr Interesse am Finanzdepartement offen deklariert. Wie sicher ist es schon, dass Sie es bekommen?
Das ist noch überhaupt nicht sicher. Ich habe immer gesagt, dass ich durch meine Tätigkeit als Finanzanalyst einschlägiges Know-how mitbringe, aber das bringt in jedem Departement etwas, nicht nur in den Finanzen.

Welches Departement wäre denn Ihr zweitliebstes?
Das kann ich noch nicht sagen.

Erstellt: 07.07.2019, 20:28 Uhr

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