Winterthur

«Es ist nicht irgendein Kirchgemeindehaus»

Die reformierte Kirchgemeinde Stadt hat für das defizitäre Kirchgemeindehaus an der Liebestrasse einen idealen Käufer gefunden. Ob es zum Verkauf kommt, ist dennoch offen, wie Kirchenpflegepräsident Andreas Schraft sagt. Erst brauche es eine Debatte, was das Haus der lokalen Kirche bedeute.

Verkaufen, verpachten, selbst weiterbetreiben? Die reformierte Kirchgemeinde Altstadt hat dank Beiträgen von der Stadt und vom Stadtverband wieder etwas Zeit gewonnen, um zu klären, wie es mit dem defizitären Kirchgemeindehaus an der Liebestrasse weitergeht.

Verkaufen, verpachten, selbst weiterbetreiben? Die reformierte Kirchgemeinde Altstadt hat dank Beiträgen von der Stadt und vom Stadtverband wieder etwas Zeit gewonnen, um zu klären, wie es mit dem defizitären Kirchgemeindehaus an der Liebestrasse weitergeht. Bild: Enzo Lopardo

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Ihre Kirchgemeinde bekommt von der Stadt 70 000 Franken von der Stadt, aber nur für ein Jahr und nicht für zwei, wie gewünscht. Sind das jetzt gute oder schlechte Nachrichten?
Andreas Schraft: Ich würde sagen, das sind gute Nachrichten. Wir haben ja bereits eine Zusage für 70 000 Franken vom Stadtverband. Das Geld wird es uns möglich machen, den Betrieb des Kirchgemeindehauses an der Liebestrasse weiterzuführen und auf eine gute Basis zu stellen.

Das klingt sehr optimistisch. Das Geld reicht doch nur, um bis Ende Jahr das Defizit zu decken.
Natürlich, es wird eine Herausforderung, das Haus langfristig kostendeckend weiterzuführen. Aber wir haben jetzt die nötige Zeit, um Lösungen zu finden. Wir sind schon an verschiedenen Projekten und Ideen dran

.Ist das Kirchgemeindehaus im Moment in Betrieb?
Es ist nicht zu. Aber wir haben zuletzt eine sehr kurze Perspektive gehabt. Es gab schon Anlässe, die stattfanden, aber in reduziertem Mass. Und für die zweite Jahreshälfte oder nächstes Jahr war es nicht möglich, Räume zu buchen.

Vor einem Monat aber hiess es doch, im Herbst werde der Dalai Lama im Kirchgemeindehaus auftreten.
Das stimmt, das ist die Ausnahme, welche die Regel bestätigt. Und wir konnten dafür, wie für anderes auch nur eine provisorische Zusage machen.

Bei dem hott und hüst um das Kirchgemeindehaus sind viele Mieter abgesprungen. Heisst das, 2018 wird noch schlechter abschneiden als die Vorjahre.
Bisher haben wir auch eine Gastronomie betrieben. Diesen Zweig haben wir Ende letztes Jahr eingestellt. So gesehen kann die Jahre nicht vergleichen. Aber es ist klar, wir fangen nicht eins zu eins dort an, wo wir ohne die Unsicherheit der letzten Monate wären.

«Der Kreis derer, die so ein Projekt angehen wollen, ist klein.»

Der Stadtrat hat sich viel Zeit gelassen, hat das auch geschadet?
Wäre er schneller gewesen, wäre es besser gewesen.

Es heisst, eine Stiftung soll am Kauf des Kirchgemeindehauses Interesse haben. Um wen handelt es sich?
Ich will keinen Namen nennen.

Dann nach dem Ausschlussverfahren: Ist es Stefaninis Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte?
Nein, die ist es nicht.

Ist es die Ruth und Robert Heuberger Stiftung?
Die ist es auch nicht. Die Stiftung hat den Sitz nicht in Winterthur, aber in der Region, und sie hat nichts mit der Kirche zu tun.

Sie würde diese Stiftung das Haus denn nutzen wollen?
Die Stiftung sucht ein Projekt, auf das sie ihre Aktivitäten fokussieren kann. Sie würde das Haus in einem ähnlichen Sinne nutzen wie heute. Es würden dort also weiterhin alle möglichen Veranstaltungen stattfinden, auch von der Kirche. Gleichzeitig würde die Stiftung Projekten und Institutionen, die sie heute mit Geld unterstützt, Raum geben.

Sie haben bis im letzten April vergeblich einen Käufer für das denkmalgeschützte Haus gesucht – warum hat sich diese Stiftung erst jetzt gemeldet?
Anders als bei einem Einfamilienhaus ist beim Kirchgemeindehaus in dieser Grösse, das erst noch unter Denkmalschutz steht, natürlich nicht einfach im vornherein klar, wie man es nutzen kann. Und man muss viel Geld investieren, um es zu renovieren – das muss die Stiftung auch. Der Kreis derer, die so ein Projekt angehen wollen, ist klein. Wir haben übrigens auch nie aktiv einen Käufer gesucht, per Inserat oder so. Wir haben nur gesagt: Wenn jemand das Haus kaufen will, sind wir offen. Die Stiftung hat sich dann von sich aus gemeldet.

«Man hat an der Versammlung im letzten Herbst gesehen, wie sehr die Bevölkerung an dem Haus hängt.»

Wie weit sind Ihre Verhandlungen fortgeschritten?
Die stehen noch ganz am Anfang. Wenn wir das Haus verkaufen wollen, dann kann die Kirchgemeinde das nicht allein entscheiden. Auch der Stadtverband wird sich dazu äussern müssen. Es geht darum, zu klären, ob das Kirchgemeindehaus Liebestrasse eine Bedeutung für alle reformierten Kirchgemeinden der Stadt hat. Das Resultat dieser Überlegungen könnte auch sein, das Haus nicht zu verkaufen. Es ist nicht irgendein Kirchgemeindehaus.

Wer entscheidet darüber im Stadtverband, der Vorstand?
Ja. Zuerst aber muss die Kirchgemeindeversammlung der Kirchgemeinde Stadt darüber abstimmen müssen. Nur schon die Kirchgemeindeversammlung davon zu überzeugen, wird eine hohe Hürde sein. Man hat an der Versammlung im letzten Herbst gesehen, wie sehr die Bevölkerung an dem Haus hängt. Das Wichtigste ist darum, dass das Haus auch bei einer neuen Eigentümerschaft öffentlich bleibt.

Hat Ihre Kirchenpflege diese Emotionen der Bevölkerung unterschätzt, als sie im letzten April sagte, wir machen es zu.
Nein, das war uns bewusst.

Dann war es eine Provokation, um die Diskussion anzustossen?
Nein, wir mussten einfach handeln, weil wir grosse Defizite hatten und Schwankungen, die nicht tolerierbar sind im Budget einer Kirchgemeinde. Unsere Meinung war, dass eine Schliessung das Beste sei, was wir machen konnten. Als wir nach Möglichkeiten suchten, es doch offen zu halten, haben wir das Loch in der Rechnung beziffert. Jetzt haben wir das Geld dafür, der Betrieb wird trotzdem eine Herausforderung für uns – und dann allenfalls auch für die Stiftung.

Mit der Stiftung hätten Sie eigentlich den Fünfer und das Weggli – das Risiko wäre weg, die Zugänglichkeit gewahrt.
Ich bin überzeugt, dass das für uns gut wäre. Und auch für das Haus, das dann einen Eigentümer hätte, der sich voll auf die Nutzung konzentriert.

Wie geht es jetzt weiter. Versuchen Sie, die Vermietung zu intensivieren dieses Jahr?
Ja. Ab sofort kann man wieder anfragen und buchen, wir sind froh um alle, die kommen, das Haus soll belebt sein.

(Der Landbote)

Erstellt: 20.04.2018, 17:07 Uhr

Andreas Schraft ist Kirchenpflegepräsident der Kirchgemeinde Winterthur. (Bild: pd)

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