Sessionsinterview

«Es war schwer, als mein Töchterlein sagte: ‹Olympia weg, Papi traurig?›»

Jürg Stahl (SVP) aus Brütten hat nach dem Aus für die Olympiakandidatur neuen Mut gefasst. Nun überdenkt er sogar seinen Rücktritt aus dem Nationalrat.

Jürg Stahl, gefühlt seit einer Ewigkeit im Nationalrat.

Jürg Stahl, gefühlt seit einer Ewigkeit im Nationalrat. Bild: Beat Mathys

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Herr Stahl, am 10. Juni platzte die Sion-Olympiakandidatur. Wie haben Sie das als Präsident von Swiss Olympic eigentlich verarbeitet?
Jürg Stahl: Es brauchte eine gewisse Zeit. Das Nein des Stimmvolkes, das es selbstverständlich zu akzeptieren galt, war eine Niederlage. Es hat mich durchgeschüttelt an diesem Tag. Es war schwer, auch als mein zweieinhalb Jahre altes Töchterlein am Abend zu mir sagte: «Olympia weg, Papi traurig?»

Die Olympiade wäre auch für Sie ein Vermächtnis gewesen, nach Jahrzehnten in der Bundes­politik und im Sport-Lobbying. Was bleibt nun?
Die Motivation für die Sportpolitik war bei mir schnell zurück, ich wurde auch durch hervorragende sportliche Leistungen von Schweizer Athleten in diesem Sommer motiviert. Als Präsident des Olympischen Komitees bin ich bereits wieder voll mit Tokio 2020 und Peking 2022 beschäftigt, nehme an Sondierungsreisen teil und plane auch bei den Jugendspielen in Lausanne 2020 mit.

Zum «Macho-Mail» über Natalie Rickli: «Mehr als ungeschickt, ein Totalschaden.»Jürg Stahl, 
Nationalrat

Ein ganz anderes Thema: Sie wurden über den Sommer als möglicher Zürcher Regierungsratskandidat gehandelt,meinten Sie das eigentlichirgendwann wirklich ernst?
Nein, zu keiner Zeit. Ich erhielt zwei Journalistenanfragen, ob ich «Lust» auf dieses Amt habe. Diese Formulierung, die das Amt auch abwertet, war mir zu blöd, deshalb habe ich keine ernste, präzise Antwort gegeben. Und schon wurde ich als Kandidat gehandelt.

Sie hätten das Missverständnis ja aufklären können?
Ich finde, man sollte ohnehin die offiziellen Beschlüsse der Partei abwarten, bevor man im Detail über eigene Ambitionen spricht.

Nun trat Ihr Kollege Christian Lucek erfolglos gegen Natalie Rickli an, was hielten Sie von seinem «Macho-Mail»?
Mehr als ungeschickt, ein Totalschaden. Wobei Natalie Rickli auch sonst gewonnen hätte. Sie ist einfach ein Talent und ich freue mich sehr für sie, wir haben einen Teil des politischen Weges zusammen begangen, und seit meiner Rückkehr vom Präsidium sind wir Sitznachbarn.

Nun winkt also für Sie erneut kein Exekutivamt, geht die politische Karriere von Jürg Stahl nun also wie angekündigt in einem Jahr zu Ende?
Nicht unbedingt, da laufen noch Gespräche in der Partei.

Aber Sie wären dann 20 Jahre im Nationalrat, ist nicht irgendwann genug?
Die politische Halbwertszeit ist sicher überschritten. (lacht) Aber eine erneute Kandidatur liegt im Bereich des Möglichen, und dann gibt es ja da auch noch den Ständerat.

Sie wollen jetzt sicher nicht, dass ich Sie frage, ob Sie aufdieses Amt Lust hätten?
Nein, und ich will auch wirklich abwarten, zu welcher Strategie sich die Partei entscheidet. Das wird Ende Jahr alles klar sein.

Aktuell verbringen Sie die Tage in Bern, wie erlebten Sie den Start der Herbstsession?
Ich habe erstmals nach dem Ende meines Präsidialjahres wieder vor dem Plenum gesprochen, ein gutes Gefühl. Zudem wurde die Magglinger Konvention gegen die Manipulation von Sportwettbewerben breit angenommen, ein sehr positiver Moment.

Unzufrieden sind Sie natürlich mit der Debatte um den AHV-Steuer-Deal, gegen den sich die SVP stellt.
Ja, aber auch gespalten. Ich sehe auch die Zürcher Optik, etwa wie sich Ernst Stocker für die Vorlage einsetzt. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Als Nationalrat können Sie zwei Personen Zutrittsberechtigung ins Bundeshaus verschaffen. Neben dem Swiss-Olympic-Direktor ist das aktuell immer noch Alex Miescher, obwohl der seit August gar nicht mehrSekretär des Fussballverbandes ist. Wann passen Sie dies an?
Ich habe bei der Neuvergabe keine Eile. Ich überlege mir derzeit noch, wer nachrücken soll.

Erstellt: 18.09.2018, 18:13 Uhr

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