KSW

Falscher HIV-Test verunsichert KSW-Patienten

Seit der Fall eines falsch negativen HIV-Tests am Kantonsspital Winterthur entdeckt wurde, sorgen sich auch andere Patienten um sich und ihre Partner. Von Urs Karrer, Chefarzt Infektiologie, fühlen sie sich mit ihren Ängsten alleingelassen.

Sehr selten, aber fatal: Ein falsch negativer Test.

Sehr selten, aber fatal: Ein falsch negativer Test. Bild: Getty Images

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Wer eine Therapie macht und seine Medikamente regelmässig nimmt, kann heute trotz positivem HIV-Test ungeschützten Geschlechtsverkehr haben. Seit die Eidgenössische Kommission für Aidsfragen vor elf Jahren ihre als «Swiss Statement» bekannt gewordene Mitteilung veröffentlichte, gilt die Regel: Finden sich keine Viren im Blut, ist man nicht ansteckend.

Für ein Paar aus dem Raum Winterthur ging die Gleichung «nicht nachweisbar gleich nicht übertragbar» aber nicht auf. Anfang September machte «20 Minuten» den Fall von Regina H., die seit 1992 mit dem HI-Virus infiziert ist, publik. Als sie im Frühjahr 2018 im Kantonsspital Winterthur (KSW) die Virenmenge in ihrem Blut testen liess, fiel das Resultat fälschlicherweise negativ aus.

«Das KSW hat dabei medizinisch korrekt gehandelt, darüber gibt es keinen Zweifel»Michael Baumann, Sprecher KSW

Das Paar wiegte sich in Sicherheit und verzichtete auf ein Kondom, worauf sich der Ehemann gemäss H. im Mai 2018 mit dem Virus angesteckt haben soll. Kurz darauf, bei einem späteren Kontrolltest am Universitätsspital Zürich, fiel das Resultat dann positiv aus: Im Blut von Regina H. fanden sich 2400 Viren pro Milliliter. In Winterthur blieb es bei diesem einen Fall: «Das KSW hat dabei medizinisch korrekt gehandelt, darüber gibt es keinen Zweifel», sagt Sprecher Michael Baumann mit Verweis auf die Bestätigung der zuständigen Behörden.

Angepasste Empfehlungen

Das Nationale Referenzzentrum für Retroviren (NZR) erfuhr im Oktober 2018 über Umwege vom falsch negativen Testresultat. Gegenüber der «NZZ am Sonntag» erklärt es das Versagen des «GeneXpert»-Tests damit, das der Test nur eine einzige Stelle im Erbgut des Virus untersucht. Im Fall von Regina H. fehlte diese Stelle, wodurch das Virus gewissermassen unsichtbar wurde. So erkannte der Test nicht, dass die Virusmenge – ausgelöst durch die Resistenz gegen eines von drei Medikamenten – angestiegen war.

Zunächst ging das NZR von einem Einzelfall aus. Als im Mai dieses Jahres in Deutschland fünf weitere Fälle publik wurden, passte es die Empfehlungen an. Das KSW setzt den Test weiterhin ein, passte aber seine Diagnostik an: «Wir haben beschlossen, den hier beschriebenen Test nur noch dann einzusetzen, wenn wir anhand Ihrer Vorwerte mit letzter Sicherheit wissen, dass damit die Virusmenge in Ihrem Blut korrekt gemessen wird. Bei allen anderen Patienten werden wir das Blut vorerst in ein externes Labor senden, welches mit einem anderen Testsystem arbeitet», schreibt das KSW in einem Brief an die Patienten, der von Urs Karrer, Chefarzt Infektiologie, und Vineeta Bansal, Leitende Ärztin, unterzeichnet wurde und der dem «Landboten» vorliegt.

Verunsicherte Patienten

Der Brief kommt nicht bei allen gut an. «Obwohl wir schon früh vom betroffenen Ehepaar erfahren haben, hat sich Chefarzt Dr. Urs Karrer bisher geweigert, uns Patienten zu informieren», schreibt einer der Patienten, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Ausserdem habe Karrer den falschen Test bis vor kurzem bestritten und die Sorge der Patienten als «Gerüchte» und «Fake News» abgetan: «Dr. Karrer und sein Ärzteteam verweigerten uns Patienten jegliche Auskunft und reagierten auf unsere Ängste mit aggressivem rechthaberischem Verhalten.» Er befürchtet nun, jemanden angesteckt zu haben.

Auch die Partnerin eines weiteren Patienten hat Angst davor, angesteckt worden zu sein. Sie habe sich nun testen lassen, es daure aber zwölf Wochen, bis das Resultat komme. Ihre Schilderungen decken sich weitgehend mit jenen des ersten Patienten. Beide empfinden das im Brief formulierte Angebot, Fragen zu beantworten, als Hohn. Das KSW nimmt mit Verweis auf das Patientengeheimnis keine Stellung zur Kommunikation mit einzelnen Patienten.

Erstellt: 16.09.2019, 21:20 Uhr

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