Verkehr

Flaniermeile oder nur «schöne Bilder»?

Das Parlament will eine Stadthausstrasse ohne Autos – und dies möglichst rasch. Der Stadtrat und die FDP wollten etwas Tempo rausnehmen, scheiterten aber.

Wie sähe eine verkehrsberuhigte Stadthausstrasse aus? Wie eine Flaniermeile? Wie eine Bus- und Veloautobahn ohne Autos?

Wie sähe eine verkehrsberuhigte Stadthausstrasse aus? Wie eine Flaniermeile? Wie eine Bus- und Veloautobahn ohne Autos? Bild: Enzo Lopardo

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Gestützt auf ihren Rollator schiebt sich eine ältere Dame langsam über die Stadthausstrasse, schaut links, schaut rechts, der anrollende Kombi bremst rücksichtsvoll ab, die Frau lächelt dankbar und kommt schliesslich heil im Stadtpark an: Alltag auf der Stadthausstrasse, wo sich Fussgänger und Autos immer wieder in den Weg kommen. Sie zieht eine Schneise zwischen Altstadt und Park, das scheint unbestritten. Das Mitte-links-Lager fordert schon länger, die Achse aufzuwerten und autofrei zu machen: Busse, Taxis und Zubringerfahrten blieben bei Tempo 30 erlaubt.

Beim damals bürgerlichen Stadtrat lief man jedoch auf. Noch Ende 2017 hatte dieser klargemacht, dass die Aufwertung der Technikum- und der Zürcherstrasse (im Bereich des Zentrums Töss) sowie die Busbeschleunigung Priorität hätten, allesamt aufwendige und zeitintensive Projekte. Zöge man nun Ressourcen für ein Verkehrsberuhigungskonzept für die Stadthausstrasse ab, drohe man, die anderen Projekte auszubremsen.

«Wir müssen unser Entwicklungspotenzial in Winterthur effektiv nutzen.»Silvia Gygax, Grünliberale

Für eine autofreie Stadthausstrasse gebe es keinen Zeitdruck. Der Stadtrat räumte in seiner damaligen Interpellationsantwort allerdings auch ein, dass die Strasse streckenweise «klar übernutzt» und eine Sperrung für Autos angesichts der gezählten 280 Fahrten zur Stosszeit nicht unrealistisch sei.

Blick auf die Stadt mit See

Die Fraktionen von SP, GLP, Grünen und AL doppelten nun mit zwei Vorstössen nach. Sie forderten den Stadtrat auf, dem Parlament einen Vorschlag für eine verkehrsberuhigte Stadthausstrasse zu machen (Motion) und in einem Konzept zu zeigen, wie eine solche «autofreie» Strasse schliesslich aufgewertet werden könne (Postulat). «Das Volk hat dies schon zweimal beschlossen, 1973 und 1985», rief Silvia Gygax (GLP) in Erinnerung. Der heutige Durchgangsverkehr bringe auch dem lokalen Gewerbe «null Mehrwert», im Gegenteil. Als Beispiel dafür führte sie das Zürcher Limmatquai an, seit 2004 verkehrsberuhigt.

Auch Christoph Baumann (SP) zeigte nach Zürich, mit einer ­Visualisierung zum Hochschulquartier. So könne man sich auch die Stadthausstrasse als Flaniermeile vorstellen. Rhetorisch fragte er in die Runde: «Wer, glauben Sie, würde beim Graben oder beim Neumarkt heute noch zurück zum alten Regime wollen?» Diesmal lag ein Schwarzweissfoto des zuparkierten Grabens auf.

«Schöne Bilder, mehr nicht»

Zeno Dähler (EDU) beeindruckte er damit nicht. Aufenthaltsqualität sei Ansichtssache: «Bei 30 Grad bin ich lieber im klimatisierten Auto auf der Stadthausstrasse unterwegs.» Daniel Oswald (SVP) hielt Baumanns «schöne Flanierbilder» für romantisierende Augenwischerei. Busse führen nach wie vor eng getaktet und Velofahrer en masse. Komplett auto- und und busfrei wiederum müsste die Stadt die Museums- und St.-Georgen-Strasse vergrössern und entsprechend «das Portemonnaie aufmachen».

«Wie gross die Aufenthaltsqualität der Stadthausstrasse sein könnte, wissen wir noch gar nicht.»Romana Heuberger, FDP

Eine Mitteposition nahm die FDP ein, die (vorerst) lediglich die Ausarbeitung eines Konzepts zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität der Stadthausstrasse unterstützte und das Vorstosspaket splitten wollte. «Bislang kennen wir das tatsächliche Entwicklungspotenzial noch gar nicht», wandte Romana Heuberger ein. Diese Haltung teilte auch der Stadtrat – doch beide Vorstösse kamen klar durch. (Landbote)

Erstellt: 03.07.2018, 08:27 Uhr

Straffer organisiert

Aus zwei Dienststellen wird eine

Die Verkehrsplanung und die Verkehrssteuerung sind heute in zwei verschiedenen Departementen angesiedelt. Erstere beim Bau, Letztere beim Departement Sicherheit und Umwelt. Dies führe zu unnötigem administrativem Mehraufwand und erschwere eine «moderne, koordinierte Gesamtschau» auf den städtischen Verkehr, kritisierten gestern 35 Gemeinderäte von Mitte-links. Unter anderem mit der Buspriorisierung stünden nun jedoch wichtige Verkehrsprojekte an, höchste Zeit also, die Prozesse zu beschleunigen. Die Analyse dafür laufe, versicherte Baustadträtin Christa Meier (SP). Die Dienststellen würden wohl per Anfang 2019 beim Baudepartement zusammengelegt. Das Postulat wurde dennoch überwiesen. (hit)

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