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Frauennetzwerke im Wandel

Einst waren Frauen in den traditionellen Service-Clubs ausgeschlossen. Inzwischen sind Rotary und Co. auch offen für sie. Die junge Frauengeneration sucht aber auch neue Formen der Vernetzung, die mehr auf ihre Lebenssituation abgestimmt sind.

Ein Ort, wo sich nur Frauen vernetzen können: Der «Female Entrepreneur Event» in Winterthur.
Ein Ort, wo sich nur Frauen vernetzen können: Der «Female Entrepreneur Event» in Winterthur.
PD

Nächstes Jahr wird das Frauennetzwerk «Soroptimist International» 100 Jahre alt. Der Service Club, der sich der Bildung und Stärkung von Frauen und Mädchen verschrieben hat, hat seit der Gründung 1921 in Oakland, Kalifornien, 3000 weitere Clubs in 125 Ländern mit insgesamt 90'000 Mitgliedern etabliert.

Seit 1971 gibt es ihn auch in Winterthur, und auch er darf im kommenden Jahr feiern: den 50. Geburtstag. Die rund 30 Mitglieder setzen sich ganz nach der internationalen Direktive für Bildung, Gleichstellung und Gesundheit von Frauen und Mädchen ein, sammeln Geld oder beteiligen sich aktiv, zum Beispiel im Meitlitreff Gutschick.

Exklusive Mitgliedschaft

Im November liessen sie die Stadtkirche in oranges Licht eintauchen, um die Passantinnen und Passanten an den internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen zu erinnern. Das Logo von Soroptimist zieren Lorbeer und Eichenlaub, drapiert um eine Frau mit erhobenen Armen, das Emblem soll Stärke und Erfolg symbolisieren. So, wie es die männliche Erfolgs-Symbolik vormacht.

Auch die Organisationsstruktur des Service-Clubs ähnelt der patriarchalen Vorlage: Aufgenommen wird nur, wer von zwei Patinnen dazu eingeladen wird, es wird auf eine ausgewogene Zusammensetzung der Berufe geachtet, wie Präsidentin Angela Epp erklärt. Wer dabei ist und seinen Jahresbeitrag - laut Epp «in der Höhe einer Tennisclub-Mitgliedschaft» - bezahlt, verpflichtet sich nicht nur, den elf Club-Veranstaltungen pro Jahr beizuwohnen, sondern auch, weitere Aufgaben für den Club übernehmen.

Soroptimist International: Das exklusive Netzwerk für Frauen. Bild: PD
Soroptimist International: Das exklusive Netzwerk für Frauen. Bild: PD

Obwohl der Service-Club mehrheitlich aus berufstätigen Frauen zusammengesetzt ist, steht laut der Präsidentin nicht die Förderung der eigenen Karriere im Vordergrund, sondern die Gemeinschaft und die Absicht «Gutes zu tun». Selbstverständlich könnten aber die guten Beziehungen nicht schaden, sagt sie. Im Rotary Club gilt die Vitamin B-Zufuhr für viele Mitglieder als zentrales Argument für den Beitritt – wenn auch inoffiziell.

Mehr als der Service-Gedanke steht bei den Business and Professional Women (BPW) das berufliche Netzwerk im Zentrum. Auch hier gleichen die Strukturen aber jenen der Männerclubs: Teilnahmepflicht, ein Mitgliederbeitrag sowie die Empfehlung eines Mitglieds für Beitrittswillige. Gespeist wird an den Club-Abenden im Club zur Geduld, dem einst traditionell Männern vorbehaltenen Nobel-Treffpunkt. Der Altersdurchschnitt der Frauen ist um die 50.

Strukturen wenig attraktiv

Janine Brühwiler ist überzeugt: «Diese veralteten Strukturen sind für junge Berufsfrauen wenig attraktiv, insbesondere, wenn sie Kinder haben». Brühwiler ist Vorstandsmitglied des Entrepreneur Club Winterthur und lancierte im Juni 2019 den ersten «Female Entrepreneur Event». Der zweite ist bereits angekündigt, weil das Echo sehr gut war. «Über 60 Frauen sind gekommen, und wir erwarten an der Zweitausgabe mindestens ebenso viele.»

Die Veranstaltung soll allen Frauen offen stehen, die sich beruflich vernetzen und sich von ihren weiblichen Vorbildern bestärken lassen wollen. «Der Anlass ist kostenlos, und die Teilnahme verpflichtet zu nichts». Männer seien auch willkommen, sagt Brühwiler, doch Frauen getrauten sich, mehr Fragen zu stellen, nähmen sich weniger zurück als an gemischtgeschlechtlichen Anlässen.

«Neue Führungsformen erleichtern es Frauen, sich in Netzwerken zu engagieren»

Bea Linder, Präsidentin Business and Professional Women Winterthur

Bea Linder, Präsidentin des BPW hat erkannt, dass sich ihre Organisation öffnen muss, um jüngere Mitglieder zu gewinnen. Seit vier Jahren führt sie den Club, probiert neue Formate aus, baut das Netzwerk auch im Social Media-Bereich aus und will die Statuten ändern, so dass der 54 Mitglieder zählende Club durch ein Co-Präsidium geführt werden kann. «Das ist eine Führungsform, die Frauen entgegenkommt, damit sie diese wichtige, aber ehrenamtliche Arbeit überhaupt leisten können.»

Dank des Business-Speed-Datings des BPW können Frauen in kurzer Zeit wichtige professionelle Kontakte schliessen Bild: PD
Dank des Business-Speed-Datings des BPW können Frauen in kurzer Zeit wichtige professionelle Kontakte schliessen Bild: PD

Auch am Female Entrepreneur Event hat Linder massgeblich mitgewirkt und hofft, das heute etwas «uncoole» Image des BPW abstreifen und die jungen Frauen von den langfristigen Vorteilen einer Mitgliedschaft überzeugen zu können. Und sie legt ihre persönliche Erfahrung in die Waagschale: «Eine Mitgliedschaft zahlt sich langfristig aus, meine berufliche Entwicklung ist nicht zuletzt auch dank des Frauennetzes geprägt.»

«In einem Club mit Frauen benehmen sich Männer automatisch wie Gockel.» Das hat nicht Lya Kübler, Präsidentin der Freimaurerinnen-Loge Winterthur, gesagt, sondern ein Bekannter. von ihr. Und wahrscheinlich stimme es, dass sich die Geschlechter anders verhalten, wenn sie unter sich sind, ergänzt Kübler.

Die Frauen-Loge ist ein still operierendes Netzwerk ohne feministische Ziele. «Wir arbeiten an uns selbst, wollen spirituelle Erfahrungen machen und die Gemeinschaft pflegen», sagt Kübler, die selbst als Treuhänderin ihr eigenes Geschäft führt. Die Loge sei nicht politisch aktiv, nicht wirtschaftsorientiert, und darum wohl kein typisches Frauennetzwerk. «Als Frauengruppe können wir ganz uns selbst sein», erklärt sie die Tatsache, dass sie sich nicht einer gemischten Loge angeschlossen hat. Obwohl die Freimaurerinnen einer äusserst traditionellen Vorgabe folgten, nämlich jener der in England im Jahr 1717 gegründeten Gross-Loge, kämpft die kleine Frauen-Loge im Gegensatz zu genannten traditionellen Frauennetzwerken laut Kübler zurzeit nicht mit Nachwuchsproblemen. Mit lediglich 20 Mitgliedern habe sie eine gute Grösse erreicht.

Namenloses Netzwerk für junge Frauen

Aus einem Kreis im Winterthurer Stadtleben engagierter Winterthurerinnen ist jüngst ein weiteres Netzwerk entstanden. Im Vordergrund steht der persönliche Austausch unter Frauen mit spannenden Tätigkeiten in den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Politik und Bildung, wie Mitinitiantin Desirée Schiess sagt. Die mehrheitlich jungen Frauen treffen sich in lockerer Atmosphäre und ohne Teilnahmezwang an kulturellen Happenings, sagt sie. Schiess kennt verschiedene Vernetzungsformen. So ist die Präsidentin des lokales KMU-Verbandes auch Mitglied im Rotary Club.

Die Treffen werden unregelmässig und abwechselnd von verschiedenen Frauen aus dem Netzwerk organisiert, eine Kollekte deckt die Unkosten. Einen Namen hat das lose Netzwerk bisher nicht. Und so soll es auch bleiben, sagt Schiess. Das Ziel aber scheint klar: «Wir laden ein paar Frauen ein, die wiederum Kolleginnen aus ihrem Umfeld mitnehmen dürfen, so entsteht ein Netz, ein Know-how, an welchem engagierte Frauen in Winterthur teilhaben sollen».

Jubiläum ganz traditionell

Auch die etablierten Service-Clubs und Netzwerke denken über eine Lockerung ihrer Strukturen nach, lässt Soroptimist-Präsidentin Angela Epp durchblicken. Doch so einfach scheint das nicht, gerade bei Clubs, die unter einem nationalen oder internationalen Dach organisiert sind. Und so wird das 100-Jahr-Jubiläum von Soroptimist International respektive 50 Jahre Sektion Winterthur wohl noch ganz traditionell über die Bühne gehen. Soviel sei schon verraten: Es gibt eine Benefizveranstaltung zugunsten eines neuen regionalen Projektes.

www.soroptimist-winterthur.chwww.bpw-winterthur.chwww.frauen-freimaurerei.ch

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