Winterthur

Fritschi sieht Sirma nicht als gescheitert

Die Sonderschulkosten stiegen in den letzten Jahren stark. Das Projekt Sirma, das die Kosten hätte bremsen sollen, hat laut Evaulation nicht funktioniert. Stefan Fritschi (FDP), der Sirma 2013 als Schulvorsteher initiert hatte, sieht vor allem die Schulkreise in der Verantwortung.

Ziel von Sirma war es, möglichst viele Schüler in den Regelklassen zu  integrieren. Gesunken sind die Kosten deswegen aber nicht.

Ziel von Sirma war es, möglichst viele Schüler in den Regelklassen zu integrieren. Gesunken sind die Kosten deswegen aber nicht. Bild: Marc Dahinden

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Sie haben Sirma lanciert. Wann erkannten Sie, dass das Projekt nicht den gewünschten Erfolg bringt?
Stefan Fritschi: Ende 2015, als die Zahlen schlechter waren als geplant.

Und beunruhigten Sie die Zahlen?
Ja sehr. Wir liessen bereits Ende 2015 ein Controlling entwickeln, um Transparenz zu schaffen und um die Steuerung zu unterstützen. Zudem haben wir im Sommer 2016 die Evaluation bei der ZHAW in Auftrag gegeben.

Hätten Sie nicht früher reagieren müssen?
Es war uns klar, dass mit der Evaluation auch konkrete Änderungen folgen mussten. Die Sonderpädagogik lässt aber nicht einfach ein Hüst und Hott zu. Es braucht Sicherheit, um das System zu optimieren.

«Die Sonderpädagogik lässt nicht einfach ein Hüst und Hott zu.»

Der Evaluationsbericht geht mit dem Schuldepartement hart ins Gericht. Ein Vorwurf lautet, man habe das Projekt nicht begleitet.
Es mag sein, dass die Gruppe, die Sirma begleiten sollte, zu wenig aktiv war. Aber grundsätzlich waren die Schulkreise in der Verantwortung. Das Departement Schule und Sport hat die konkreten Zuweisungsprozesse im Auftrag der Kreise unterstützt und vierteljährlich Zahlen geliefert.

Weiter ist im Bericht zu lesen, dass der Schulpsychologische Dienst desolat geführt war, was die Sache auch nicht verbesserte. Wo lag das Problem?
Wir konnten die Leitung des Schulpsychologischen Dienstes (SPD) erst auf Beginn 2016 wieder besetzen. Zudem stiegen die Anmeldezahlen stark an. So musste der SPD Fälle abarbeiten statt sich der Kernaufgabe zu konzentrieren, der Feststellung von besonderem Förderbedarf, Beratung und Unterstützung.

Die Evaluatoren fanden auch, der Mechanismus von Sirma habe gar nicht funktionieren können. Fiel Ihnen das nicht auf?
Tatsache ist, dass noch keine Gemeinde ein Rezept gegen die steigenden Sonderschulkosten gefunden hat. Alle kämpfen damit. Wir haben wenigstens den Versuch unternommen, die Kosten zu begrenzen. Wenn man etwas wagt, muss man auch hinnehmen, dass es Anpassungen braucht. Es ist ja auch nicht sicher, ob das neue Projekt Wega funktionieren wird.

«Tatsache ist, dass noch keine Gemeinde ein Rezept gegen die steigenden Kosten gefunden hat. Wir haben wenigstens den Versuch unternommen.»

Sirma braucht keine Anpassungen. Es ist gescheitert. Nicht einmal mehr der Name bleibt.
Ich finde nicht, dass Sirma gescheitert ist. Wir haben das Ziel verfehlt und eine Korrektur ist nötig. Aber gescheitert sind wir nicht. Der Bericht stellt ja auch fest, dass in der Schule in Winterthur grundsätzlich viele Beteiligte hinter der Integration stehen. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, die auch dank Sirma erreicht wurde. Ich sehe Sirma als Zwischenschritt. Man wollte die Steuerung der Sonderpädagogik zudem näher an die Schulen bringen und stärkte die Schulkreise. Nun geht man einen Schritt weiter und will die Schulen stärker involvieren. Wega ist eine Weiterentwicklung von Sirma auf Basis der Erkenntnisse aus der Evaluation. Ziel bleibt nach wie vor eine Reduktion der Sonderschulquote.

Sirma konnte die Kosten nicht bremsen, sie stiegen sogar noch weiter an.

Die Kosten wären auch ohne Sirma gestiegen, davon bin ich überzeugt. Vielleicht sogar noch stärker.Weshalb ist der Evaluationsbericht denn so vernichtend?

Ich habe diesen Bericht zusammen mit der Zentralschulpflege in Auftrag gegeben und ich begrüsse es, dass er kritisch ist. Das bringt alle weiter. Persönlich bin ich aber der Meinung, dass solche Berichte nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Es geht in Evaluationen vielmehr darum, den Beteiligten aufzuzeigen, wo sie ansetzen müssen.

Steigende Sonderschulkosten

Die Grafik zeigt: Die Sonderschulkosten sind in den letzten 10 Jahren massiv angestiegen. Einen Knick gab es lediglich 2014, allerdings auch nur, weil sich durch die Einführung von Sirma in diesem Jahr die Sonderschulungs-Zuweisungen verzögerten. Auch die Sonderschulquote stieg seit der Einführung von Sirma weiter an. Sie lag 2013 noch bei 4,5 Prozent, heute bereits bei 5,5 Prozent.

(Der Landbote)

Erstellt: 24.04.2018, 18:21 Uhr

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