Winterthur

Fritz Lambada verlässt den Roten Turm mit neuen Plänen vor Augen

Zu teuer, zu heiss: Der Name Fritz Lambada verschwindet von der lokalen Gastro-Karte – vorerst.

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Das Fritz Lambada im Roten Turm ist Geschichte, drei Jahre nachdem die junge Crew um Sam Frey und Marco Nisoli im 23. Stock dort mit einem neuen Gastrokonzept furios gestartet waren: 3- und 5-Gang-Menüs aus der «neuen nordischen Küche», eine gut sortierte Bar mit Naturweinen und dazu eine Aussicht aus 90 Metern Höhe auf die Geleise und den Eschenberg.

Das gab es so noch nicht in Winterthur. Und doch ging der Plan nicht auf. Gemäss Co-Geschäftsführer Sam Frey vor allem aus drei Gründen. Besonders weh tat das schlechte Sommergeschäft. Die Umsätze brachen ab Juni offenbar bis zur Hälfte ein. Hinter der Glasfassade wurde es empfindlich warm, vor allem aber fehlte eine Terrasse. «Wir haben das zwar berücksichtigt, aber definitiv unterschätzt», sagt Frey.

Zu hohe Kosten

Zweitens: Die Mietkosten waren deutlich zu hoch, aber auch der Aufwand generell. Dazu musste das Fritz mehrmals wegen Umbauarbeiten schliessen. Mehrmals fiel der Lift aus, zuletzt wurde dieser komplett erneuert.

Und lange rechnete das Team damit, dass die Fassade des Roten Turms wegen der Renovationsarbeiten («Der Landbote» berichtete) komplett eingerüstet wird, was weitere Einbussen bedeutet hätte. Nicht zuletzt räumt Frey auch ein, dass sich der manchmal laute Barbetrieb mit dem Fine-Dining mit Panoramablick eher bissen, statt sich zu ergänzen. Manche Gäste fühlten sich gestört.

Unter dem Strich schrieb das Fritz Lambada dann Verlust. «Langfristigwäre die Rechnung wahrscheinlich nicht aufgegangen», meint Frey.

«Auch langfristig wäre die Rechnung wahrscheinlich nicht aufgegangen»

Deutlich besser lief offenbar das Restaurant Rosa Pulver im Zeughaus. Dorthin war die Crew mit ihrem Pop-up-Projekt bis Ende Juli für zwei Monate ausgewichen. Statt Mehrgänger wurden dort Gerichte zum Teilen serviert, statt 35 gab es 50 Sitzplätze, und neben dem Stammpublikum zog das Rosa Pulver offenbar mehr «Ur-Winterthurer» an, sagt Frey. Geerdet, einfach und etwas alternativer, weniger hip und elitär: «Die Hürde, dort vorbeizuschauen, war sicher kleiner», sagt Frey.

Am Abend gab es Sitzplätze im Freien, der Umsatz pro Kopf blieb in etwa gleich, und das Team fühlte sich wohl. Am 6. September eröffnet das Rosa Pulver nach der Sommerpause wieder, vorerst bis Ende Januar 2020. «Uns gefällt es hier. Wenn wir dürfen, dann bleiben wir auch», sagt Frey.

Man kennt sich

Ob es klappt, hängt unter anderem davon ab, wie teuer die Umbauarbeiten werden, um die Auflagen eines Gastrobetriebs zu erfüllen, aber auch davon, ob die Vermieter ihr Konzept anpassen und sich flexibel zeigen. Geplant war ursprünglich, das Lokal als Mehrzweckraum zu vermieten.

Vor allem aber würde sich der geplante Umbau der oberen Etagen um Jahre verzögern, sollte das Rosa Pulver einziehen. Man wäge derzeit ab, was man anbieten könne, heisst es seitens der Basis Winterthur. Der vordere Riegel der Zeughäuser wird seit knapp einem Jahr umgebaut. Die ersten Mieter sind eingezogen, darunter eine Werkstatt für Rennvelos und Soundsysteme, eine Schuhmacherin und die Gin-Brenner von Draft Brothers.

Am anderen Ende des Flügels richten sich die Jazzer der Esse Musicbar ein. «Viele Leute kennen wir schon. Wir können uns gut vorstellen, mit ihnen zusammenzuarbeiten», sagt Sam Frey.

Der Name Fritz Lambada verschwindet also vorerst von der lokalen Gastrokarte. Doch sollte das Rosa Pulver Ende Januardas Zeughaus verlassen müssen, könnte der Name an einem neuen Ort aber wieder aufpoppen.

Die Crew sucht weiterhin nach anderen Standorten – und arbeitet parallel dazu an einem neuen Konzept für das Lokal im Roten Turm, wo sie eingemietet bleiben und neu starten. Entweder als reiner Barbetrieb oder mit einem einfacheren Restaurant, das sich rechnet.

Erstellt: 23.08.2019, 17:49 Uhr

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