Bezirksgericht

Fünf Jahre für Vergewaltiger

Ein gebürtiger Kongolese soll seine Pflegetochter über Jahre hinweg sexuell genötigt und vergewaltigt haben. Vor Bezirksgericht bestritt er die Anschuldigungen vehement und mit manchmal abstrusen Argumenten – vergeblich.

Der Kongolese gab vor Bezirksgericht Winterthur zwar zu, dass er seine Kinder gelegentlich geschlagen habe. Die sexuellen Übergriffe stritt er ab.

Der Kongolese gab vor Bezirksgericht Winterthur zwar zu, dass er seine Kinder gelegentlich geschlagen habe. Die sexuellen Übergriffe stritt er ab. Bild: Marc Dahinden

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Vor 15 Jahren reiste P., damals Mitte Dreissig, mit drei Kindern aus dem Kongo in die Schweiz, um hier sesshaft zu werden. Die Behörden entschieden, die drei Minderjährigen unter seine Obhut zu stellen: den Bub und das jüngere Mädchen, seine leiblichen Kinder, und auch A., die älteste, die einen anderen biologischen Vater hat.Es war für A. ein folgenschwerer Entscheid. Kaum in der Schweiz angekommen, begann P. auf seine älteste Tochter sexuelle Übergriffe. Zehn Jahre alt war sie, als er sie zum ersten Mal an Hals und Gesicht berührte und versuchte, ihr unter den Jupe zu greifen. Alle zwei bis drei Monate wiederholten sich ab dann die Übergriffe, immer nachts, wenn die beiden jüngeren Geschwister schliefen.

Dokumentiert sind die Vorwürfe von A. gegen ihren Pflegevater in einer 13-seitigen Anklageschrift. 2016 hatte sie ihn wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung angezeigt. Am Donnerstag kam es zum Prozess am Winterthurer Bezirksgericht, der – wegen der delikaten Vorwürfe – unter besonderen Auflagen stattfand.

Je älter A. wurde, desto schlimmer wurden die sexuellen Attacken ihres Pflegevaters, der ihr gegenüber auch wiederholt gewalttätig war und sie so sehr einschüchterte, dass sie sich nicht traute, jemandem etwas von den Übergriffen zu erzählen. Mit 16 kam sie eines Abends aus dem Ausgang nach Hause, wo sie P. erwartete. Er warf ihr vor, einen Jungen oral befriedigt zu haben und verlangte, dass sie mit ihm dasselbe tue. Erst als sie ihm weinend sagte, dass sie das nicht tun wolle, liess er von ihr ab. Zur Vergewaltigung kam es schliesslich als A. volljährig war. Ihr Pflegevater schloss sich mit ihr in seinem Zimmer ein und missbrauchte sie innert weniger Stunden drei Mal. Kurz darauf zog A. aus, womit die Misshandlungen ein Ende fanden.

«Alles gelogen»

Der Kongolese gab vor Gericht zu, dass er seine Kinder gelegentlich geschlagen habe. «Wenn, dann weil ich für einen Moment die Kontrolle über mich verloren habe», sagte er vor Gericht. Das war aber auch das einzige Geständnis. Die sexuellen Übergriffe stritt er ab. «Das ist alles gelogen», sagte er und fragte den Richter rhetorisch, wie das alles hätte passieren sollen, ohne dass es die Geschwister, die im selben Raum schliefen, gemerkt hätten.

Was der Mann zu seiner Verteidigung vorbrachte, mutete teilweise abstrus an. So streckte er dem Richter seine grossen Hände entgegen und fragte, auf einen Übergriff Bezug nehmend: «Denken Sie, das Kind hätte überlebt, wenn ich es mit meiner Faust ins Gesicht geschlagen hätte?» P. versuchte auch mit den Gepflogenheiten in seinem Herkunftsland A.s Aussagen in Zweifel zu ziehen, was in Sätze mündete wie: «Wir Afrikaner tragen keine Pijamas» oder «Wir Afrikaner praktizieren keinen Cunilingus».

P. argumentierte auch, A. hätte die Narben auf seinem Oberkörper und seine unterschiedlich grossen Hoden erwähnen müssen, um ihn als Täter zu identifizieren. Je stärker er von den Anschuldigungen A.s in die Ecke gedrängt wurde, desto mehr versuchte er, seine Pflegetochter in ein schlechtes Licht zu rücken. Sie habe ihn mit einem Küchenmesser angegriffen, Cannabis geraucht, gestohlen und schon sehr früh sexuelle Kontakte gehabt. «Das Kind ist sehr intelligent und berechnend. Sie ist wirklich machiavellisch», sagte P.

Fünf Jahre Haft

Der Verteidiger forderte für seinen Mandanten einen Freispruch. «Ihm werden pauschalisiert Straftaten vorgeworfen, ohne dass diese beschrieben und belegt werden.» A. hätte sich als nicht-leibliches Kind P.s vernachlässigt und ungeliebt gefühlt. «Sie war eifersüchtig», sagte der Verteidiger vor Gericht. «Es ging A. vielleicht nicht primär um Rache, sondern darum, von ihren Halbgeschwistern, von der Mutter oder vom langjährigen Freund Aufmerksamkeit zu erhalten.“

Das Gericht folgte dieser Auslegung nicht. Es schätzte die Aussagen der Tochter als glaubwürdiger ein als die des Pflegevaters. Ausserdem hatte A.s Halbschwester ihre Aussagen gestützt, indem sie gewisse äussere Umstände bestätigt hatte, wie etwa Momente, in denen P. mit A. alleine war . Das Bezirksgericht sprach den Kongolesen darum wegen mehrfacher Vergewaltigung, sexueller Nötigung, sexueller Handlung mit Kindern und Freiheitsberaubung schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten. Ausserdem muss er seiner Pflegetochter eine Genugtuung von 15 000 Franken zahlen. P. wollte das Verdikt nicht hinnehmen und legte noch am Donnerstag Berufung ein. (Landbote)

Erstellt: 06.03.2017, 11:33 Uhr

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