Winterthur

Für eine gerechtere Welt, seit 40 Jahren schon

Der pensionierte Lehrer Ueli Schmid engagiert sich seit 40 Jahren für den Claro-Drittweltladen. Damals gehörte er zu den Gründern, bis heute ist er im Verkaufsteam.

Ueli Schmid gehörte vor 40 Jahren zu den Gründern des Claro Weltladens.

Ueli Schmid gehörte vor 40 Jahren zu den Gründern des Claro Weltladens. Bild: Marc Dahinden

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Für eine Schicht pro Monat schreibe er sich jeweils ein, sagt der pensionierte Lehrer Ueli Schmid. Einen Nachmittag lang verkauft er dann Honig und Kaffee, Reis, Teigwaren und vieles mehr im Claro-Weltladen an der Steinberggasse. Rückblende um 42 Jahre: Schmid war dreissig, sie waren eine Gruppe engagierter Menschen, die mit einem umgebauten SBB-Gepäck-Schiebewagen jeden Samstag im Rathausdurchgang Drittweltprodukte verkauften, wie man damals sagte. Kaffee und Honig aus fairer Produktion hatten sie schon im Angebot, dazu die legendären braunen Tragtaschen mit dem Generations-prägenden Aufdruck «Jute statt Plastik» und Korbgehänge aus Bangladesch, wie sie damals in vielen WG-Stuben hingen, mit Pflanzen oder Krimskrams drin. Mit diesen regelmässigen Verkaufsaktionen an Samstagen und am Christkindlimarkt, erzählt Schmid, habe man sich ein finanzielles Polster geschaffen mit dem Ziel vor Augen, einen kleinen Laden zu eröffnen.

Schmids Interesse an der Nord-Süd-Thematik war auf Reisen gewachsen. Es sah vor Ort, wie wenig manche Bauern im Süden dieser Welt verdienten an den Produkten, die bei uns dann in den Regalen liegen. «Die Bananenfrauen in Frauenfeld gehörten zu den ersten hierzulande, die diese Problematik an die Öffentlichkeit trugen und konkrete Arbeit leisteten», erinnert sich Schmid.

Erste Aluminium-Sammelstelle in Winterthur

In Winterthur gründeten er und seine Gruppe Im März 1979 den Verein «Mitenand 1. Welt / 3. Welt», und am 26. Mai 1979 eröffneten sie den ersten Laden an der Neustadtgasse. «Wir verkauften nicht nur fair gehandelte Produkte, sondern in einem Nebenraum gabs auch die erste Ludothek der Stadt, und wir hatten Schulmaterialien für Lehrpersonen im Angebot zum Ausleihen», erzählt Schmid. Und: Der Drittweltladen war auch die erste Aluminium-Sammelstelle, die es in Winterthur gab. «Das war ein grosser Erfolg, ich musste wöchentlich und später sogar halbwöchentlich mit dem Alu zu Maag, um es dort abzuliefern.» 1982, das zeigt die Statistik, resultierte ein Sammelergebnis von 3,3 Tonnen. Das liess sich nicht mehr mit dem Veloanhänger so nebenbei bewältigen. Ab 1984 übernahm deshalb die Stadt mit ersten Sammelstellen und in Zusammenarbeit mit der Firma Maag das Alu-Recycling und baute es sukzessive aus.

«Viele kommen auch vorbei, wenn auf der Steinberggasse Wochenmarkt ist.»Ueli Schmid

Nach einem Abstecher an die Spitalgasse ist der Laden nun seit Herbst 1992 an der Steinberggasse, notabene im Geburtshaus von Jonas Furrer, dem ersten Bundespräsidenten der Schweiz. Ein Trägerverein hatte via Gemeinderat den Stadtrat kontaktiert, ob man dieses ganze Haus mieten könne. Die Stadt stieg darauf ein, seither ist es als Nord-Süd-Haus bekannt und bietet verschiedenen Organisationen ein Zuhause.

Überraschung zum Jubiläum

Das Angebot im Laden ist heute viel breiter als zu Gründerzeiten. Kaffee und Honig, produziert von Kleinbauern in Lateinamerika und Afrika, gibts immer noch, aber auch Produkte von Genossenschaften aus der Schweiz oder aus Italien sind zu haben, Teigwaren, Salben, Kosmetika, ökologische Waschmittel und Kunsthandwerk. Korbgehänge aus Bangladesch gehören nicht mehr dazu, auch Jutetaschen sind keine mehr zu haben. «Die Kundschaft heute ist sehr gemischt, Junge, Alte. Viele kommen auch vorbei, wenn auf der Steinberggasse Wochenmarkt ist», sagt Ueli Schmid. Die eine Schicht monatlich leiste er gern als Freiwilligenarbeit, «doch ich war immer der Meinung, man müsse hier auch etwas verdienen können». Derzeit sind eine 60- und eine 20-Prozent-Stelle bezahlt. «Es freut mich sehr, dass sich der Laden 40 Jahre lang gehalten hat. Schön, dass das in der heutigen Zeit noch möglich ist», sagt Ueli Schmid. Zum Jubiläum am Freitag und Samstag, 17. und 18. Mai, wartet eine kleine Überraschung auf alle, die den Laden besuchen.

Erstellt: 14.05.2019, 11:27 Uhr

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