Winterthur

Für Vaterschaftsurlaub, für Teilzeitarbeit

Im Buch #Vatersein beschreibt Autorin Barbara Weber-Ruppli Männer und ihre Sicht auf die Familie. Das gab gestern Abend in der Jugendinfo Diskussionsstoff.

Elf Porträts und drei Gespräche zum Vatersein: Das Buch hat am Donnerstagabend Diskussionen über die Männersicht aufs Gebären und den Vaterschaftsurlaub ausgelöst.

Elf Porträts und drei Gespräche zum Vatersein: Das Buch hat am Donnerstagabend Diskussionen über die Männersicht aufs Gebären und den Vaterschaftsurlaub ausgelöst.

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Männer haben tatsächlich nicht so viel Übung darin, über Vatergefühle zu reden. Das zeigte sich an der Diskussionsrunde am Donnerstagabend gleich zu Beginn, als Autorin Barbara Weber-Ruppli Textpassagen mit Szenen aus dem Gebärsaal vorlas. «Warum diskutieren Männer über Bier und Fussball, nicht aber über die Geburt?», wollte Moderatorin Katrin Sutter von den drei Vätern auf dem Podium wissen. Es sei doch auch für sie ein einschneidendes Erlebnis. Jakob Bächtold, Stv. Chefredaktor und Verfasser der «Spielplatz»-Kolumnen im «Landboten», gab zu, dass er mit Kollegen kaum je über Details des Gebärens gesprochen hat.

«Wenn ich eine Spritze sehe, wird mir mulmig»

Marco Hollenstein, Jurist und Papa-Blogger von Kinderthur.ch, konnte immerhin auf einen jüngeren Kollegen verweisen, der ihn diesbezüglich mal um Rat angefragt hatte, weil er befürchtete im Kreissaal umzukippen. Eine Furcht, die Hollenstein bestens kennt: «Wenn ich im Spital eine Spritze sehe, dann wird mir schon mulmig.» Trotzdem hat er die Geburten seiner vier Kinder alle gut miterlebt.

René Gasser vom Vätertreff Winterthur bilanzierte, dass es allgemein wünschenswert wäre, wenn Väter mehr miteinander über Gefühle reden würden. Das Beispiel des Ratsuchenden sei typisch: «Heute fragen Männer meist nur nach, wenn sie Betroffen sind.» Dabei wäre ein breiter Austausch über Vaterthemen auch darüber hinaus wünschenswert.

Vaterdiskussionen seit 40 Jahren

Zumindest an diesem Abend kam ein solcher Austausch dann zu Stande. Anlass zur Diskussion in der Jugendinfo an der Wartstrasse vor einem Dutzend Zuhörerinnen und Zuhörern bot das Buch #Vatersein von Barbara Weber-Ruppli, in dem drei Interviews zum Thema und elf Porträts von Vätern zusammengefasst sind. Sie habe dieses Buch geschrieben, «weil ich mit den beiden Vätern in meinem Leben, also meinem eigenen Vater und meinem Mann, nicht zufrieden bin». Mit ihrem Mann diskutiere sie immer wieder über die Vaterrolle – nun schon seit 40 Jahren. Das Buch erhielt von den anwesenden Vätern Lob: «Man sieht wie andere ihr Vatersein leben», sagte Marco Hollenstein. «Da ist jedes Beispiel interessant.»

Die Politik hinkt der Realität hinterher

Einigkeit herrschte auf dem Podium darüber, dass in der Schweiz dringend ein längerer Vaterschaftsurlaub eingeführt werden sollte. «Dass Väter am Familienleben teilnehmen wollen ist längst Realität», sagte Jakob Bächtold. «Die Politik hinkt da hinterher.» Einig waren sich die Väter auch darin, dass die Teilzeitarbeit stärker gefördert werden sollte, da würden Eltern nach wie vor grosse Hürden in den Weg gelegt. Hollenstein lieferte gleich noch einen wertvollen Tipp für junge Paare: «Man muss sich nicht die Frage stellen: Wollen wir Kinder? Besser diskutiert man darüber: Wie wollen wir unsere Kinder betreuen?» Wenn man sich in diesem Punkt einige, dann sei die Antwort auf die erste Frage auch schon klar.

Alle Vaterporträts im Buch schliessen mit einem Rückblick der Väter auf ihre Vaterrolle. Nach einer solchen Bilanz gefragt, antwortete Jakob Bächtold: «Wenn ich mich mit den Vätern der älteren Generation im Buch vergleiche, dann bin ich nur schon zufrieden, wenn ich in 20 Jahren sagen kann: Ich war im Familienleben und bei der Erziehung der Kinder mit dabei.»

Das Buch zur Diskussion: #Vatersein. Die männliche Familiensicht philosophisch und praktisch. Barbara Weber-Ruppli. www.arisverlag.ch

(Der Landbote)

Erstellt: 08.06.2018, 11:22 Uhr

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