Winterthur

Fürs Sortieren von Kehricht gibt es eine Zulage, fürs Schneiden von hohen Bäumen auch

Wenn ein Feuerwehrmann eine besonders eklige oder belastende Arbeit erledigen muss, hat er eine Zulage zu Gute. Ebenso ein Schulabwart, der Militär einquartiert oder einen Hort im Haus hat.

Fürs Schneiden von hohen Bäumen gibt es für den Forstwart acht Franken mehr pro Stunde, nicht aber für den Baumpfleger.

Fürs Schneiden von hohen Bäumen gibt es für den Forstwart acht Franken mehr pro Stunde, nicht aber für den Baumpfleger. Bild: Johanna Bossart

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Zulagen zum ordentlichen Lohn sind seit langem Teil der städtischen Anstellungsbedingungen. Der Winterthurer Stadtrat hätte diese Zulagen gerne ganz abgeschafft oder zumindest stark reduziert, als er das neue Personalrecht einführte. Die Personalverbände waren im Grundsatz damit einverstanden, die lange Zulagenliste zu kürzen, bestanden aber darauf, dass es für besondere Beanspruchungen weiterhin einen Zustupf gibt, zusätzlich zum Lohn. Kürzlich hat der Stadtrat die neue Liste verabschiedet, ab 1. Juli gilt sie. Hier ein lockerer Blick in einige Details: Wer bekommt wie viel wofür?

  • Die Hauswarte und Hauswartinnen der Schulanlagen haben pro Tag eine Zulage von 52 Franken zu gut, wenn sie Militär einquartieren müssen. Ab dem vierten Tag gibt es noch 26 Franken. Haben Hauswarte einen Hort im Schulhaus, was mehr Aufwand bedeutet, bekommen sie 1000 Franken extra pro Jahr, für Tagesbetreuung ohne Essen noch 500.

  • Stadtwerk-Angestellte und Leute des Tiefbauamts bekommen eine so genannte Schmutzzulage von 6.50 Franken pro Stunde, wenn sie «gesundheitsschädliche und ausserordentlich unangenehme Arbeiten» erledigen müssen, ebenso bei «besonders starker Schmutz-, Lärm und Geruchsbelastung».

    Genauer definiert sind diese Belastungen nicht; grundsätzlich aber gilt für alle Arten der Zulagen: Sie werden erst dann fällig, wenn eine Belastung über das hinausgeht, was zur jeweiligen Arbeit und Funktion gehört. Ein Mitarbeiter der Abwasserreinigungsanlage muss also ein gewisses Mass an Gestank ohne Zulage erdulden, weils dort halt ab und zu stinkt. Müssen die Tiefbaumänner jedoch häusliche Abwasserleitungen entstopfen, gibts für sie ein Zehnernötli extra pro Stunde.

  • Die Belader von Kehrichtfahrzeugen haben ebenfalls unter gewissen Umständen eine Zulage zu gut, obschon ihr Job auch im Normalbetrieb schon streng und stinkig genug ist. Haben sie zum Beispiel einen schwarzen Kehrichtsack, einen ohne Gebühr also, mitgenommen und nehmen ihn später auseinander, um zu ermitteln, wer illegal entsorgt hat, gibts 4 Franken Zulage pro Stunde.

  • Stadtbus-Mitarbeitende, sowohl im Fahrdienst als auch in der Technik, bekommen 18 Franken zusätzlich, wenn sie einen dreiteiligen Dienst leisten müssen, also mit zwei längeren Pausen zwischen den Fahrzeiten. Bei vierteiligen Diensten sind es 23 Franken extra. «Je zerstückelter ein Dienst ist, desto belastender ist er für die Mitarbeitenden und desto länger wird ein Arbeitstag», heisst hierzu die Begründung des städtischen Personalamts und weiter: «Da solche Dienste eine Ausnahme bilden, wird diese zusätzliche Belastung nicht mit dem ordentlichen Lohn entschädigt, sondern mit dieser Schichtzulage.»

  • Bei den Berufsfeuerwehrleuten kann es vorkommen, dass sie Leichen bergen müssen oder bei Suiziden und so genannten Bahnunfällen beigezogen werden. Solche belastenden und schwierigen Arbeiten werden mit einer 50-Prozent-Zulage auf dem Stundenansatz abgegolten.

  • Bei Stadtgrün arbeiten Gärtner, Forstwarte, Baumpfleger, alle mit unterschiedlichen Pflichtenheften und Aufgaben, die sie ohne Zulagen erfüllen. Muss ein Baumpfleger auf acht Metern Höhe oder noch höher von der Leiter aus oder kletternd und gesichert am Seil hängend Aste absägen, gehört das zu seinem Job. Muss aber ein Forstwart diese Arbeit leisten, bekommt er eine Zulage von 8 Franken pro Stunde, weil die Arbeit in der Höhe gefährlich und besonders anstrengend ist. Stadtgrün-Gärtner auf dem Friedhof haben im Falle einer Exhumation eine 1O0-Prozent-Zulage zum Stundenlohn zu gut.

Spezialregelung in der Pflege

  • Wenn städtische Angestellte junge Leute während der Lehre oder im Studium begleiten, spricht man von Berufsbildnerinnen oder Berufsbildnern. Normalerweise betreuen diese eine oder mehrere Personen im gleichen Ausbildungsbereich, was im normalen Lohn abgebildet und entschädigt wird. ln den Heimen und bei der Spitex aber kommt es gelegentlich vor, dass es Lernende und Studierende gleichzeitig zu betreuen gilt. Das sind zwei komplett verschiedene Ausbildungsgänge, dadurch seien der Aufwand und die Belastung grösser. Die Zulage dafür beträgt 80 Franken pro Monat.

Mattia Mandaglio, der für Winterthur Zuständige in der Gewerkschaft VPOD, zeigt sich mehr oder weniger zufrieden mit diesen Zulagen, die der Stadtrat nun festlegt. Noch lieber hätte es Mandaglio gesehen, wenn man Spezialaufgaben gleich mit einem höheren Grundlohn kompensiert hätte. Dann hätte man seiner Meinung nach die Liste ganz bleiben lassen können. «Aber mit den heutigen Löhnen geht es nicht, alle Zulagen zu streichen.»

Erstellt: 24.06.2019, 14:35 Uhr

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